20.04.2016, 00:00 Uhr

Graffiti: Kunst oder Schmiererei?

Die ÖBB sind das häufigste Opfer von Sprayern.
WIENER NEUSTADT/BEZIRK. Früher sah man sie nur in Krimis aus New York, heute sind sie weit bis in die entlegendsten Gebiete vorgedrungen. Graffitis verursachen jährlich einen Schaden in Millionenhöhe. Die Sprayer hinterlassen ihre „Kunstwerke" und Unterschriften (Tags) an Hauswänden, S-Bahnen oder Brücken. Wir haben uns an die Fersen der Sprühdosen-Aktionisten in Stadt und Bezirk Wiener Neustadt geheftet.
Erst vor vierzehn Tagen musste wieder drei Schnellbahnzugsgarnitur in die Spezialreinigungs-Waschstraße der ÖBB nach Wien. Tatsächlich sind auch die Österreichischen Bundesbahnen die Hauptleittragenden der verbotenen Schmierereien. "Leider trifft es immer wieder die ÖBB. Private Hauswände sind selten das Ziel der Sprayer", bestätigt Johannes Prennsberger von der Wiener Neustädter Polizei.
Die Fälle hielten sich für die Exekutive 2015 auch in Grenzen. Gerade mal 13 Anzeigen (Aufklärungsquote: 23,1 Prozent) zählte man 2015 im Stadtpolizeikommando. 2014 waren es noch 66 Fälle (Aufklärungsquote: 51,5 Prozent). Prennsberger: "Wir verzeichnen einen starken Rückgang. Von einem Problem in Wiener Neustadt kann man nicht sprechen, wobei es natürlich für jeden einzelnen Betroffenen ein Problem ist."
Davon kann die ÖBB ein Lied singen. "In den vergangenen Jahren entstand den ÖBB durch Sprayer ein 7-stelliger Gesamtschaden pro Jahr", klagt Christopher Seif von den ÖBB. Gnade kennt man daher nicht. Seif: "Jedes Graffiti wird zur Anzeige gebracht. Dazu fordern wir Schadenersatz von den Tätern. Diese Geldbeträge werden oft über Jahre abgestottert."

Zur Sache:
Rechtlich gesehen kommen beim Sprayen Sachbeschädigung (§ 125 StGB) und schwere Sachbeschädigung (§ 126 StGB, ab 3000 Euro Schaden) zum Tragen. Es sind Strafen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren vorgesehen. Nicht zu vergessen sind auch die zivilrechtlichen Klagen der Geschädigten, die der Täter durch den hohen Schaden oft ein Leben lang nicht zurückzahlen kann.
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