06.07.2016, 07:00 Uhr

"Wut-Wirt" Ernst Stargl: "Die SPÖ darf sich nicht alles gefallen lassen!"

Ernst Stargl: "Die SPÖ muss sich wehren."

Wiener Neustadt. Der schnauzbärtige Gemeinderat ist einer wenigen Stadt-SPÖ-Politiker, die das Wort gegen die bunte Regierung erheben. Besonders auf Facebook hatte er seinem Zorn Luft gelassen.

"Sag, wer macht die Politik in Wiener Neustadt? Schneeberger, Schnedlitz, Sluka, Haberler, Windbüchler-Souschill oder doch Big Erwin?"
oder:
"Offene Frage an alle, ohne, dass jetzt wieder kommt, was die SPÖ falsch gemacht hat: Was hat die bunte Stadtregierung bis jetzt gemacht? Ok, Ring öffnen, Heimkehrerstraße, und alles andere?"

Ernst Stargl (46) kam in einer für die SPÖ sehr ungünstigen Phase in den Gemeinderat - erstmals als Opposition. Aber der Wirt - gemeinsam mit Bruder Manfred führt er das Traditions-Gasthaus Stargl in der Grazer Straße - will sich nicht mehr damit abfinden, dass in den Sitzungen ständig auf die Roten hingepeckt wird und die eigenen Genossen eher in Deckung gehen als in den Angriff übergehen.

"Viele halten sich eher zurück, zum Beispiel unser Plakatausträger aus meiner Sektion. Der arbeitet nicht mehr mit aus Angst um seinen Arbeitsplatz."
Er selbst hat schon mit Bernhard Müller in der "Plattform Kritische Jugend" zusammengearbeitet und sich immer eingebracht. Er selbst habe sich nie ein Blatt vor dem Mund genommen. Würde das auch nie tun: "Man muss sich was trauen."
Müller habe ihn auch auf die Wahlliste zur Gemeinderatswahl 2015 gesetzt.

Zu seinem Facebookeintrag: "Seit der letzten Gemeinderatssitzung weiß ich nicht, wer was zu sagen hat in Neustadt. Ist es der Klaus oder die Schnedlitz-Buam?
Was dem Wirt-Politiker noch sauer aufstoßt, sind die ständigen Wortattacken von Schnedlitz & Co. auf die SPÖ: "Jetzt gehen sie eh nur mehr auf die letzten zehn Jahre vom Bernhard (Ex-Bgm. Müller, Anm. der Red.) los, aber wir haben ja nichts angestellt. Horst Karas (SP-Chef, Vizebgm., Anm. d. Red.) hat das halbe Team ausgewechselt. Ihnen gehen die Argumente aus, weil sie nichts wissen. Wenn man nach Ausschusssitzungen manchen Themen nachgehst heißt es nur 'weiß i ned', kann ich nicht sagen."
Zur letzten Gemeinderatssitzung: "Es kommt immer nur Land, Land, Land - na, wer regiert in Neustadt?" Aber: "Die Landesausstellung, die sich jetzt an ihre Fahnen heften, für die wurde noch 2014 unter roter Regierung der Antrag gestellt." Zu Kulturstadtrat Piribauer: "Der kennt sich überhaupt nicht aus."

"Mir steht's eigentlich eh scho do", schildert Ernst Stargl, wenn er auf die Ereignisse im Gemeinderat zu sprechen kommt. Seiner Ansicht nach werden die meisten SP-Anträge abgeschmettert und dann aus Sicht der bunten Regierung nur leicht verändert neu formuliert. Um seinem Ärger Luft zu machen, hat er das auch ins Facebook geschrieben, "ich habe mir nicht gedacht, dass dies so viele lesen". Und da hat er gemerkt: "Es geht eh jeden so."

Jetzt spricht der Wut-Wirt!


Über seine Polit-Gäste: "Die einzigen, die von der bunten Regierung noch privat herkommen, sind Christian Stocker, Michael Klosterer und Robert Pfisterer. Haberler und Landbauer etwa kommen nicht mehr, die Schnedlitz-Buam woan eh nie da. Die haben a Angst. Wobei: Ich unterscheide sehr wohl zwischen Politik und Gastronomie. Ich werde hier mit Stocker & Co. sicher nicht zu politisieren anfangen."

Zum Stadionbau: "Er (Bgm. Schneeberger, Anm. d. Red.) tut versprechen, versprechen, versprechen. Dinhobl (Baustadtrat, Anm. d. Red.) steht bei der SC-Saisoneröffnung 20 Minuten auf der Bühne und sagt nix." Der Wut-Wirt: "Jo oder na, bau i ans oder bau i kans."

Zum Krankenhaus: "Bau ich draußen bei MedAustron, aber daneben hab ich des Stadion? Wie soll des gehen? Die denken nicht nach."

Zum Achtersee: "Wär ja schon fertig, wenn man die SPÖ-Pläne durchgeführt hätte."

Zum Naschmarkt: "Das selbe. Weiß kein Mensch wie was wann. Die Standler sind im Ungewissen. Der Lapatschek, der Schieder, der Wiltschek, die wissen alle ned wie es weitergeht." Seiner Meinung nach, habe die Stadt auch nichts davon, "wenn ein Investor investiert, dann vergibt die G'schäfte der Investor und nicht die Stadt."

Zur Donnerstagnachmittag-Kurzparkbefreiung: "Das wird nicht angenommen. Ich habe einen Gast, der kommt jeden Tag um halb 12 und löst einen Kurzparkschein. Dem hab ich schon gesagt, wenn er am Donnerstag erst um 12 kommt, braucht er nichts einwerfen. Er kommt trotzdem um halb 12, der kapiert das nicht." Gespräche mit Innenstadtgeschäftsleuten haben ihm dies auch bewiesen.

Ernst Stargl weiß: "Wenn die SPÖ bei den nächsten Wahlen ihr Wählerpotential abrufen will, dann muss sie auf Bürgernähe setzen und überall präsent und laut sein."

Geschichte des Lokals:

1938 eröffneten Priska und Ernst Stargl den Stargl Wirt im alten aber traditionellen österreichischen Stil und von da an konnte man sich das Gasthaus nicht mehr von Wiener Neustadts Kultur wegdenken. Damals gab es einen Weinkeller im Keller des Lokals, deshalb bekam das Gasthaus den Beinamen "Zum Guten Tropfen". Später wurde es jedoch bekannt durch verschiedenste Biersorten, die auch heute noch frisch vom Fass gezapft werden.
1970 übernahm Erich Stargl (Sohn von Priska und Ernst) im Alter von 29 Jahren das Gasthaus. Er eröffnete den Biergarten und dadurch fanden nochmal 100 Gäste mehr Platz.
Am 16. Juni 1984 lud der damalige Bürgermeister Kraupa alle Wirte aus Wiener Neustadt zu sich ein, um sich bei den Wirten für die Bereitschaft Sonn- und Feiertags geöffnet zu haben, zu bedanken.
1996 übernahmen Brigitte und Erich Stargls Söhne Manfred und Ernst die Leitung des Lokals.
Am 28. September 1999 ließen die Brüder das Gasthaus ins Firmenbuch eintragen.
Vor einigen Jahren hat der selbsternannte Bierpapst Conrad Seidl das Gasthaus zu einem sehr empfehlenswerten Bierlokal ernannt. In seinem Bierguide verlieh er ein Krügerl, da ihm persönlich das Bier zu kalt war.
Am 4. Juni 2008 wurde dem Gasthaus der "Benefit Wirtschaftspreis" verliehen.
Im Jahr 2013 erhielten die Geschäftsführer Manfred und Ernst Stargl den Ausbildertrophy für den Stargl Wirt.
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Erwin Paier sen. aus Südoststeiermark | 07.07.2016 | 15:13   Melden
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