Altes AKH und Narrenturm
Klimaschutzpreis für den Wildbienenschutz

Setzen sich für die Wildbienen ein, die hier am Hang gerne in den offenen Erdbereichen nisten: Saya Ahmad (SPÖ), Andrea Möller, Isabella Klebinger, Julia Lanner und Bezirksrätin Christa Schmid (Grüne, v.l.).
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  • Setzen sich für die Wildbienen ein, die hier am Hang gerne in den offenen Erdbereichen nisten: Saya Ahmad (SPÖ), Andrea Möller, Isabella Klebinger, Julia Lanner und Bezirksrätin Christa Schmid (Grüne, v.l.).
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Isabella Klebinger ist mit ihrem Projekt "Wildbienenschutz am Alsergrund" Trägerin des Einzelpreises des Alsergrunder Klimaschutzpreis. Sie möchte Bewusstsein für Wildbienen schaffen und verhindern, dass rund um das Alte AKH wertvoller Lebensraum für die Bienen verloren geht.

ALSERGRUND. Der Grätzlgarten Alsergrund liegt zwischen alten Mauern hinter dem Narrenturm, zur Sensengasse führt eine Rampe hinunter. Isabella Klebinger kommt seit zehn Jahren zum gemeinsamen Gärtnern hierher und hat unter anderem einem Feigen-, einem Maulbeer- und einem Pfefferbaum beim Großwerden zugesehen. Hier hat sie auch ihre Liebe zu den Wildbienen entdeckt. "Es fasziniert mich, wie viele verschiedene Tiere im und um den Garten beheimatet sind", sagt sie. Denn obwohl der Garten und das Grün rund um den Narrenturm und im kleinen Stadtwäldchen nebenan nicht groß sind, hat sich darin eine erstaunliche Artenvielfalt entwickelt: Schmetterlinge, Singvögel, Eichhörnchen, Falken, Fledermäuse und einen Dachs hat Klebinger hier schon gesehen.

Auch die Hummeln gehören zu den Wildbienen. Hier sitzt eine Steinhummel auf einer wilden Taubnessel im Grätzlgarten Alsergrund.
  • Auch die Hummeln gehören zu den Wildbienen. Hier sitzt eine Steinhummel auf einer wilden Taubnessel im Grätzlgarten Alsergrund.
  • Foto: Isabella Klebinger
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49 unterschiedliche Wildbienen-Arten

Es gibt in dem Garten auch – das zeigt eine Untersuchung der Insektenforscherin Julia Lanner – alleine 49 unterschiedliche Wildbienenarten. Wildbienen wurden in den letzten Jahrzehnten durch Versiegelung, landwirtschaftliche Nutzung und Abnahme von Futter- und Nistflächen stark dezimiert – umso wertvoller ist es da, wenn man naturnahe Orte findet, an denen sie sich leben können. Klebinger hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, den Lebensraum der Bienen zu bewahren oder die Bedingungen für sie am Alsergrund sogar noch zu verbessern: "Denn was man liebt, das schützt man." Für dieses Projekt wurde sie mit dem Klimaschutzpreis Alsergrund ausgezeichnet. "Der Bezirk unterstützt diese Arbeit und möchte helfen, das richtige Umfeld für die Bienen zu schaffen", sagt Bezirkschefin Saya Ahmad (SPÖ).

Im Sommer sieht der Alsergrunder Grätzlgarten prachtvoll aus und bietet Futter und Verstecke für viele Tierarten.
  • Im Sommer sieht der Alsergrunder Grätzlgarten prachtvoll aus und bietet Futter und Verstecke für viele Tierarten.
  • Foto: Isabella Klebinger
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Um die Wildbienen zu schützen, gilt es zunächst, um Verständnis zu werben. Sie nisten nämlich gerne in eher unansehnlichen, offenen Erdstellen, etwa am Abhang zur Sensengasse. Bereiche, die so wirken, als sollten sie verschönert werden, sollten also lieber so gelassen werden, wie sie sind, denn gerade diese "Gstätten" und Ränder sind besonders wertvoll. "Man sollte hier auch nichts Neues pflanzen, sondern die Natur einfach machen lassen", meint Klebinger, "denn auch wenn hier mehr Wurzeln wären, könnten die Bienen schon nicht mehr nisten." "Mut zur Faulheit", lacht Klebinger, "wäre hier das passende Motto. Damit können viele Menschen aber noch nichts anfangen."

Wildbienen: Von winzig bis stattlich

Damit auch Passantinnen und Passanten mehr über die wilden Bienen erfahren können, soll bald eine Tafel über sie und ihren Lebensraum informieren. "Kaum jemand weiß, wie die Tiere leben, dass die meisten von ihnen nicht stechen können und zwischen vier Millimeter und drei Zentimeter lang sind", so Klebinger. Auch Schulklassen hat sie die Wildbienen bereits nähergebracht. Eine Homepage, Infotage und Workshops sollen folgen.

Auf dem Instagram-Account Endangered Species Advocacy holt Isabella Klebinger Wildbienen, andere bedrohte heimische Tier- und Pflanzenarten und ihre Lebensräume vor den Vorhang und stellt Fragen zu einem ökologischen Lebensstil. In einem Video kann man dort auch sehen, wie die Bienen in und aus ihren Erdbehausungen schlüpfen.

Die vom Menschen gehaltene Honigbiene ist übrigens nicht die beste Freundin der Wildbiene, sondern vielmehr eine Nahrungskonkurrentin, die bei der Futtersuche oft die Nase vorn hat: Sie fliegt weiter und erntet schneller, erzählt Klebinger. Zu viele Honigbienen in der Stadt gefährden bei zu wenig Futterangebot also auch den Wildbienenbestand – und das ist nicht nur für die Artenvielfalt schlecht, sondern auch für die Landwirtschaft:  Weil es Hinweise darauf gibt, dass Wildbienen die effektiveren Bestäuberinnen sind und teils bessere Ernte hervorbringen.

Umbau Campus: Lebensraum soll geschützt werden

Am wichtigsten sei aber der Schutz der bestehenden Lebensräume: Immerhin steht eine Umgestaltung des Freiraums am Unicampus Altes AKH an. Isabella Klebinger und Julia Lanner (Boku) beraten gemeinsam mit Andrea Möller, Professorin für Biologie an der Uni Wien, und der Umweltschutzabteilung der Stadt Wien die Universität, damit der Umbau die Bienen nicht beeinträchtigt.

„Die Umgestaltung ist eine tolle Chance die Artenvielfalt zu erhöhen und zeitgleich den Unistandort in der Aufenthaltsqualität und als Lernort zu stärken. Denn viele Maßnahmen, die wir empfehlen, fördern das Wohlbefinden der Menschen ganz nebenbei, sind klimaschutzwirksam und helfen Umweltbewusstsein und Naturerleben zu fördern", erzählt Klebinger. Das sei ganz im Sinne der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen und auch der Klimaziele: "Der ganze Campus gehört ja auch zum Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogramm Netzwerk Natur der Stadt Wien."

Der Hang und die nährstoffarme Schmetterlingswiese um den Narrenturm sollten am besten nicht verändert werden, da hier eben die Bienen nisten und die Wiese den idealen Boden für Wildblumen, also Bienenfutter, bietet. Auch die alten Mauern des Bauhofes sollten am besten so belassen werden, da in den Hohlräumen auch viele Insekten nisten.

Die Wiese rund um den Narrenturm ist nährstoffarm, eine sogenannte Magerwiese. Das bietet gute Voraussetzungen für Wildblumen, die wiederum den Wildbienen Nahrung bieten.
  • Die Wiese rund um den Narrenturm ist nährstoffarm, eine sogenannte Magerwiese. Das bietet gute Voraussetzungen für Wildblumen, die wiederum den Wildbienen Nahrung bieten.
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Dass der Hof 1 weiterhin für Veranstaltungen genutzt wird, ist Klebinger klar. Potenzial für naturnahe und wildbienenfreundliche Gestaltung und Pflege bieten laut den Expertinnen und Experten vor allem die anderen Höfe. Sie plädieren dafür, dass diese so naturbelassen bleiben, wie sie sind: "Die Höfe 3 und 6 sind eigentlich im Moment großteils unversiegelt, und Bodenversiegelung sollte nach Möglichkeit unterbleiben. Und wichtig wäre jedenfalls auch den gesamten wertvollen Baumbestand zu erhalten", so Klebinger. Da Wien laut Studien durch die Klimakrise schon 2050 so heiß sein könnte wie Skopje, sei es besonders wichtig, zusätzliche Hitzeinseln zu vermeiden.

"Artenschutz ist Klimaschutz"

Klimaschutz und Artenschutz sind also eng miteinander verbunden, sagt Klebinger: "Wenn man Lebensräume schützt, schützt man damit auch das Stadtklima." Und auch die Mitarbeiter, Studierenden und Nachbarinnen würden von der Vielfalt und den im Sommer kühleren Naturorten profitieren, denn in solchen Naturräumen können sich Menschen besonders gut entspannen. Das werde durch den anhaltenden Klimawandel in Zukunft gerade in Städten noch viel wichtiger sein, meint Klebinger.

Die Artenvielfalt kann mit günstigen, kleinen und nicht sehr zeitintensiven Maßnahmen gefördert werden: Wenn man etwa eine Wiese nur einmal statt viermal im Jahr mäht, können sich die Insekten, die sich von den Blüten ernähren und in den Halmen nisten, ungestört entwickeln. Möglichst viele unterschiedliche einheimische Pflanzen, Strukturen und Blumenwiesen statt Rasen würden der Insektenvielfalt im Allgemeinen – und nicht nur am Universitätscampus – guttun, so Klebinger: "Mehr Insekten bedeuten mehr Bestäubung, Vögel und Biodiversität. Davon profitieren wir letzten Endes alle."

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