16.03.2016, 15:00 Uhr

Boards "made in Wels-Land"

David Lugmayr, Martin Erbler und Ali Deliri fertigen in Gunskirchen ihre easygoinc. Longboards an. (Foto: David Lugmayr)

Zwei Jungunternehmen aus Gunskirchen und Thalheim sorgen mit ihren Boards in der Szene für Aufsehen.

GUNSKIRCHEN/THALHEIM. Skate- und Longboarden haben sich ihren Weg vom Randsport in die breite Masse gebahnt. Die "Rollbrettfahrer" gehören mittlerweile gerade in der Großstadt zum normalen Bild. Mehr Nachfrage bedeutet auch mehr Absatzmöglichkeiten für die Industrie. Nur mit der Qualität stimmt es da nicht immer so. Zumindest wenn man David Lugmayr, Martin Erbler und Ali Deliri von easygoinc. Longboards und Peter Karacsonyi von Kape Skateboards fragt. Geht man ins Detail, könnten die Produkte, die sie herstellen, unterschiedlicher nicht sein. Dennoch haben sie ein gemeinsames Ziel: Weg vom Einheitsbrei, hin zu regionaler Qualität. Der Erfolg gibt ihnen Recht.

Nachfrage steigt stetig

Karacsonyi war mit seinen Boards letzten Sommer bei der Gründer-Fernsehshow "Höhle der Löwen". Sein Alleinstellungsmerkmal: Er fertigt die Bretter aus Carbon, Bambus, Glasfaser und Epoxidharz, was ihnen längere Haltbarkeit und mehr Boardspannung verleiht. Ein Investor bot 60.000 Euro für 30 Prozent Firmenanteile. Karacsonyi ging nicht auf den Deal ein und holte sich das Geld stattdessen von der Bank. Heute beträgt die Lieferzeit bei Kape acht bis zehn Wochen. Täglich kommen neue Bestellungen herein. Es hat sogar schon Anfragen aus dem Einzelhandel gegeben. 2015 wurden 1000 Boards verkauft, heuer sollen es bis zu 4000 werden. Das ausgeschriebene Ziel: 10.000 Bretter pro Jahr. Für den Erfolg von Kape Skateboards legte Karacsonyi sein Sportgerätetechnik-Studium auf Eis. "Ich wollte nicht halb Student und halb Unternehmer sein", erzählt er. Die Produktion hat er mittlerweile ausgelagert, um selber mehr Zeit zur Weiterentwicklung seines Produktes zu haben. Das Startup-Unternehmen Wertstatt aus der Nähe von Linz fertigt die Kape Boards. Die Endkontrolle übernimmt der Chef selbst. Zudem kümmert er sich um Siebdruck, Verpackung und Vertrieb. Um die Leute von der Qualität seines Produktes zu überzeugen, will Peter Karacsonyi seine Boards künftig in Skatehallen zum Testen anbieten. "Wir verkaufen nicht nur einzelne Decks, sondern auch viele Komplett-Boards. Das zeigt, dass die Leute wieder mit dem Skaten beginnen", freut er sich.

Von der elterlichen Tischlerei ins Wiener Cafe

Auch Lugmayr, Erbler und Deliri mussten auslagern. Bisher fertigten die drei ihre Longboards in Handarbeit in David Lugmayrs elterlicher Tischlerei. Da bei easygoinc. die Nachfrage ebenfalls kontinuierlich steigt, konnten die benötigten Stückzahlen irgendwann nicht mehr gestemmt werden. Die einzelnen Schichten der Boards werden mittlerweile von CNC-Fräsen ausgeschnitten. Laminiert und gepresst wird aber immer noch von Hand, um höchste Qualität zu garantieren. Denn darauf legen die drei easygoinc.-Gründer großen Wert. "Da gibt es viele Aspekte, die man beachten muss. Zuviel Harz etwa macht das Brett unnötig schwer", erklärt Martin Erbler. Neben der Qualität ist es die Regionalität, die den Burschen wichtig ist. Die Furniere für die Longboards kommen aus der Tischlerei. Dort werden die schönsten Schmuckstücke ausgesucht – was jedes easygoinc. Board zu einem Unikat macht. "Wir wollen nicht billig in China produzieren und versuchen die einzelnen Komponenten so regional wie möglich zu halten. Leider gibt es keinen europäischen Achsenproduzenten. Aber wir sind gerade mit einem tschechischen Hersteller von Longboardwheels im Gespräch", verrät Erbler. 2015 verkauften die drei Burschen 200 ihrer Longboards. Jetzt wollen sie umgründen und sich mit easygoinc. selbstständig machen. In drei Jahren sollen es dann 2000 "Brettln" sein. Aber auch neben der Absatzsteigerung gibt es bei easygoinc. ambitionierte Pläne: "Für Viele ist das Longboard nur ein urbanes Fortbewegungsmittel. Dabei ist das sogenannte Cruisen neben Downhill, Dancing und anderen nur eine mögliche Disziplin", erklärt Erbler. Für jede Fahrtechnik gibt es einen speziellen Boardtyp. Hier wollen die Burschen ansetzen: "Wir wollen aufklären, Technikworkshops anbieten und den Leuten auch vermitteln, wie wichtig die Qualität beim Boardkauf ist". Zudem soll es nach der Umgründung ein österreichweites Netz von Rent-a-Board Stationen in hippen Cafes und anderen dafür geeigneten Lokalitäten geben. Zwei Teststandorte in Wien sind dafür schon fixiert.
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