Mit der Finsternis zum Welterbe

Von oben erleuchtet: Charly Schillinger (Mitte) ist Gastronom aus Großmugl. Sein dunkler Heimatort plant, als Sternenlichtoase UNESCO Weltkulturerbe zu werden.

Talk bei P3TV. Das gesamte Gespräch sehen Sie ab Freitag, dem 26. Oktober, im Kabelfernsehen der Kabelsignal, in A1tv, über Satellit auf Astra digital und im Web unter http://www.p3tv.at oder direkt hier unter diesem Beitrag.

Herr Schillinger, Sie sind ein geistiger Vater eines absurd anmutenden Projektes. Ihr Heimatort Großmugl im Weinviertel will Weltkulturerbe werden. Das kann ja nur ein Scherz sein.

Charly Schillinger: „Es geht ja nicht um die Vorzüge der Großmugler Ortschaft, es geht um diesen einzigartigen Sternenhimmel, den wir haben.“

Der Himmel ist für alle gleich.

„Er ist überall gleich, nur sieht man ihn von gewissen Orten anders. Bei uns ist es dermaßen dunkel, dass man den Himmel viel schöner sieht als in Nachbarorten.“

Ich hab mir Großmugl angesehen, da gibts einen Silo und ein Hügelgrab. Aber Ihr größtes Gut ist die Dunkelheit.

„Unser großer touristischer Vorteil ist, dass wir touristisch nicht erschlossen sind.“

Das klingt absurd, hat aber ernste Hintergründe. Ihr Anliegen liegt bei der Unesco und wurde in Grundzügen bereits genehmigt.

„Richtig. Wir haben viele Vorstufen bewältigt. Generell musste die Unesco überzeugt werden, dass Sternenlicht ein schützenswertes Gut ist. Da hat Dr. Günther Wuchterl, ein namhafter Wissenschafter, der auch in unserem Komitee die treibende Kraft ist, bewirkt, dass Sternenlichtoasen geschützt werden können.“

Die Unesco hat das am Fall Großmugl genehmigt?

„Es gab 5 Fallbeispiele, drei sind weggefallen. Übrig geblieben sind Lake de Capo in Neuseeland und Großmugl. Experten schätzen zu 60 bis 70 Prozent, dass wir das Welterbe in einigen Jahren in Händen halten werden. Wir werden auch mit Lake de Capo gemeinsam ansuchen, die Gemeinde bereitet eine Gemeindepartnerschaft vor.“

Einer der Vorteile Großmugls ist, dass es so nah an Wien ist und man sieht trotzdem so viele Sterne wie nirgendwo.

„Genau. Es gibt auch in Österreich Plätze, wo es ein wenig besser ist. Etwa auf einem Hochplateau im Gesäuse. Da muss man zweieinhalb Stunden hinfahren, dann muss man mit dem Förster reden, ob man rein darf und dann muss man noch eine Dreiviertelstunde wandern. Dort ist es ein bissl schöner als bei uns. Aber dass es für zwei Millionen Menschen in einer Dreiviertelstunde zu erreichen ist und man die Milchstraße sieht, das ist einzigartig.“

Wieviele Sterne sieht man bei Ihnen in Großmugl?

„Es sind etwa 5000. In Wien sind es maximal 50, in St. Pölten etwa 200. An den weltweit besten Plätzen in der Wüste sieht man 8.000, also nur wenig mehr als bei uns. Interessant ist, in den Nachbargemeinden von Großmugl sind es nur 2000.“

Großmugl ist also ein Loch der Finsternis.

„(lacht) Das sollten wir vielleicht so vermarkten. Entdeckt wurden wir von Wissenschaftern, die haben Messungen durchgeführt. Der optimale Bereich ist auch sehr klein, im Westen Großmugls bei den Gärten ist es wieder vorbei.“

Der politische Hintergrund ist die Lichtverschmutzung. Und dagegen setzt Großmugl Maßnahmen. Was ist Lichtverschmutzung?

„Es gibt in Österreich keine gesetzlichen Richtlinien für Licht. Sie können mit Reklametafeln oder Scheinwerfern fast ungestraft Streulicht in die Umgebung werfen. Jeder Skybeamer einer Diskothek würde unser Projekt zunichte machen.“

Aber auch mit Straßenlaternen wird viel Energie und Licht verschwendet, weil wir es in den Himmel strahlen und nicht auf den Boden.

„Wir haben die Ortsbeleuchtung austauschen lassen. Es sind Lampen, bei denen das Licht nur nach unten geht. Bei uns ist es hell, sicher, aber das Licht leuchtet auf die Fahrbahn und nicht mehr nach oben. Ein Problem war die Kirchturmbeleuchtung, die von unten nach oben strahlt. Die wird nun um 10 Uhr ausgeschaltet. Wir versuchen auch die Bauordnung zu ändern und Lichtverschmutzung hineinzuschreiben.“

Autor:

Oswald Hicker aus Niederösterreich

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