„Hunde zu schicken ist nicht feig“

Cobra-Chef Bernhard Treibenreif im Gespräch mit BB-Chefredakteur Oswald Hicker
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Im Kreuzfeuer: Bernhard Treibenreif (45, links) ist Leiter des in Wiener Neustadt stationierten Einsatzkommandos „Cobra“ der Polizei. Bei einem Amoklauf am 12. Mai in St. Pölten erschoss ein Mann (25) erst einen Polizeihund und richtete sich danach selbst.

Talk bei P3TV. Das gesamte Gespräch sehen Sie ab Freitag dem 25. Mai im Kabelfernsehen der Kabelsignal, in A1tv, über Satellit auf Astra digital, im Web unter http://www.p3tv.at oder direkt unter diesem Beitrag.

Am 12. Mai hat ein Mann mit Axt und Dobermann in St. Pölten Polizisten bedroht, sich in seiner Wohnung verschanzt, auf Cobra-Beamte das Feuer eröffnet, einen Polizeihund erschossen und sich dann selbst gerichtet. Was sind das für Menschen, die ständig damit leben müssen, von einer Sekunde auf die andere im Dienst bei einem Einsatz getötet zu werden?

Bernhard Treibenreif: „Bei uns sind das fast alltägliche Situationen. Wir werden zu 800 bis 1000 Einsätzen pro Jahr angefordert. Die Kollegen sind ganz normale Polizisten die auf einer Polizeiinspektion Dienst versehen und sich dann etwas anderes ansehen wollen. Pro Jahr nehmen wir etwa 20 Kollegen auf. Es sind ganz normale Familienväter und Mütter. Ja, bei uns gibt es auch Frauen, wenige, aber sie sind voll integriert.“

Wie ist die Ausrüstung?

„Jeder Kollege hat eine schusssichere Weste, sie hat etwa 15 Kilo. Er hat einen schusssicheren Helm mit Visier und trägt eine österreichische Glock-Pistole. Wir trachten österreichische Produkte zu kaufen. Alles zusammen hat 25 bis 30 Kilo. Es kommt drauf an wo man trifft, aber Pistolenmunition wird dadurch abgehalten.

Wenn ich auf blöde Ideen komme und mich in meinem Haus in Neulengbach verschanze, wie lange braucht die „Cobra“ bis sie vor meiner Haustür steht?

„In diesem Fall würden Kollegen aus Wien mit dem Auto in Einsatzgeschwindigkeit kommen. Allgemein soll jeder Punkt Österreichs für die „Cobra“ in 60 bis 70 Minuten erreichbar sein. Wir vertrauen auf Straßenfahrzeuge, weil es oft nicht möglich ist zu fliegen.

Der Täter in St. Pölten war schwer bewaffnet, obwohl er amtsbekannt war. Ist es zu leicht an Waffen zu kommen? Sind die Gesetze ausreichend?

„Die Gesetze sind in Österreich in den letzten zehn Jahren bedeutend verschärft worden. Es ist der Waffenführerschein eingeführt worden und bestimmte Schrotgewehre wurden verboten. Die Tendenz ist, dass die Waffenbesitzkarten und Pässe weniger werden, seit diese Verschärfungen eingeführt wurden. Als Polizist sage ich ganz ehrlich: Ich bin froh, dass weniger Waffen in der Bevölkerung unterwegs sind.“

In St. Pölten ist Polizeihund „Spike“ (†6) erschossen worden. Erst im März wurde in Steyr ein anderer Diensthund namens „Arruso“erschossen. Ich war selbst dabei, als dessen Vorgänger „Cash“ 2008 bei einer Geiselnahme in Artstetten getötet wurde. Ist das nicht ein bissl feig, einen Hund hinein zu schicken?

„Es ist eine Häufung unglücklicher Umstände. Wir hatten davor 15 oder 20 Jahre keinen solchen Vorfall. Es ist nicht feig. Etwa in Steyr hat der Amokschütze mit einer Kalashnikov im Stiegenhaus auf Beamte geschossen, sodass die Granitsplitter der Stufen die Kollegen verletzt haben. Und der Diensthund hat bewirkt, dass der Täter an der Hand verletzt war und nicht mehr nachladen konnte. Leider hat er die linke Hand erwischt, hätte er die rechte erwischt, hätte der Täter nicht mehr abdrücken können.“

Wie geht die Truppe mit so einem Verlust um? Ich habe in Artstetten erlebt, dass es fast so war, wie wenn man ein Familienmitglied verliert.

„Ja das ist so. Ich war jetzt erst dabei, als der Hundeführer nach dem Einsatz in Steyr, um drei Uhr früh daheim angerufen und seiner Tochter erklärt hat, dass der Hund nicht mehr da ist. Das ist schon ein Schmerz. Der Hund ist aber auch ein Einsatzmittel, und er hat jetzt in Steyr bewirkt, dass Leben gerettet wurden.“

Das Interview als Video finden Sie hier ab Freitag.

Autor:

Oswald Hicker aus Niederösterreich

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