"Risiko-Impfungen gibt es nicht mehr"

Dr. Dietmar Baumgartner
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Grippewelle, Masern-Epidemie, HPV-Virus und mit der ersten Frühlingssonne auch die Zecken. Derzeit sind die Medien voll von Impfempfehlungen.
Die Bezirksblätter fragten Dr. Baumgartner, Vizepräsident der NÖ-Ärztekammer, zu diesem heißen Thema.

Wie steht der Nutzen von Grippe- , Masern, - oder Zecken-Impfungen zum Risiko?
Dr. Baumgartner: Schutzimpfungen sind wohl die bedeutendste wirksame Maßnahme in der Prävention von mitunter lebensbedrohlichen Erkrankungen. Berücksichtigt man die Tatsache, dass etwa Pockenerkrankungen (im Volksmund auch schwarze Blattern genannt) vor noch gar nicht so langer Zeit so manche Stadt heimgesucht und einen Großteil der Bevölkerung hinweggerafft haben, so muss die Ausrottung dieser Erkrankung als Beweis der Wirksamkeit von Schutzimpfungen akzeptiert werden.

Welche Impfungen würden Sie unbedingt empfehlen?
Baumgartner: Das Bundesministerium für Gesundheit veröffentlicht jährlich den Österreichischen Impfplan. Darin finden sich die aktuellen Empfehlungen in Bezug auf die Art, aber auch auf den richtigen Zeitpunkt für Impfungen, etwa auch das richtige Intervall zwischen Auffrischungsimpfungen. In enger Kooperation mit namhaften Wissenschaftlern wird dieser Impfplan jedes Jahr adaptiert. Alle darin angeführten Schutzimpfungen sind aus ärztlicher Sicht wichtig und damit zu empfehlen.

Gibt es für Sie Ausschlussgründe?
Baumgartner: Ausschlussgründe für die Durchführung von Schutzimpfungen gibt es natürlich. Wenn Menschen etwa an einer schweren Form einer Hühnereiweißallergie leiden, dann ist vor der Verabreichung eines Impfstoffs, der relativ hohe Anteil an Hühnereiweiß aufweist, Abstand zu nehmen. Manche Erkrankungen verbieten auch die Durchführung von Schutzimpfungen mit Lebendimpfstoffen. Generell gilt: Impfstoffe gehören zu den am besten kontrollierten Medikamenten, weil sie an Gesunden angewendet werden und eine ernsthafte Schädigung eines gesunden Menschen der worst case ist.

Sind Sie für eine "Impfpflicht" oder für stärkere Aufklärung?
Baumgartner: Eine gesetzliche Impfplicht halte ich für nicht zielführend. Begleitende Maßnahmen wären meines Erachtens zielführend: Keine Aufnahme in eine Kinderbetreuungstätte für nicht geimpfte Kinder etc. Auch andere Staaten handeln nach diesem Prinzip. Die Einreise wird Austauschstudenten verweigert, wenn sie nicht glaubhaft nachweisen können, eine Masernerkrankung durchgemacht zu haben, bzw. nicht geimpft sind. Erfolg: Der gesamte amerikanische Kontinent, also auch Südamerika, ist frei von Masern. Eine Verstärkung der Aufklärung wäre begrüßenswert.

Was sagen Sie zu der oft breiten Ablehnung von Impfungen?
Baumgartner: Eine in den letzten Jahren zu beobachtende vermehrte Impfmüdigkeit ist sicherlich auch dadurch begründet, dass durch den Erfolg unserer Schutzimpfungen so manche Erkrankungen nicht mehr bekannt sind und sich so mancher eher vor der Impfung als vor der Erkrankung fürchtet. Dies gilt vor allem auch für die Masernimpfung. Vielfach werden die Masern immer noch als leichte Kinderkrankheit abgetan, was ich insgesamt als grob fahrlässig bezeichnen möchte. Die FSME-Impfung, mehr oder weniger in Österreich erfunden, hat eine großartige Erfolgsstory hinter sich. Sie wird auch in der Bevölkerung sehr gut angenommen. Durch sie konnten viele FSME-Erkrankungen und damit auch so manche Dauerschädigung hintangehalten werden. Die Impfung gegen die richtige Grippe (besser Influenza) ist vergleichsweise nicht ganz so wirksam wie andere Impfungen. Allein eine hohe Durchimpfungsrate, von der wir in Österreich meilenweit entfernt sind, könnte einen gewissen Herdenschutz der Bevölkerung bewirken und damit ein rasches Ausbreiten der Erkrankung verhindern.
Allerdings muss man leider immer wieder feststellen, dass für viele Medien die „Kriminalisierung“ von sogenannten „Impfschäden“ interessemäßig im Vordergrund steht.

Wie wollen Sie dem entgegen wirken?
Baumgartner: Impfkritische Personen können, das zeigt mir die eigene Erfahrung, in vielen Fällen durch eine konsequente und gute Beratung durchaus von der Wichtigkeit von Impfungen überzeugt werden. Genauso gut können sie aber von absoluten Impfgegnern vereinnahmt werden und selbst zu solchen werden. Dies zu verhindern muss unsere vordringlichste Aufgabe sein. Es gilt zu erreichen, dass der Großteil der Bevölkerung mehr als jetzt das Bemühen von staatlichen Stellen (BM für Gesundheit) und ÄrztInnen und ApothekerInnen für die Durchführung der empfohlenen Schutzimpfungen anerkennt und in diesen Empfehlungen ein Angebot sich vor Erkrankungen schützen zu können sieht. Es soll nicht so sein, dass man sich nur vor dem Antritt von Auslandsreisen noch rasch einen Impfschutz holt.

Siehe auch Artikel: http://www.meinbezirk.at/wiener-neustadt/chronik/impfungen-koennen-schlimmeres-ausloesen-d863027.html

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