25.07.2016, 12:34 Uhr

Rolltreppe außer Betrieb: Mann verbringt zwei Wochen in der U-Bahn-Station

Heinrich S. am Unglücksort: „Man fühlt sich hilflos und alleine gelassen, Erinnerungen an mein Jus-Studium kamen auf.“ (Foto: Zinner/Wiener Linien, Alliance/Fotolia, Montage)

Ein furchtbares Martyrium überlebte der 31-jährige Wiener Rechtsanwalt Heinrich S.: Aufgrund einer kaputten Rolltreppe musste er zwei Wochen in der U-Bahn-Station Stephansplatz verbringen.

Der Mann ist zwar geschwächt, überstand den Vorfall ansons­ten aber unbeschadet. Der Anwalt befand sich wie jeden Tag gegen 23 Uhr auf dem Heimweg, als er auf die nicht funktionsfähige Rolltreppe stieß. Trotz seiner laut hörbaren Raunzer zeigte keiner der anderen Passagiere, die todesmutig über die kaputte Treppe gingen, Zivilcourage und halfen dem Mann. Mit seinem Blackberry informierte er schließlich seine Arbeitskollegen über die missliche Lage. „Ein Riesenglück“, meint Kanzleipartner Markus T. „So konnten wir rechtzeitig seine Mandanten übernehmen, bevor sie zur Konkurrenz laufen.“ Für eine Rettung ihres Kollegen blieb aufgrund des erhöhten Arbeitspensums klarerweise keine Zeit. Zwei Wochen lang ernährte sich Heinrich S. nur von liegen gelassenen Kebabs und halb leeren Red-Bull-Dosen. Die Flucht gelang ihm nur durch Glück, als er auf der Suche nach Nahrung auf den Aufzug am anderen Ende der Station stieß.

„Kein Handlungsbedarf“
Bei den Wiener Linien äußert man sich betroffen, sieht jedoch keinen Handlungsbedarf: „Wir haben für so einen Fall vorgesorgt“, beruhigt ein Sprecher. So befinden sich in der Station Stephansplatz mehrere Atemschutzmasken, die Fahrgäste bei längerem Aufenthalt zum Schutz gegen den in der Station vorherrschenden Kotzgeruch anlegen können. Ironischerweise vertritt der Anwalt den Wiener Helmut T., der letzten Februar sieben Minuten auf den Bus warten musste und daher momentan die Wiener Linien auf sieben Millionen Euro Schmerzensgeld verklagt.



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