06.09.2016, 10:02 Uhr

Haus der Barmherzigkeit

Christoph Zankl und seine Betreuerin Irmgard Zinner. Zankl macht nach einigen anstrengenden Übungen gerade eine Pause.

Gemeinsam, herzlich und kreativ - die Bezirksblätter-Reportage aus einem ganz besonderen Tageszentrum.

KIRCHSTETTEN (ah). Es ist ein sonniger Tag, als ich das Tageszentrum des Habits, Haus der Barmherzigkeit (HABIT) in Kirchstetten, betrete. Am Gang und aus den Räumen sind Stimmen zu hören, es duftet nach Gebackenem. Die Leiterin des HABIT, Basales Tageszentrum, Claudia Hölzl, erwartet mich schon.
HABIT nimmt sich seit 17 Jahren pflegebedürftiger, in Kirchstetten vor allem geistig und mehrfachbehinderter Menschen an. Seit 2004 ist Hölzl Leiterin in Kirchstetten.

Individuelle Herausforderung
Die meisten Klienten in Kirchstetten kommunizieren nonverbal, eine besondere Herausforderung für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen? "Ich denke, dass die Herausforderung in unserem Beruf vor allem in der Vielfältigkeit der Menschen hier liegt, aber genau das ist auch das Schöne daran", so Hölzl. Die Grundlage liege laut Hölzl im Filtern und Verstehen der Emotionen. "Gefühle werden oft durch Gestik, Mimik und verbale Kommunikaton nach außen getragen. Viele Klienten in unserem Haus können sich so aber nur schwer verständigen. Deshalb muss man sich als Betreuer persönlich gut einbringen und kreativ sein." Gegenwärtig werden 23 Klienten im Tageszentrum in Kirchstetten betreut, 22 von ihnen wohnen in angeschlossenen Wohngemeinschaften.

Basale Stimulation
Beim Rundgang durch das Haus fällt auf, dass jeder Raum eine eigene Farbe besitzt. Wir betreten die "Gruppe Rot", wo der Klient Christoph Zankl gerade von seiner Betreuerin Irmgard Zinner massiert wird. Er genießt es sichtlich, "wir nennen das basale Stimulation, das ist ein gewisser Anreiz, denn zuvor hat er fleißig seine Übung gemacht", erklärt Zinner. In den meisten Lebensvollzügen, welche kognitive, kommunikative, motorische und soziale Leistungen erfordern - benötigen die Klienten des Habits Begleitung, Unterstützung und Assistenz. Die sogenannte basale Stimulation wendet sich an Menschen mit schweren Behinderungen, die körperliche Nähe brauchen, um sich und andere überhaupt wahrnehmen zu können. Wir setzen unseren Rundgang fort und besuchen die Gruppe Lila. Schon beim Öffnen der Türe nimmt man Zitronengeruch war - "wir backen einen Zitronenkuchen für das anstehende Sommerfest", erzählt Betreuerin Brigitte Nagl, die mit der Klientin Christina gerade Eier aufschlägt. Indessen hantieren Betreuerin Lea Reisinger und ihre Klientin Frau Lepschi, die mit 79 Jahren älteste Dame im Haus, gerade mit dem Mixer, um die Zutaten schaumig zu schlagen.
Auf die Frage hin, ob das Zentrum und die Klienten in Kirchstetten in der Umgebung akzeptiert werden, ist sich Hölzl sicher: "Den Gebäudekomplex hier kennt man einfach in der Gegend. Die Stimmung der Bevölkerung uns gegenüber ist sehr positiv. Der Kontakt zu den Mitmenschen wird unsererseits beispielsweise mit Exkursionen gesucht und hergestellt." Am Ende unserer Runde besuchen wir noch die "Seniorengruppe". Hier können sich viele verbal miteinander verständigen. Neugierig fragt eine Dame, die gerade Rezepte in eine Mappe einsortiert: "Wer bist denn du?" Ich gebe ihr zu verstehen, dass ich hier bin, um einen Artikel über die Tagesstätte zu schreiben. Sie lächelt mich an und nickt.
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