01.12.2016, 20:30 Uhr

Neues Theater am Alsergrund spielt "Alle gegen Dracula"

Vampirjäger Van Helsing als paranoider Verschwörungstheoretiker. Sollte man seinen Ansichten vertrauen?

Die Theatertruppe von Bronski & Grünberg bürstet die Vampirgeschichte gegen den Strich.

ALSERGRUND. Man kennt das: Ein alter, blutsaugender Graf macht sich über eine wehrlose Jungfrau her, die dann von ihren Verehrern gerettet werden muss. Unterstützt werden sie von der geballten Wissensmacht des Vampirjägers Van Helsing.

In der in der Müllnergasse 2 zu sehenden Fassung wird diese Sicht der Dinge gehörig hinterfragt. "Das Spannende an der von Bram Stoker erzählten Dracula-Geschichte ist, dass das Monster immer aus der Sicht der anderen Akteure beschrieben wird. Dracula wird zur Projektionsfläche der Ängste der Menschen", erklärt Alexander Pschill, der gemeinsam mit Kaja Dymnicki Regie führt. Sie sind in der Theaterwelt keine Unbekannten. Ihre letzte Produktion "Gefährliche Liebschaften" wurde für den Nestroypreis nominiert.

Eine marode Gesellschaft

Stellt sich die Frage, wer diese ängstlichen Menschen eigentlich sind. Bei Stoker sind es noble Ehrenmänner der höheren britischen Gesellschaft. Im Theater Bronski & Grünberg bekommt die Fassade tiefe Risse.

So kommt der Über-Intellektuelle Van Helsing mit vielen Marotten daher. "Sie kontrollieren alles, die Banken, die Medien", stammelt er gedankenverloren und meint damit die Vampire. Würde man von diesem Van Helsing einen Gebrauchtwagen kaufen? Die Charaktere im Theaterstück lassen sich jedenfalls auf eine Vampirjagd mitnehmen. "Sie jagen lieber den Vampir, als sich selbst in den Spiegel zu sehen", so Pschill.

Kleines Theater

Das kleine Theater Bronski & Grünberg erlaubt eine intime und intensive Theateratmosphäre. Neben "Dracula" sind auch die Stücke "Gefährliche Liebschaften" und "Hom(m)e Alone" zu sehen.
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