20.04.2016, 08:29 Uhr

"Wir" und die "Anderen"

(Foto: Waldviertel Akademie)

Waldviertel Akademie lud zu spannendem Diskussionsabend nach Zwettl

ZWETTL. Am Montag, 18.4.2016, lud die WALDVIERTEL AKADEMIE gemeinsam mit der KPH Wien/Krems, der Stadtgemeinde Zwettl und der HLW-FW Zwettl zu den Waldviertler Vorlesungen unter dem Titel „Die Guten, die Bösen und die verlorene Mitte. Wieso wir vor fremden Kulturen und Religionen keine Angst haben müssen“. Integrationsexperte Heinz Ivkovits gab dabei einen Einblick in ein umfangreiches und schwieriges Thema und wusste dabei mit seinem Vortrag das zahlreiche gekommene Publikum zu begeistern.
Schuldirektorin Friederike Wieseneder sprach bei ihrer Begrüßung auch über die eigene Herausforderung der HLW, in der selbst zwanzig Flüchtlingskinder unterrichtet werden: „Es ist nicht immer leicht, aber ein befruchtender Austausch.“
Für KPH-Vizedirektor Andreas Weissenbäck gibt „es kaum ein Thema, das brennender ist“ und dies so auch die Aufgabe seiner Institution: „Man muss über Themen reden und heiße Eisen ansprechen.“
Vizebürgermeister Johannes Prinz wies in seinen Grußworten auf einen zentralen Punkt hin: „Toleranz ist eines der wichtigsten Dinge, die man üben muss. Kinder haben hier den wohl besten und voruteilslosesten Zugang.“
Heinz Ivkovits spannte danach einen großen Bogen – von der richtigen Definition von Flüchtlingen und Migranten, Angst und Furcht bis hin zu Identität, Islam und Social Media. „Grundsätzlich geht es um die Abgrenzung, für viele Menschen geht es darum, dagegen zu sein“, so Ivkovits, „was wir erleben ist ein Kulturkampf, der viel mit Worten zu tun hat.“ Der Religionsexperte präsentierte darauf auch die „Social Identity Theory“, nach der sich Menschen durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe definieren. „Das Verhalten wird durch die Gruppe geprägt, je loyaler ich zu dieser stehe, desto größer ist die Abwertung der anderen Gruppen.“
Ivkovits betonte auch, dass es bei dieser Thematik keine einfachen Antworten gäbe. „Natürlich gibt es diese Ängst. Aber wir müssen zwischen Angst und Furcht entscheiden. Furcht ist etwas Konkretes, Angst hat vielleicht einen wahren Kern, ich kann sie aber nicht einordnen und nichts dagegen tun“, so Ivkovits, der auch plädierte: „Auch Flüchtlinge und Migranten haben Ängste. Wenn man mit den Menschen zu tun hat, nehmen diese oft ab.“
„Der Umgang mit den Medien sei ein Problem“, so Ivkovits, der aufzeigte: „Nicht die Diskussion ist das Problem, sondern wie wir sie führen.“
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine lebhafte und engagierte Diskussion, in der auch der Leiter des Integrationsservices der Landesakademie Niederösterreich Murat Düzel Stellung bezog: „Wir müssen bei den Kindern und Jugendlichen ansetzen.“ Ivkovits pflichtete ihm bei: „Wichtig ist immer, dass man Meinungen vertritt. Permanente Begegnungen sind wichtig, um Vorurteile und Ängste abzubauen.“
„Das große Interesse und die intensive Diskussion hat gezeigt, dass wir auch mit den Waldviertler Vorlesungen aktuelle und wichtige Themen der Region und Zeit aufgreifen“, freute sich Geschäftsführer Christoph Mayer über die Veranstaltung.
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