Gewalt an Frauen: 102 Betretungsverbote in Amstetten 2018

Eveline Atschreiter, Maria Reichartzeder und Christa Mayr vom Frauenhaus Amstetten.
  • Eveline Atschreiter, Maria Reichartzeder und Christa Mayr vom Frauenhaus Amstetten.
  • hochgeladen von Thomas Leitsberger

Allein im Bezirk Amstetten wurden 102 Betretungsverbote im Jahr 2018 ausgesprochen.

BEZIRK AMSTETTEN. M. ruft im Frauenhaus Amstetten an: Seit acht Jahren ist die zweifache Mutter verheiratet. Sie wird von ihrem Mann schwer misshandelt.

A. meldet sich: Ihr Mann sitzt wegen Körperverletzung an ihr im Gefängnis, in ein paar Wochen wird er entlassen. Die Mutter von drei Kindern fürchtet sich davor.

H. ruft an: Ihr Mann hat sie während des Schlafens so schwer verletzt, dass sie einen Nasenbeinbruch hatte. Ein Betretungsverbot wurde ausgesprochen, trotzdem fühlt sie sich mit ihren Kindern nicht sicher.

Zahlen der Gewalt

Die Anrufe zeigen, Gewalt in der Familie ist kein Einzelfall. Mit dem Mordfall in Greinsfurth sowie dem Mordfall nur einen Tag später bei Wiener Neustadt rückt das Tabuthema der familiären Gewalt wieder in den Mittelpunkt.
Dass diese in der Region geschieht, beweisen die Zahlen: Im Bezirk Amstetten wurden 2018 102 Betretungsverbote ausgesprochen. Zudem lebten 2018 36 Frauen im Amstettner Frauenhaus.

Der Moment der Trennung

Der gefährlichste Moment in Gewaltbeziehungen sei jener der Trennung. Der voraussichtliche Machtverlust des Mannes könne die Situation eskalieren lassen. Deshalb sollten Frauen eine Trennung nie vorher ankündigen und im Zweifelsfall Schutz suchen, rät Maria Reichartzeder vom Frauenhaus Amstetten. Der Schritt für die Frauen sei schwer, aber notwendig, um der Gewalt zu entfliehen. "In geplanten Trennungssituationen ist es besonders wichtig, frühzeitig Beratung in Anspruch zu nehmen, um Schutzvorkehrungen planen zu können“, erklärt Sonja Mille von der Frauenberatung Mostviertel. "Rufen Sie die Polizei, wenn es bei den Nachbarn kracht", bringt es die Frauenberatung auf den Punkt.
"Der Ausgang der Gewalt kann tödlich sein", betont Michaela Egger vom Gewaltschutzzentrum Niederösterreich.

Hier gibt es Hilfe

Das Wichtigste ist professionelle Hilfe, sagt Michaela Egger. Frauen müssen wissen, dass sie nicht alleine sind, dass es Hilfe gibt, erklärt sie. Neben den Ängsten würden sich Frauen oft schämen. Die Schwelle, sich bei häuslicher Gewalt Hilfe zu holen, sei allerdings niedriger geworden, heißt es von der Frauenberatung. "Schwere Gewalttaten passieren selten aus heiterem Himmel. Ihnen gehen oft wiederholte Gewalthandlungen voraus", erklärt Sonja Mille.
Familie, Freunde und Nachbarn wären wichtige Stützen, um die Isolation, in der sich die betroffenen Frauen befinden, zu durchbrechen, so Maria Reichartzeder.

Betroffene Kinder leiden

Opfer sind nicht nur die Frauen, sondern auch die Kinder, welche die Gewalt selbst erfahren oder zumindest mitansehen müssen – wie auch im Mordfall in Greinsfurth. "Es sind Erfahrungen, die sie ein Leben lang begleiten und prägen", so Reichartzeder. Allein 2018 wohnten 43 Kinder mit ihren Müttern im Frauenhaus Amstetten. "Kinder überdecken oft ihre Erfahrungen, so die Sozialarbeiterin, "es braucht Zeit, bis sie sich öffnen." Und es braucht Zeit, um "den Boden unter den Füßen" zurückzuerhalten.

Gewalt an Frauen: Notrufnummern

Frauenhaus Amstetten: 07472 66500
Gewaltschutzzentrum NÖ: 02742 31966
Frauenberatung Mostviertel: 07472 63297
Kinderschutzzentrum Amstetten: 07472 65437
Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555

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