Drama um Mädchen
Pflegemutter aus Bezirk Amstetten zu acht Jahren Haft verurteilt

Die Angeklagte vor dem Landesgericht in St. Pölten.
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Pflegemutter aus dem Bezirk Amstetten angeklagt. Diese bestreitet die schweren Vorwürfe. Urteil nicht rechtskräftig.

Aus dem Landesgericht berichtet Ilse Probst

BEZIRK AMSTETTEN. Volle Berufung legte Verteidiger Georg Thum gegen die Verurteilung einer 45-Jährigen aus dem Bezirk Amstetten ein, die wegen fortgesetzter Gewaltausübung gegen ihre mittlerweile zehnjährige Pflegetochter eine Freiheitsstrafe von acht Jahren ausfasste (nicht rechtskräftig).

Die Vorwürfe gegen Pflegemutter

Die Anklage von Staatsanwältin Barbara Kirchner enthielt erschütternde Vorwürfe gegen die Beschuldigte, die als ausgebildete Tages- und Pflegemutter im Jahr 2013 die damals eineinhalbjährige Janine (Name v. d. Red. geändert) in ihrer Familie aufnahm. Das Kind wog damals zwölf Kilo und brachte fünf Jahre später kaum mehr auf die Waage. Körperlich massiv zurückgeblieben, stark auffällig im sozialen Verhalten und Narben führten trotz Kontrollbesuchen der Jugendfürsorge erst durch die Hartnäckigkeit einer Volksschullehrerin zu Ermittlungen.

Angeklagte bestreitet Vorwürfe

Der Prozess wurde mehrfach vertagt. Ärzte, die das Kind im Laufe der Jahre betreuten, Pädagoginnen aus Kindergarten und Schule, zuständige Personen der Jugendfürsorge und Familienmitglieder traten als Zeugen auf, wobei man sich fragte, wie es dazu kommen konnte, dass Janine bis Mai 2018 auf diesem Pflegeplatz bleiben konnte, obwohl offensichtlich massive Probleme zutage traten.
Die Beschuldigte leugnete bis zuletzt, für den lebensbedrohlichen Zustand des Mädchens verantwortlich zu sein. Sie habe mehrmals Hilfe in Anspruch genommen, sich beraten lassen und sich den besonderen Bedürfnissen des Kindes aufgrund von Nahrungsmittelunverträglichkeiten entsprechend verhalten.

Mädchen in lebensbedrohlichem Zustand

Thum beanstandete überwiegend das Gutachten von Salvatore Giacomuzzi, der zu dem Schluss gekommen war, dass sich die Kleine jahrelang in einem lebensbedrohlichen Zustand befunden habe, der unter anderem etwa durch Hunger mit täglichen Schmerzen von zwölf bis 16 Stunden verbunden gewesen sei. Dieser Mann werde mittlerweile von keinem Gericht mehr beauftragt, es fehlten ihm dazu auch die rechtlichen Voraussetzungen. Darüber hinaus gebe es auch kein Motiv. Die Frau sei jahrelang als Pflegemutter tätig, es habe bis dato keinerlei Beschwerden gegeben. Die vorläufige Forderung von 200.000 Euro Schmerzensgeld für Janine wurde seitens der Verteidigung zurückgewiesen.

Die Begründung für das Urteil gegen die Pflegemutter

„Auch ich habe nach dem Warum gefragt“, erklärte der St. Pöltner Richter, der zu dem Schluss kam, dass er es vor Gericht leider auch mit Tathandlungen zu tun habe, die nicht nachvollziehbar seien. Ausschlaggebend für den Schuldspruch sei zu mehr als 90 Prozent das medizinische Gutachten gewesen, wonach die lebensbedrohliche Situation des Kindes keine medizinische Ursache gehabt habe, sondern nur auf das bewusste Vorenthalten von Nahrung durch die Pflegemutter zurückzuführen sei. Weder während diverser Spitalsaufenthalte, noch nach der Überstellung des Kindes in eine andere Betreuung habe es Probleme bei der Nahrungsaufnahme gegeben, begründete der Vorsitzende das Urteil.

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