23.08.2016, 10:30 Uhr

Angriff auf die Sommerferien

Ferienzeit ist Kinderbetreuungszeit: Viele Gemeinden bieten mittlerweile ein umfangreiches Programm. (Foto: Marktgemeinde Schweiggers)

Neun Wochen Ferien: Luxus pur, Fadesse pur oder Organisationshorror für Familien?

BEZIRK ZWETTL. Neun Wochen Ferien im Sommer. Was für Lehrer und Schüler paradiesisch klingt, stellt immer mehr Eltern vor Herausforderungen. Wer passt auf die Kinder auf, wenn der Urlaub von Papa und Mama nach zwei Wochen vorbei ist? Familienministerin Karmasin forderte zwei Wochen der Sommerferien in den Herbst zu verschieben. FP-Klubchef Waldhäusl will, dass die Schulen ab erstem August wieder öffnen und Nachhilfe anbieten. Wir haben Eltern, Lehrer und Schüler im Bezirk befragt, was sie von den Vorschlägen halten.

Problemverlagerung

Die von den Bezirksblättern befragten Eltern würden in der Ferienzeitverschiebung lediglich eine Problemverlagerung sehen. Statt neun auf sieben im Sommer und zwei Wochen im Herbst, würde nach Meinung der Eltern die Kinder sehr schnell wieder aus dem Lern-Alltag reißen. Dies sehen auch viele Lehrer so. Selbst die befragten Kinder würden die bisherige Ferienaufteilung so belassen.

Vorschlag nicht durchdacht

"Für Jugendliche in Höheren Schulen, die im Sommer oft Praktika machen oder Sommerjobs annehmen, ist es unter Umständen schwieriger, dies zu tun, wenn zwei Wochen wegkommen", meint etwa Elisabeth Elsigan, Lehrerin an der Privaten Mittelschule in Zwettl. Sie würde hingegen statt einer Ferienverschiebung einen späteren Unterrichtsbeginn gutheißen, denn es sei mittlerweile wissenschaftlich bewiesen, dass Kinder und Jugendliche dann eine bessere Leistung abrufen könnten.
"Vielleicht sollte man ehrlichweise einmal darüber diskutieren, dass Kinderbetreuung etwas kostet und es dafür entsprechendes Personal braucht", spricht der Direktor der Privaten Mittelschule aus Zwettl, Gerhard Uitz, auf Anfrage Klartext. "Aus pädagogischer Sicht bin ich der Meinung, dass es durchaus gut ist, wenn nach den Sommerferien eine längere Phase zum Lernen zur Verfügung steht", schläg Uitz in die selbe Kerbe. Gerade aber an seiner Schule wird auf freiwilliger Basis eine Ganztagesbetreuung von 7 bis 16:30 Uhr angeboten.

Vorteile von Herbstferien

"Aus meiner Sicht ergeben sich durch eine Neuaufteilung der Sommerferien auf 6 Wochen im Sommer und 2 Wochen im Herbst viele Vorteile", so die Inhaberin der Kinderbetreuung Apfelbäumchen, Antonia Kastner aus Zwettl, auf Bezirksblätter-Anfrage. Ihrer Meinung nach tue es Kindern gut, besser aufgeteilte Erholungsphasen zu haben. Doch auch ihr ist klar: "Um Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglich, ist es ohnehin notwendig, dass Eltern Unterstützung von Kinderbetreuungseinrichtungen bekommen." Abschließend sieht Kastner auch mögliche Vorteile für die Tourismus- und Gastronomiebranche, da diese von etwaigen Herbsturlauben profitieren würden.
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