29.06.2016, 18:00 Uhr

"Wels betrachte ich immer noch als Basis"

Christian Koblmiller mit seiner Ehefrau Kara in deren Wohnort Zug, der nicht ganz 30.000 Einwohner zählt. (Foto: privat)

Christian Koblmiller gründete nach neun Jahren in New York ein Unternehmen in der Schweiz.

BEZIRK. Auch, wenn unser Bundesland eine Menge zu bieten hat, gibt es viele Oberösterreicher, die ihr Glück im Ausland versuchen. Laut dem Bundesministerium für Inneres belief sich die Zahl der wahlberechtigten Auslands-Oberösterreicher bei der Bundespräsidentenwahl 2016 auf 6590. Mitglied beim Netzwerk der Auslands-Oberösterreicher namens "Upper Austrians Abroad" des Landes Oberösterreich und der Business Upper Austria GmbH sind 737 davon. "Die Mitglieder sollen sehen, dass es in dem Land, in dem sie leben oder in das sie auswandern, auch andere Oberösterreicher gibt, mit denen sie sich zusammenschließen können", sagt Magdalena Bigonski, Leiterin des seit 2007 bestehenden Netzwerks. Im Optimalfall steht dem Auswanderer von Beginn an ein anderer Oberös-terreicher in dem gewählten Zielland mit Rat und Tat zur Seite. "Wir wollen, dass die Mitglieder Oberösterreich in die Welt hinaustragen", spielte laut Bigonski bei der Gründung auch der wirtschaftliche Aspekt mit. Von den 737 Mitgliedern kommen 28 aus Wels und sechs aus Wels-Land. Sie leben verteilt auf 17 verschiedene Länder. Einer von ihnen ist der 42-jährige Christian Koblmiller. Ursprünglich aus Wels, startete er nach seiner Ausbildung eine Karriere als Systemanalytiker bei PepsiCo in Wien.

Ungarn, USA, Schweiz

Im Alter von 23 wurde er erstmals ins Ausland versetzt. "Nach Budapest: Ungarn war damals nicht die populärste Destination. Aber für mich war es eine Chance, weil das Unternehmen extrem international war", sagt Koblmiller. In Ungarn half er beim organisatorischen Umbau der Osteuropazentrale. Im Anschluss wurde er weiterversetzt. Seine Reise verschlug ihn nach New York. "Mir war das Business dort aber zu langweilig. In Europa war alles kompliziert, was es von der IT-Perspektive her sehr spannend macht. In den USA waren die Systeme sehr einheitlich." Nach einem Jahr verließ er das Unternehmen und wechselte in die Wall Street, genauer gesagt zur Bank J.P. Morgan. "Acht Jahre lang war ich dort bei spannenden Projekten dabei. Ich lernte meine Frau in dieser Zeit kennen, unsere Kinder wurden in New York geboren." Sie waren der Hauptgrund für den Wegzug vom Big Apple. "Ich war nicht der große Fan vom US-Schulsystem. Ich hatte das Gefühl, dass die Kinder dort durch einen Raster gepresst werden", begründet der 42-Jährige diesen Schritt. Dennoch verbringt das Ehepaar mit den Kindern (11 und 13) jeden Sommer noch Zeit in den USA.

Österreich hat viele Vorzüge

Für die Rückkehr nach Europa hat die Familie die Schweiz als Lebensmittelpunkt gewählt. In Zürich gründete der Familienvater das Unternehmen "Integration Alpha", welches Banken mit Marktdaten versorgt und mittlerweile 20 Mitarbeiter zählt. Etwa eine halbe Stunde Fahrzeit von Zürich entfernt wohnt die Familie in der Stadt Zug. "Obwohl ich seit 20 Jahren nicht mehr dort wohne, betrachte ich Wels aber immer noch als meine Basis", sagt Koblmiller. Er kann sich vorstellen, eines Tages zurückzukehren. Für ihn kommt kein Land an Österreich heran, was die Ausbildungsmöglichkeiten betrifft. Auch die Eigenschaften von Österreichern erleichtern das Weiterkommen. "Es ist für uns leicht, als Partner akzeptiert zu werden. Man hat wenige Kanten und die Sprache wird nicht als nervig empfunden. Schweizer, Deutsche oder Amerikaner empfangen je nach Region oft eine bestimmte Ablehnungshaltung." Österreicher sollten die Bedingungen im eigenen Land seiner Meinung nach viel mehr schätzen.

Bisherige Artikel aus der Serie "Landsleute im Ausland":
Bernhard Zaglmayr: Link
Jürgen Löschenkohl: Link
Mario Scherhaufer: Link
Aleksandar Stanojevic: Link
Robert Polzinger: Link
Robert Fischer: Link
Helmut Gaisberger: Link
Hans-Joachim Lauterbach: Link

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