Ein halbes Jahrhundert in Österreich
Dobrosav Pajkovic kam vom Kabelwerk ins Café Hera

Dobrosav Pajkovic hat sein Kaffeehaus seit 1. Novmber geschlossen, aber noch nicht den Mut verloren.
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  • Dobrosav Pajkovic hat sein Kaffeehaus seit 1. Novmber geschlossen, aber noch nicht den Mut verloren.
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Café-Hera-Chef Dobrosav Pajkovic feiert ein halbes Jahrhundert in Österreich, genauer gesagt im Neunten.

WIEN/ALSERGRUND. An den Tag, an dem Dobrosav Pajkovic in Wien aus dem Zug gestiegen ist, erinnert er sich noch genau: Es war der 25. März 1971, also vor einem halben Jahrhundert. Das Jubiläum, das er heuer begeht, nennt er selbst "50 Jahre Gastarbeiter".

1971 war Pajkovic 17 Jahre alt. Nach Wien kam er aus einer serbischen Kleinstadt und einer Familie mit sechs Geschwistern. Sein Onkel, der bereits in Wien arbeitete, hatte ihn zu sich geholt. Auch seine damalige Freundin und spätere Frau, die er in der Schule kennengelernt hatte, war mitgekommen. Gleich am Tag nach seiner Ankunft stand Pajkovic vor dem Personalchef des Kabelwerks von Siemens: "Der war gar nicht zufrieden mit mir, weil ich so klein und schmächtig war", erinnert er sich. Aber er konnte dann doch als Zuarbeiter zum Maschinenführer anfangen und bewies sich schnell. Nach sechs Jahren wurde er selbst zum Maschinenführer und stellte Starkstrom- und Telefonkabel her. Nach insgesamt 30 Jahren wurde das Wiener Werk dann aber geschlossen und ihm gekündigt. 

Erste und zweite Familie

Der leidenschaftliche Alsergrunder hatte bereits vorgesorgt und sein Stammlokal, das Café Hera in der Lustkandlgasse, übernommen. "Die damalige Besitzerin hat mich gefragt, ob ich mir das nicht vorstellen könne, da sie in Pension gehen wollte", erzählt er. Erfahrungen in der Bewirtschaftung hatte er schon zuvor gesammelt, als er ein Hotel in Serbien wiederaufgebaut und schließlich verpachtet hatte. Nach einer Rundum-Sanierung entstand so im Jahr 2000 das Café Hera in seiner heutigen Form: ein Grätzel-Treffpunkt in Kaffeehaus-Tradition für Nachbarinnen und Nachbarn sowie das Personal und die Patientinnen und Patienten der nahegelegenen Zahnklinik. Manchmal kommen auch Besucherinnen und Besucher der Volksoper. Das Herz des klassischen Kaffeehauses, das nur kleine Speisen serviert, ist natürlich Dobrosav Pajkovic selbst, der die Stammgäste zu seiner zweiten Familie erklärt hat – wobei auch die erste stattlich ist: Er hat zwei Kinder, drei Enkel und fünf Urenkel.

Der markante Eingang des Cafés ist Stammgästen wohlbekannt,
  • Der markante Eingang des Cafés ist Stammgästen wohlbekannt,
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Für seine Nachkommen reist Dobrosav Pajkovic auch öfters an den südlichen oder den östlichen Rand der Stadt, am liebsten ist er aber im Neunten: "Ich wohne seit 50 Jahren am Alsergrund. Hier ist meine Heimat und im Café möchte ich sterben", sagt er. Auch eine Familiengruft am Zentralfriedhof gibt es, die er seit dem Tod seiner Frau vor drei Jahren – "Wir waren 49 Jahre und zwei Wochen lang zusammen" – jeden Sonntag mit frischen Blumen besucht.

Seit November geschlossen

Aktuell ist sein Dasein von der Corona-Pandemie überschattet. Auch wenn sich Dobrosav Pajkovic bereits in Serbien impfen lassen konnte: Das Café Hera bleibt seit 1. November geschlossen. Die "zweite Familie" vermisst einander natürlich, unterstützt sich aber im Rahmen der von den Maßnahmen vorgegebenen Möglichkeiten: "Ich kontrolliere meine Stammgäste und sie kontrollieren Pajko."

Dobrosav Pajkovic hat sein Kaffeehaus seit 1. Novmber geschlossen, aber noch nicht den Mut verloren.
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