02.05.2016, 17:43 Uhr

Neulengbach: 61 Rehau-Mitarbeiter werden gekündigt

Noch prägen die bunten Rehau-Rohre das Neulengbacher Stadtgebiet, doch das wird sich bald ändern.

Der Kunststoffhersteller stellt die Rohrproduktion im Neulengbacher Werk ein. Die Bezirksblätter sprachen mit einem betroffenen Mitarbeiter.

NEULENGBACH (mh). 1956 gründete der internationale Kunststoffhersteller Rehau in Neulengbach sein erstes Werk außerhalb Deutschlands. Ausgerechnet zum 60. Jubiläum des Standortes teilte die Unternehmensleitung vergangene Woche mit, dass die Produktion von Abwasser- und Drainage-Rohren in Neulengbach geschlossen wird.

Aus für Abwasserrohre

"Rehau wird sich in Österreich aus dem klassischen Tiefbaurohrsegment komplett zurückziehen", gab Österreich-Boss Rafael Daum am vergangenen Mittwoch bekannt. Insgesamt werden in Österreich 88 Arbeitsplätze eingespart. In der Produktion in Neulengbach verlieren auf Anfrage der Bezirksblätter laut Pressesprecherin Sandra Luger 61 Mitarbeiter ihren Job, in der Verwaltung in Guntramsdorf werden 27 Stellen abgebaut, "ein Großteil mit Jahresende 2016, der Rest bis Ende des ersten Quartals 2017". Ein Restrukturierungsprogramm soll den Standort Österreich mit über 300 Arbeitsplätzen jedoch langfristig sichern. Auch das Werk in Neulengbach werde nicht komplett geschlossen, sondern in den pro­fi­ta­blen Bereichen Telekommunikation und Gebäudetechnik mit 190 Mitarbeitern weiter betrieben. Einer der Gekündigten ist der 55-jährige Lagerarbeiter Karl F. (Name von der Redaktion geändert): "Als ich das erfahren habe, ist mir der Boden unter den Füßen weggerutscht. Ich war geschockt. Ich bin 55 Jahre alt. Dass mir so was noch passiert, hätte ich nie gedacht. Ich bin völlig fertig und muss mir erst klar darüber werden, was ich jetzt mache."

Nach 15 Jahren gekündigt

Die Kündigung kam für F. völlig überraschend. "Das Werk wurde abgestellt und wir wurden alle ins Büro geholt. Nachdem die ersten herausgekommen sind und keinen Ton gesprochen haben, war mir alles klar." Auf dem Arbeitsmarkt rechnet der Schichtarbeiter, der seit 15 Jahren gerne für Rehau gearbeitet hat, nur mit geringen Chancen: "Wer nimmt mich noch in meinem Alter?" Zutiefst erschüttert zeigt sich auch Neulengbachs Wirtschaftsstadtrat Gerhard Schabschneider (ÖVP): "Es ist schade, dass ein so großer Betrieb, der bei uns in Neulengbach angesiedelt ist, jetzt reduziert, obwohl er ursprünglich sogar vergrößern wollte. Aber wir als Gemeinde können das leider nicht steuern."

Zur Sache

Die Rehau Gruppe ist ein im Familienbesitz befindlicher Schweizer Polymerverarbeiter mit deutschen Wurzeln und besitzt mehr als 170 Standorte in über 50 Ländern. Neulengbach ist eine der ältesten Produktionsstätten.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.