Gedenktafel in der Seegasse enthüllt

SPÖ-Bezirksvorsteherin Martina Malyar (r.), Pfarrer Harald Geschl und zwei Zeitzeuginnen.
  • SPÖ-Bezirksvorsteherin Martina Malyar (r.), Pfarrer Harald Geschl und zwei Zeitzeuginnen.
  • Foto: Stefan Fleischner-Janits
  • hochgeladen von Thomas Netopilik

ALSERGRUND. Zum Gedenken an jene Menschen, die in der Nazi-Zeit verfolgten Menschen geholfen haben, wurde am Haus in der Seegasse 16 eine Gedenktafel enthüllt. Die im Stil eines Puzzles gestaltete Tafel soll an die vielen, großteils unbekannten Helfer erinnern, die während des Nazi-Regimes rund 3.000 jüdischen Mitbürgern die Flucht ins Ausland ermöglicht haben.

Im März 1922 kaufte die Schwedische Israelmission das Haus in der Seegasse 16. Diese Organisation mit Hauptsitz in Stockholm verfolgte in Wien zunächst das Ziel, Jüdinnen und Juden mit dem christlichen Glauben vertraut zu machen und evangelisch zu taufen. Die Zuspitzung der Umstände für Juden unter der Nazi-Herrschaft führte zu einem Umdenken der nun als „Schwedische Mission“ bezeichneten Organisation: unter der Leitung schwedischer Theologen haben österreichische evangelische ChristInnen Hilfesuchende unterstützt, angefangen von Seelsorge über Kleiderbeschaffung und Ausspeisungen bis zur Fälschung von Dokumenten, um eine Ausreise zu ermöglichen.

Zwischen 1938 und 1941 konnte so über 3.000 Menschen, vornehmlich Jüdinnen und Juden, aber auch ChristInnen jüdischer Abstammung zur Ausreise aus Österreich verholfen werden, um sie vor der Deportation in die Vernichtungslager zu bewahren. Trotz aller Bemühungen konnte jedoch der weitaus größeren Zahl, die sich an die Schwedische Mission um Hilfe wandten, nicht geholfen werden. 1941 wurde der letzte schwedische Mitarbeiter des Landes verwiesen und die Schwedische Mission musste geschlossen werden.

Über die Gedenktafel

Die Gedenktafel, die nun an der Häuserfront der Seegasse 16 angebracht ist, greift das Motiv des leidenden und sterbenden Jesus am Kreuz auf. Dieses Kreuz aus Holz hängt im Kirchenraum der Evangelischen Messiaskapelle und erinnert dort an die Toten aus den Jahren der Verfolgung 1938 bis 1945. Das Kreuz auf der Gedenktafel ist ein Gesamtkunstwerk, das – ähnlich einem Puzzle – die vielen Bestandteile, die vielen unerkannten Helfer, repräsentieren soll, die diese große Leistung der Nächstenliebe in der Seegasse 16 ermöglicht haben. Mit der Gedenktafel soll daran erinnert werden, dass es nicht um große Namen oder um Regimetreue geht, sondern dass die Liebe Gottes, auf der unser Glaube aufbaut, immer im Zentrum unserer Tätigkeiten und Entscheidungen stehen soll und jeder einzelne von uns wie ein Puzzleteil dazu beitragen kann.

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