18.07.2016, 07:50 Uhr

Auf der Flucht: Kunstaktivist Ai Weiwei provoziert mit Schwimmwesten-Installation im Belvedere-Garten.

„Die Aufgabe eines Künstlers ist, Bewusstsein zu schaffen. Wie das dann angenommen wird, liegt außerhalb seiner Kontrolle.“ Mit provokanten Aktionen hat der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei stets für Aufregung gesorgt.

Der Kritiker des kommunistischen Systems von China, der 2011 wegen angeblicher Steuervergehen inhaftiert wurde und nach einer dreimonatigen Haft bis 2015 unter Hausarrest stand, publizierte beispielsweise die Namen von 5000 Schulkindern, die 2008 bei einem Erdbeben in Sichuan in durch Korruption entstandenen Pfuschbauten ums Leben kamen. Er platzierte einen Felsen der chinesischen Bergwelt mitten auf dem Dachstein oder brachte 1001 Chinesen aus allen Schichten und allen Teilen des Landes zur Documenta 2007 nach Kassel. Umsiedlung a la Ai Weiwei.

Auch die neueste Aktion „F Lotus“ im Wiener Belvedere-Garten, die in Zusammenhang mit seiner Ausstellung „transfocation-transformation“ im 21er Haus steht, zieht gesellschaftskritische Deutungen nach sich. Auf dem ersten Blick schwimmen bunte Seerosen im Wasserbecken des Schlossgartens, tatsächlich handelt es sich dabei um 1005 zurückgelassene Rettungswesten, die im 5er-Block zu blütenähnlichen Strukturen geformt sind.

Gesammelt hat er diese auf der griechischen Insel Lesbos. Sie stammen von Flüchtlingen, die den lebensgefährlichen Trip über das Mittelmeer überlebt haben und jetzt auf Asyl in Europa hoffen. Im Gegensatz zu jenen, die ihre Flucht mit dem Leben bezahlt haben. Nach Angaben des UNHCR sind seit 2014 mehr als 10.000 Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken, die Dunkelziffer ist um vieles höher.

Die Schwimmwesten-Installation hat die Form eines kalligrafischen F´s. Welche Bedeutung das F hat, das lässt der Künstler offen. Umgeben wird das Kunstprojekt von 12 überlebensgroßen Bronzeköpfen der Tiere aus dem chinesischen Horoskop. Dieses steht 2016 im Zeichen des Affen, eine günstige Zeit für „Courage, Aktion, Chaos und wahre Hingabe“.

Menschlichkeit, Zusammenhalt, gegenseitige Akzeptanz und der altruistische Drang, Lösungen nicht nur beim Flüchtlingschaos zu kreieren, sollten im Mittelpunkt unseres Denkens stehen. Trotzdem auf Foto-Motive und Facebook-Postings aus dem barocken Schlossgarten nicht vergessen, denn ohne Kommunikation keine Reaktion !

WWW.oliverplischek.at
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