18.10.2016, 09:20 Uhr

Die Ambulanz für Herbst-Winter-Depressionen im AKH ist ab sofort wieder geöffnet

Seit Anfang Oktober ist die Ambulanz für Herbst-Winter-Depressionen im AKH wieder geöffnet. (Foto: www.akh.at)

Im AKH werden jedes Jahr 200 Patienten von Oktober bis März in der Spezialambulanz betreut, oft ist eine Lichttherapie mit einer speziellen Lampe ausreichend.

ALSERGRUND. Wenn die Tage dunkler werden, stellen sich die meisten Menschen physiologisch automatisch auf "Winterbetrieb" um: Es wird mehr gegessen, um sich eine Fettschicht gegen die Kälte zuzulegen und viele Leute klagen über Müdigkeit, da der Körper seine Reserven spart. Diese Reaktionen auf die kalten Jahreszeiten sind normal, doch manche Organismen schießen über das Ziel hinaus.

"Wenn es im Herbst später hell und früher dunkel wird, stellt sich bei zwei bis drei Prozent der österreichischen Bevölkerung eine Herbst-Winter-Depression ein", erklärt die Psychiaterin Edda Winkler-Pjrek. Und sie muss es wissen: Seit 2012 leitet Winkler-Pjrek die Ambulanz für saisonale affektive Störungen (kurz: SAD). Unter "saisonale affektive Störungen" versteht man Herbst-Winter-Depressionen; die Ambulanz im Wiener AKH ist nahezu einzigartig in Europa. "Es gibt nicht viele solcher Ambulanzen, die sich auf Herbst-Winter-Depressionen spezialisiert haben, in Europa", so Winkler-Pjrek. "In München gibt es eine SAD-Ambulanz, aber unsere ist größer und reicher frequentiert."

Zu 50 Prozent ist eine Lichttherapie ausreichend

Woran es liegt, dass die Wiener scheinbar häufiger an einer saisonalen Depression erkranken als Deutsche, kann die Psychiaterin nicht sagen. Dafür kann sie mit Fakten die Existenz der Winterdepression, die oft als Mythos bezeichnet wird, beweisen. "Unsere Patienten kommen definitiv nicht im Sommer! Für eine US-Studie wurden beispielsweise Patienten punktuell im Winter gefragt, ob sie sich depressiv fühlen. Wir im AKH wenden die Diagnosekriterien an zwei aufeinanderfolgenden Winter an."

Ist die Diagnose SAD erst einmal gestellt, wird dem Leiden mit einer Lichttherapie zu Leibe gerückt. Bei der Hälfte der Betroffenen ist eine tägliche Behandlung mit einer speziellen Lampe ausreichend, die andere Hälfte muss zusätzlich mit Medikamenten unterstützt werden. "Auch die Lebensumstände wirken mit. Ältere Patienten können morgens im Bett liegen bleiben bis es hell wird. Berufstätige können jedoch nicht später zur Arbeit erscheinen", so Winkler-Pjrek, die auf die unterschiedliche Schwere der Winterdepressionen hinweist. "Wir haben auch suizidgefährdete Patienten mit schweren Depressionen. Diese Menschen werden dann auch stationär im AKH aufgenommen."

Das Angebot der SAD-Ambulanz ist rein an die Herbst-Winter-Depression ausgerichtet, Burn-Out-Patienten suchen die Ambulanz nicht auf. "Ein Burn-Out ist eine Form der Depression. Aber dass es nur im Winter vorkommt, habe ich noch nie gehört. Eine Überforderung ist nicht an eine Jahrezeit gebunden."

Zur Sache

Die Ambulanz für Herbst-Winter-Depressionen ist eine Spezialambulanz der Klinischen Abteilung für Biologische Psychiatrie am AKH-Wien und unter der Telefonnummer 01 /40 400 – 35 47 erreichbar. Die Ambulanz hat jedes Jahr von Anfang Oktober bis Ende März geöffnet. Jede Saison werden rund 200 Patienten mit einer Lichttherapie und gegebenenfalls medikamentös betreut.

Alle weiteren Infos sowie einen Onlinetest, ob Sie an einer Herbst-Winter-Depression leiden, finden Sie hier.
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