15.08.2016, 21:27 Uhr

Am Himmel ist die Hölle los

Wolfsberg: Koralpe | Am Himmel ist die Hölle los - verkehrstechnisch gesehen zumindest.

"Tausende Flugzeuge benutzen täglich den österreichischen Luftraum. In allen Größen und Bauarten heben sie ab, landen oder überqueren das Land. Damit alle sicher an ihr Ziel kommen, betreibt die Austro Control mehrere Radarstationen, die zu jedem Zeitpunkt erfassen, welches Flugzeug sich wo aufhält.

Die größten von diesen werden Mittelbereichs-Radarstationen (MBR) genannt. Davon gibt es in Österreich drei Stück. Eine davon steht am Gipfel der 2140 Meter hohen Koralpe an der Grenze zwischen der Steiermark und Kärnten.

Obwohl "Mittelbereich" nicht gerade bombastisch klingt, erfassen die drei österreichischen MBR-Stationen einen Bereich, der an einigen Stellen mehrere hundert Kilometer über die Staatsgrenzen hinaus reicht. Wohlgemerkt sind das nur die Kapazitäten zur Erfassung des zivilen Luftverkehrs. Wie auch die zwei weiteren MBR-Standorte hat die Station auf der Koralpe einen militärischen Nachbarn, wodurch zwei Kuppeln von der Bergspitze glänzen.

Bei guter Sicht kann man die Koralpe vom Flughafen Graz aus sehen. Der Berg wirkt so nah, dennoch ist er immer noch eine gute Autostunde entfernt.

Unter der weißen Kuppel, dreht sich eine riesige, tonnenschwere Radarantenne. Im Radom - so wird die Kuppel bezeichnet - herrscht ein frischer Wind. Das rotierende Stahl-Ungetüm wird von Elektromotoren angetrieben. Verlässt man den Radom und tritt durch eine schwere Panzertüre, gelangt man auf die Außenseite des Gebäudes, direkt unterhalb des überdimensionalen weißen Balls.

Nur einen Steinwurf von der Terrasse entfernt sieht man das Gipfelkreuz, ein frequentiertes Ziel für Wanderer.

Flugsicherung mit Radar
Betrieben werden Österreichs Radarstationen für Zivilluftfahrt von der Austro Control. Die Austro Control ist, neben behördlichen Aufgaben, für die Flugsicherung (Air Traffic Management) über Österreich zuständig, sowie für jegliche Kommunikation mit Flugzeugen und betreibt die entsprechenden Anlagen. Eine der Hauptaufgaben bei der Flugsicherung ist die Kontrolle der Mindestabstände zwischen Luftfahrzeugen. Mindestens fünf nautische Meilen (ca. neun km) Abstand nach vorne und hinten, sowie 1000 Fuß (300 Meter) oben und unten müssen zwischen zwei Flugzeugen frei bleiben.

Damit Fluglotsen die Position der Flugzeuge genau bestimmen können, werden Radars eingesetzt. Ein Radar arbeitet mit elektromagnetischen Wellen, um Objekte zu erkennen und den Abstand zu ihnen festzustellen. Dabei ist grundsätzlich zwischen einem Primär- und einem Sekundärradar zu unterscheiden. Ein Primärradar schickt Signale aus und empfängt deren Reflektionen (Jeder metallische Gegenstand mit einem Querschnitt von ca. einem Quadratmeter reflektiert Radarstrahlen).

Das Sekundärradar auf der Koralpe
Ein Sekundärradar schickt Signale auf einer Frequenz (1030 MHz) aus. Diese werden von Geräten empfangen, die in jedem modernen Verkehrsflugzeug installiert sind, so genannten Transpondern, die zweierlei Information an die Radarstation zurücksenden (1090 MHz): Ihre Identifikationsnummer und ihre Flughöhe. Während man mit einem Primärradar nur die horizontale Entfernung eines Flugobjekts feststellen kann, erkennt man mit einem Sekundärradar die genaue Position im dreidimensionalen Raum.

Auf der Koralpe waren ursprünglich Primär- und Sekunddärradar im Einsatz. Die Anlage wurde von 1978 bis 1980 errichtet und revolutionierte zusammen mit den zwei anderen MBR-Stationen (Buschberg in NÖ und Feichtberg in OÖ) die Flugsicherung in Österreich. Erstmals gab es flächendeckende Radar-Abdeckung über dem Staatsgebiet. Parallel wurde das militärische System "Goldhaube" vollendet, dessen "Fühler" bis Frankreich und Rumänien reichen. Der Standort Koralpe ist dabei der höchste. Durch die hochalpinen Umgebungsbedingungen musste er besondere Forderungen erfüllen.

Arbeitsplatz am Berg
Zu der Radarstation kommen autorisierte Besucher ausschließlich über einen Weg direkt durch das Skigebiet Koralpe. Bei gutem Wetter kann man mit dem Auto bis zur Bergspitze fahren. Viele Monate im Jahr benötigt man allerdings eine eigene Pistenraupe, um rauf zu kommen. Das Personal von Austro Control und Militär reist dabei gemeinsam an. Das größere der beiden Gebäude an der Spitze ist das zivile.

Über drei Stockwerke sind hier Garagen, Werkstätten, Büros, Küche, Betriebsräume und Notunterkünfte verteilt. Im Keller befinden sich lange Reihen von Akkus und zwei Dieselgeneratoren, die im Notfall autonome Stromversorgung sicherstellen.
Die Radarstation wird tagsüber von einer Hand voll Technikern besetzt. Sie kümmern sich um die Wartung der teilweise bereits 30-jährigen Anlagenteile. Die Fenster sind mit Draht durchzogen - keine Scheibenheizung, sondern Teil der Alarmanlage. Mit dem hausinternen Aufzug fährt man ganz hinauf zum Herzstück der Anlage: Einer riesigen, 14 Tonnen schweren Antenne, die sich unter ihrer Kuppel (dem "Radom") so schnell dreht, dass einem direkt darunter ein kräftiger Wind durch die Haare bläst. Die Antenne vereint Primär- und Sekundärradar. Genutzt wird allerdings nur noch zweiteres", berichtet Futurezone.

Fortsetzung von: http://www.meinbezirk.at/deutschlandsberg/freizeit...
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Peter Seper aus Oberwart | 15.08.2016 | 21:58   Melden
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Karin Polanz aus Bruck an der Mur | 15.08.2016 | 22:56   Melden
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Alois Knopper aus Klagenfurt | 15.08.2016 | 23:17   Melden
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Franz Binder aus Weiz | 16.08.2016 | 09:30   Melden
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Harald Schober aus Weiz | 16.08.2016 | 18:54   Melden
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Harald Schober aus Weiz | 16.08.2016 | 18:55   Melden
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Harald Schober aus Weiz | 16.08.2016 | 18:56   Melden
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