Schuldfrage
Prozess um zwei Tote in Künette im Bezirk Amstetten

Verteidiger Johannes Riedl
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Durch einen Erdrutsch in einer 2,7 Meter tiefen Künette wurden zwei Arbeiter verschüttet.

BEZIRK AMSTETTEN (ip). Nicht so einfach dürfte die Schuldfrage in einem Prozess am Landesgericht St. Pölten zu klären sein. Dem 30-jährigen Angeklagten aus dem Bezirk Amstetten wirft Staatsanwalt Patrick Hinterleitner vor, für den Tod zweier Hilfsarbeiter verantwortlich zu sein, die im vergangenen Juni durch einen Erdrutsch in einer 2,7 Meter tiefen Künette verschüttet wurden.

Verantwortung: Bauherr?

Er trage als Bauherr und Dienstgeber die Verantwortung für seine Arbeiter. Er habe es verabsäumt, entsprechende Sicherungsvorkehrungen zu treffen, so der Staatsanwalt, der von fahrlässiger Tötung der beiden 38-jährigen Saisonarbeiter, die aus Rumänien und der Ukraine stammten, ausgeht.
Diese hatten durch den enormen Erddruck bei der Verschüttung keine Chance, lebend geborgen zu werden.

Verantwortung: Baggerfahrer?

Heftig widersprach bereits zu Beginn der Verhandlung Verteidiger Johannes Riedl. Sein Hauptargument: „Mein Mandant hat eine konzessionierte Firma mit der Aushebung der Künette beauftragt!“ Demnach, so der Anwalt, sei dieses Unternehmen bzw. der dafür ausgebildete Baggerfahrer für die Absicherung zuständig. „Der hat die Arbeiter aber sogar mit der Schaufel des Baggers in die Künette gehoben.“
Während das Verfahren gegen das Erdbauunternehmen und dessen Baggerfahrer jedoch eingestellt wurde, verlange man von dem Landwirt, dass er die Gefahr erkennen hätte müssen. Seitens des Baggerfahrers habe es auch, gegen dessen Aussage, keine Warnung gegeben.

Unten in der Künette

„Ich bin ja selbst dauernd unten in der Künette gewesen und beinahe auch verschüttet worden“, argumentierte der Beschuldigte gegenüber Richter Andreas Beneder.
Er habe sich auf den Baggerfahrer verlassen und nachdem eines der Rohre durch einen Bagger beschädigt worden war, war es auch klar, dass Personen hinunter mussten, die außerdem auch für das Zusammenschieben der beiden sechs Meter langen Kanalrohre am Gelände, das zum Unternehmen des Angeklagten und dessen Vater gehört, benötigt wurden. Für ihn selbst sei der Vorfall auch deshalb besonders tragisch, zumal er sowohl die Arbeiter als auch deren Familien seit Jahren kannte.

Krank: Baggerfahrer fehlt

Während zwei Zeugen die Aussagen des 30-Jährigen weitgehend bestätigten, wand sich der Disponent der Baggerfirma teils widersprüchlich durch die Fragen des Verteidigers. „Dafür bin ich nicht zuständig“, erklärte er mehrfach und gab nur zögerlich Auskunft über Schulung und Kenntnisse von Baggerfahrern, obwohl er selbst jahrelang dieser Tätigkeit nachgegangen war. Da der Baggerfahrer krankheitsbedingt nicht erschien, vertagte Beneder, zumal man auf dessen Aussage nicht verzichten könne. Auch der Gutachter kommt erst beim nächsten Termin zu Wort.

Verteidiger Johannes Riedl
Staatsanwalt Patrick Hinterleitner
Autor:

Thomas Leitsberger aus Amstetten

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