Treibjagden im Bezirk Amstetten im Mythen-Check

Bezirksjägermeister Franz Hochholzer.
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BEZIRK AMSTETTEN. Die Bezirksblätter fragten anlässlich der Treibjagd-Saison auf der Facebook-Seite der BEZIRKSBLÄTTER Amstetten/Ybbstal nach, was unsere Leser vom Jagen und Treiben halten. Schnell zeigte sich eine überwiegende Ablehnung. Aus den Kommentaren wurden Fragen an Bezirksjägermeister Franz Hochholzer formuliert, die mehr Licht in das polarisierende Thema bringen und einige Mythen aufklären sollen.

BEZIRKSBLÄTTER: Welchen Zweck erfüllen Treibjagden?


FRANZ HOCHHOLZER: Eine Treibjagd ist eine für das Wild schonende Jagdmethode. Alle ein bis zwei Jahre wird eine Fläche nur einmal intensiv bejagt. Dadurch wird das Wild nur wenig beunruhigt und gezielt Strecke gemacht.

Steckt also mehr als der oft zitierte Spaß am Töten dahinter, bzw. sind Treibjagden heute überhaupt noch zeitgemäß?

Treibjagden sind in der heutigen Kulturlandschaft ein wichtiges Handwerk zur Regulierung von Wildbeständen besonders bei Rot- und Schwarzwild. Beim Niederwild wird 364 Tage gehegt und an einem Tag geerntet. Wichtig dabei ist die Nachhaltigkeit, das heißt, es wird nur dann gejagt, wenn ausreichend Wild da ist. Die Beliebtheit der Wildbretwochen bei unseren Wirten zeigt, dass das gewonnene, natürliche Lebensmittel Wild voll im Trend ist.

Sie sagten, es wird "geerntet". Werden Tiere extra gezüchtet und vor Treibjagden ausgesetzt, um sie jagen zu können?

Diese gesetzliche Möglichkeit besteht nur bei wenigen Wildarten und ist bei uns im Bezirk bzw. Niederösterreich unbedeutend. Wir haben gelernt, dass die Hege und die Regulierung der Beutegreifer die Stellschrauben für einen gesunden Niederwildbestand sind. Immer mehr junge Jägerinnen und Jäger stellen sich dieser Herausforderung und opfern viele Stunden, um das Niederwild und besonders sensible Tiere wie zum Beispiel das Rebhuhn in unserer Region zu erhalten.

Was wäre die Alternative zu Treibjagden?

Ein Verlust der Artenvielfalt – klingt paradox, aber ist ganz klar nachvollziehbar: Niederwild und viele andere Bodenbrüter und Kleintiere bereichern unsere Kulturlandschaft nur dann, wenn das Biotop, der Lebensraum durch Anlegen von Wasserstellen, Brachen und Strauchreihen verbessert wird und der Druck von Beutegreifern (z. B. Fuchs, Marder, Krähen) reduziert wird. Die Jäger haben hier eine aktive Rolle im Naturschutz und in der Erhaltung eines artenreichen und gesunden Tierbestandes. Niederwild nicht oder nur einzeln zu bejagen wäre kontraproduktiv und die Vielfalt an Wildbeständen würde in kürzester Zeit sinken. Treibjagden sind bei Rot- und Schwarzwild notwendig, um die Bestände auf ein Niveau zu senken oder zu halten, damit Schäden am Wald und Feld begrenzt werden.

Zur Sache: Treibjagden im Sinne des Gesetzes sind Jagden, an denen mindestens zehn Personen teilnehmen. Dazu zählen Jäger und Treiber. Den Treibern kommt dabei die Aufgabe zu, das Wild den Jägern zuzutreiben, die das Wild dann weidgerecht erlegen können. In den meisten Fällen wird bei der Treibjagd auf Niederwild (Feldhasen, Fasane, Wildenten) gejagt. Zur Regulierung des Bestands findet diese Methode jedoch auch bei Rotwild, Schwarzwild und Rehwild Anwendung.

Nachgehakt:

BEZIRKSBLÄTTER: Woher kommt die Ablehnung gegenüber Treibjagden?

FRANZ HOCHHOLZER: Eine Treibjagd ist eine sichtbare und laute Form der Jagdausübung. Daher kommt es manchmal vor, dass sich Personen gestört oder beängstigt fühlen. Aufklärung ist daher wichtig und sinnvoll.

Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Der grundsätzliche Ablauf ist noch immer so, wie Generationen vor uns gejagt haben. Wir gehen noch immer mit der gleichen Leidenschaft jagen wie unsere Großväter. Zur Sicherheit für Teilnehmer an einer Jagd und für andere Naturnutzer tragen wir heute Signalbänder und Warnwesten, Alkohol ist verboten, die rasche Kühlkette sichert ein hochwertiges Lebensmittel und wir machen Monitoring als Voraussetzung, ob gejagt werden kann.

Wie läuft eine Treibjagd ab?

Nach ganz klaren Regeln für Sicherheit und Weidgerechtigkeit. An einer Treibjagd dürfen nur Jägerinnen und Jäger teilnehmen, die eine gültige Jagdkarte besitzen und die Fertigkeit des Schießens geübt haben. An einer Gesellschaftsjagd, wie eine Treibjagd noch genannt wird, nehmen mindestens zehn Personen teil. Üblicherweise ist es bei uns eine Gruppe von 30 bis 40 Jägern, Treibern und Hundeführern.

Interviews: Thomas Leitsberger

Waldbesucher sollten unbedingt zur eigenen Sicherheit auf folgende Punkte achten:

1. Warnhinweise beachten: Anrainer oder Waldbesucher werden durch Aufstellen von Warntafeln oder Gefahrenzeichen auf den von der Treibjagd betroffenen Straßen und Wegen informiert.
2. Treibjagdbereich nicht betreten: Der Bereich, in dem eine Treibjagd stattfindet, darf während der Jagd abseits von öffentlichen Wegen und Straßen und sonstigen öffentlichen Anlagen nicht betreten werden.
3. "Verirrte" sollten auf sich aufmerksam machen: Sollte sich jemand abseits der genannten Wege und Anlagen in ein betroffenes Gebiet "verirren", wird die Treibjagd unterbrochen. Deshalb wird angeraten, sich sofort erkennbar zu machen (z. B. durch Rufen), sollte man ungewollt in eine Treibjagd geraten.

Bezirksjägermeister Franz Hochholzer.
Bezirksjägermeister Franz Hochholzer.

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