Mit Video: „Seele und Säfte bleiben“

Rosalia Zelenka im Gespräch mit Chefredakteur Oswald Hicker über Körpersäfte, Seelenenergie und spukhafte Tatorte.
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  • Rosalia Zelenka im Gespräch mit Chefredakteur Oswald Hicker über Körpersäfte, Seelenenergie und spukhafte Tatorte.
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Was tut ein Tatortreiniger?
Zelenka: Man befasst sich hauptsächlich mit der Reinigung von Leichenfundorten. Da geht es ums Gewaltverbrechen genau so wie um den Selbstmord oder um einen länger nicht aufgefundenen Leichnam.

Sie sind die einzige Frau in Österreich mit diesem Beruf?
Ja, ich bin die einzige, die ausschließlich das macht.

Was waren die prägendsten Ereignisse in Ihrem Beruf?
Das prägendste ist einerseits die Auseinandersetzung mit den Hinterbliebenen. Und andererseits der Schweregrad dessen, was man vorfindet. Da gibt es unterschiedliche Ereignisse, etwa einen Selbstmord, wo die Frau ihren Mann in der Früh im Bad findet, weil das Blut unter der Türe herausquillt. Oder ein Ehemann, der seine Frau erschossen und sich dann selbst erhängt hat. Oder einen lange nicht aufgefundenen Leichnam im Sommer, was eine massive Kontamination bedeutet.

Was finden Sie da vor?
Zu Beginn ist einmal der Geruch der einem entgegenschlägt. Dieser eine Fall, der mich nachhaltig beschäftigt war in Niederösterreich. Ein Mann lag drei Monate über den Sommer tot in seinem Haus. Da tritt die Körperflüssigkeit aus, das ganze Gewebe zersetzt sich. Maden und Fliegen kommen ins Spiel, die verschleppen die ganzen Fäulnisprodukte im Haus. Wenn man in so einen Raum hineingeht, geht man auf einer Schicht ausgedrungenem Körperfett und Maden. Dafür muss man gewappnet sein.

Wie hält man diese Gerüche aus?
Man lernt damit umzugehen. Man kann sich schulen, nur durch den Mund zu atmen. Wenn es ein sehr massiver Geruch ist, verweigert der Körper einfach das Einatmen. Da gibt es eine Grenze wo es nicht mehr geht, da muss man eine Gasmaske nehmen.

Wie gehen Sie bei so massiven Fällen vor?
Bei einer derart starken Kontamination ist es schwierig. Man entfernt zuerst einmal von hinten bis zum Leichenfundort das Gröbste. In manchen Gebäuden saugen sich auch die Wände mit diesen Säften an. Es kommt ganz darauf an, woraus das Haus gebaut ist. Es gibt Fälle, da muss man das Haus abreißen.

Brennen sich diese Bilder und Gerüche ins Hirn ein?
Verschiedene Bilder wird man nie los. Nach einiger Zeit belastet das nicht mehr, denn jeder muss einen Weg finden, wie er damit umgeht. Ich habe das in Form eines Buches gemacht, dass ich begonnen habe die Fälle niederzuschreiben. Das hat mir sehr geholfen. Auch der eine oder andere Geruch bleibt. Man hat das im Gehirn gespeichert, wie das jetzt riecht.

Sie treffen ja vor Ort die Angehörigen. Wie nahe kann man die Schicksale an sich heranlassen?
Das ist eine sehr beklemmende Situation. Die Leute suchen dann auch den Kontakt und man muss sich dann schon ein bisschen abgrenzen. Nur manchmal gelingt es gar nicht, dann nimmt man das mit nach Hause und muss es verarbeiten.
Sie sind eine erbitterte Gegnerin von Schusswaffen. Warum?
Schusswaffen gehören nur von Personen genutzt, die einen beruflichen Zugang haben und damit umgehen können, weil ich sehe, was Kurzschlusshandlungen alles auslösen können. Ich bin auch der Meinung, dass die Jugend durch Sendungen wie "CSI" noch animiert wird, das lockerer zu sehen und abstumpft.

Wie würden Sie gerne einmal sterben?
Das Sterben stelle ich mir vor wie Einschlafen. Das Begräbnis muss ich mit meiner Tochter besprechen, aber ich möchte auf jeden Fall verbrannt werden, denn das ist eine saubere Lösung.

Glauben Sie, dass man nach dem "Einschlafen" aufwacht?
Aufwachen tut man glaube ich nicht. Ich glaube aber, dass etwas was wir "Seele" nennen dann bleibt. Der Mensch besteht ja aus Energie, und Energie verschwindet nicht. Ich glaube dass die Energie irgendwo ist. Wo weiß ich nicht.

Kann es sein, dass sie an dem Ort bleibt, wo man verstorben ist? Spürt man da noch etwas von den Menschen?
An dem einen oder anderen Tatort hatte ich schon ein seltsames Gefühl, dass da noch quasi die "Seele" - wie wir es nennen - ist. Es hat auch Begebenheiten gegeben, wo wir gereinigt haben und draußen im Vorzimmer flogen plötzlich die Blumentöpfe vom Fensterbrett. Da erschrickt man natürlich und erklären kann ich das nicht.

TV-Talk und Buch
Das gesamte Gespräch mit Rosalia Zelenka sehen sie ab 28. März auf P3TV und hier, direkt in diesem Beitrag ab 31.3.2014. Das Buch "Der Tod hat viele Gerüche" von Rosalia Zelenka ist soeben in der Edition Innsalz erschienen.

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