Bruder vor Gericht: Braut stirbt bei Polterabend

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Anhänger kippte um: Der 26-Jährige Lenker des Traktors stand nun vor dem Richter in St. Pölten.

BEZIRK AMSTETTEN (ip). Mit zehn Monaten bedingter Haft und einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu, dem Einkommen entsprechend je 30 Euro (150 Tage Ersatzfreiheitsstrafe) wurde ein 26-Jähriger am Landesgericht St. Pölten verurteilt (nicht rechtskräftig), den Staatsanwalt Patrick Hinterleitner unter anderem für den Tod seiner Schwester verantwortlich machte.

Anhänger kippt um

Als „ungemein schicksalhaft“ bezeichnete der Richter die Folgen des Unfalls, bei dem im September 2018 im Bezirk Amstetten die Schwester des Beschuldigten starb, acht junge Frauen schwer, sowie vier weitere leicht verletzt wurden, als der Anhänger eines Traktors kippte und die Insassen gegen eine Steinwurfmauer geschleudert wurden.
Anlässlich ihres Polterabends habe die Braut, laut Verteidiger Robert Fuchs, ihren Bruder gebeten, die insgesamt 13 Frauen auf dem Anhänger mitzunehmen. Er sei auch davon überzeugt, dass der tragische Unfall ohne Steinwurfmauer wesentlich glimpflicher verlaufen wäre, so der Anwalt, dessen Mandant sich umfassend geständig zeigte und die Verantwortung von Anfang an auf sich nahm.

Nicht für Verkehr zugelassen

Für Hinterleitner bedeutete dies eine grob fahrlässige Tötung, grob fahrlässige Körperverletzung, sowie fahrlässige Gemeingefährdung, die der Traktorlenker nicht nur aufgrund der überhöhten Geschwindigkeit verschuldet hatte.
„Es musste augenfällig sein“, meinte der Richter, „dass dieses Ding leicht kippt.“ Der selbst gebastelte, nicht zum Verkehr zugelassene Einachsanhänger, auf dessen angeschraubten Bänken die jungen Frauen möglicherweise in Feierlaune nicht ganz ruhig saßen, hätte durch den Personentransport den Schwerpunkt des Gefährts erhöht. Als der Lenker aus einer Kurve heraus etwas beschleunigte, bevor der Anhänger in entsprechender Position war und der 26-Jährige darüber hinaus den Traktor noch nach innen lenkte, kippte das Gespann, führte der Richter anhand eines Sachverständigengutachtens aus.

Braut stirbt im Spital

„Vom menschlichen Standpunkt muss ich davon ausgehen, dass Sie jetzt schon bestraft sind“, so der Staatsanwalt im Hinblick auf den Tod der Schwester, die ihren Verletzungen im Krankenhaus erlag. Auch der Richter ließ diese emotionale Komponente in sein Strafmaß, das im Höchstfall drei Jahre Haft vorsieht, mit einfließen. Den, von Anwalt Gerold Ludwig vertretenen Opfern wurde vorerst ein Betrag von je hundert Euro zugesprochen. Über den Großteil der Schadensgutmachung wird zivilrechtlich entschieden.

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