14.06.2016, 19:50 Uhr

"Es ist faszinierend, Priester zu sein"

Seit September 2015 wirkt der 30-jährige Pole Christoph Kranicki als Kaplan in der Stadtpfarre Wolfsberg

Kaplan Christoph Kranicki initiiert Friedensgebete für Flüchtlinge und Einheimische.

petra.moerth@woche.at

WOLFSBERG. Der vor einem Jahr im Klagenfurter Dom zum Priester geweihte Pole Christoph Kranicki (30) wirkt seit September 2015 als Kaplan in der Stadtpfarre Wolfsberg.

WOCHE: Welche Bilanz ziehen Sie über Ihr erstes Jahr als Priester?
CHRISTOPH KRANICKI: Es war schön Diakon zu sein, aber ich habe ganz besonders gespürt, dass Gott von mir erwartet hat, Priester zu werden. Messen feiern, Beichten abnehmen, Krankensalbungen spenden — das sind für mich eigentlich alles Wunder, die ich jetzt jeden Tag erlebe. Meinen Dienst als Priester verbinde ich in erster Linie mit dem Spenden der Sakramente; beim Altar zu stehen und die Frohe Botschaft zu verkünden, damit die Menschen, die im Alltag belastet sind, die gestritten haben, die Krankheiten plagen, etwas Positives, Fröhliches, Gutes hören, und mit einem Strahlen, Hoffnung, neuen Perspektiven, mit dem Wissen, dass es möglich ist, das alles zu überwinden, weil Gott uns nahe ist und uns nicht verlassen oder vergessen hat, hinausgehen. Das zählt für mich zur Schönheit des Priesterseins. Und ich darf auch von Stadtpfarrer Engelbert Hofer so viel lernen — es ist einfach schön und faszinierend, Priester zu sein.

Darüber hinaus gelten Sie aber nicht zuletzt aufgrund Ihrer Schauspiel-Einsätze beim "Theater im Dorf" in St. Marein als geselliger Seelsorger. Soll ein Priester auch im Dorfleben involviert sein?
Ja sicher. Ein Priester, der sich nur im Kirchengebäude einsperrt, das wäre keine Frohe Botschaft. Deshalb auch "Theater im Dorf", deshalb auch verschiedene Veranstaltungen, die wir als Pfarre machen. Wir planen ab Herbst übrigens etwas Neues für Flüchtlinge. Es gibt meiner Meinung nach viele Angebote, die Flüchtlinge in finanzieller und materieller Hinsicht unterstützen. Aber Spenden ist einfach, weil es anonym ist. Deshalb sollten wir den nächsten Schritt machen und Brücken bauen und Vertrauen schaffen. Wir wollen hier in der Stadtpfarre Wolfsberg – der Stadtpfarrer Engelbert Hofer hat schon zugestimmt – alle Flüchtlinge regelmäßig auf neutralem Boden im Markussaal zu einem Friedensgebet einladen.

Wie soll das funktionieren?
Beim Friedensgebet sind Priester, Flüchtlinge und Einheimische einmal im Monat dazu eingeladen, in ihrer eigenen Sprache, Weise und Form zu beten. Danach kommen wir bei der anschließenden Agape vielleicht ins Gespräch und sind uns das nächste Mal in einer Schlange bei der Kasse in einem Geschäft nicht mehr so fremd.

Wie geht es Ihnen als Pole eigentlich im Lavanttal?
Natürlich bin ich Pole und bleibe immer Pole. Das ist klar. Aber wenn man die Entscheidung getroffen hat, in einem anderen Land zu dienen, muss man natürlich die Spezifika der Diözese und der Menschen kennenlernen, man muss sich mit ihren Erwartungen und ihren Traditionen auseinandersetzen, womit es mir eigentlich sehr gut geht. Die Kirche besteht aus dem Evangelium und den Sakramenten, das ist eigentlich überall das Gleiche, Jesus Christus ist das gemeinsame Fundament. Das ist unsere Quelle, egal in welche Richtung Seelsorge geht. Da Kommunikation eine sehr wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Rolle spielt, muss man natürlich auch die Sprache beherrschen.

Wie viele Ihrer jungen und junggebliebenen Priesterkollegen sind Sie in "Facebook" sehr aktiv. Welche Rolle spielen Soziale Medien heute für die Seelsorge?
"Facebook" ist in der heutigen Zeit eine Möglichkeit, um als Seelsorger zu Menschen Kontakt herzustellen. Ich poste auf meinem Profil verschiedene Dinge, die nicht immer mit der Kirche zu tun haben, z. B. Fotos aus der Freizeit, um zu zeigen, dass auch ein Priester ein ganz normaler Mensch ist. Aber zwischen diesen Postings versuche ich immer auch eine kirchliche Botschaft zu vermitteln, was ganz gut funktioniert, weil ich über den Messenger viele Rückmeldungen bekomme, nicht nur Kommentare wie "toll" oder "super", sondern ich werde auch mit schwierigen Fragen konfrontiert. Viele Menschen haben vielleicht nicht den Mut persönlich in den Pfarrhof zu kommen, um mir diese schwierigen Fragen zu stellen. Deshalb beantworte ich sie gerne auch über "Facebook".

ZUR SACHE:
Mag. Dr. Christoph Kranicki (30) lebt seit drei Jahren in Österreich. Nach einem Jahr im Priesterseminar in Graz absolvierte er von 2014 bis 2015 ein Praktikum in St. Marein. Nach seiner Priesterweihe am 21. Juni 2015 wechselte er im September als Kaplan in die Stadtpfarre Wolfsberg.
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