Nach "Schwuchtel- und Neger-Sager": Rücktritt des Amstettner FPÖ-Stadtrats gefordert

Stadtrat Bruno Weber

STADT AMSTETTEN. "Für Mütter, Väter, Partner oder Freunde, die mit Kindern unterwegs sind", heißt es auf einen Plakat der ÖBB, die damit für die ÖBB Vorteilscard werben. Zu sehen sind zwei zu lächelnde Männer mit einem kleinem Kind. Einer der Männer ist schwarz.

Weber: "Mir graust"

Das Plakat sorgte nun für jede Menge Aufregung und einen Shitstorm im Internet. Unter den Kommentaren auf Facebook findet sich eines von FPÖ-Stadtrat Bruno Weber. "Meine ÖBB Vorteilscard werde ich nun definitiv nicht verlängern statt dessen mit der Westbahn fahren. Das ist doch nicht normal! 2 vermeintliche Schwuchteln m Baby und davon noch ein Neger. Mir graust ...", kommentiert dieser das Bild. Auf das Zitat aufmerksam machte u.a. die Facebook-Seite "FPÖ Fails".

"Ideologische Parallelen"

"Nicht unschwer sind ideologische Parallelen zum Nationalsozialismus bei Stadtrat Bruno Weber zu erkennen", ist Stadtrat Dominic Hörlezeder empört. Weber sei außer Stande, "Entscheidungen bezüglich Wohnungsvergaben unvoreingenommen zu treffen", fordert er den für Wohnungsvergaben zuständigen Stadtrat zum Rücktritt auf und droht ansonsten mit einem Misstrauensantrag.

Parteien fordern Rücktritt

Ähnlich sieht dies auch Vizebürgermeister Dieter Funke (ÖVP). Es sei zu hinterfragen, ob die Wohnungsvergabe "objektiv" durchgeführt wird. "Für solche Menschenverachtenden", so Funke, "muss er die Konsequenzen ziehen."
Diese Entgleisung ist "nicht zumutbar", sagt Roman Kuhn (NEOS). "Er muss meiner Meinung nach zurücktreten", meint er.

FPÖ macht Amstetten schlecht

"Ich verstehe nicht, wie es zu einer solchen Entgleisung kommen konnte", sagt SPÖ-Stadtrat und Stadtparteivorsitzender Gerhard Riegler. "Als Stadtrat hat er eine besondere Verantwortung mit Begrifflichkeiten umzugehen", so Riegler. Eine Rücktrittsaufforderung auszusprechen, sei aber nicht notwendig. Das müsse die Partei und Bruno Weber "selbst bewerten" und "selber wissen". Die FPÖ habe es jedenfalls wieder geschafft, die Stadt nach außen hin schlecht zu machen, so Riegler.

Jeder darf Meinung sagen

"Er ist halt ehrlich", verteidigt die Amstettner FPÖ-Obfrau Brigitte Kashofer den blauen Stadtrat. "In Österreich darf jeder seine Meinung sagen", meint sie. Mehr sei dazu nicht zu sagen. Rücktrittsaufforderungen wären "lächerlich".

Weber entschuldigt sich

Weber reagiert auf den Wirbel um seine Person mit einem Facebook-Posting. "Meine Reaktion auf das am Dienstag hier in Facebook gepostete ÖBB-Werbeplakat war meinerseits unangebracht und aufgrund der verwendeten Begriffe inakzeptabel", heißt es darin. "Für die von mir gewählte Formulierung dazu, entschuldige ich mich in aller Form. Ich habe da einen Fehler gemacht und wollte niemanden in seinen Gefühlen verletzen", so Weber weiter, der mit einer Spende von 1.500 Euro für den Verein "Licht für Kinder" der Entschuldigung "entsprechende Ernsthaftigkeit verleihen möchte".

Weitere Rücktrittsaufforderungen

Die Entschuldigung scheint u.a. der Arbeiterkammer zu wenig. "Markus Wieser (Anm.: AK-Präsident) hat Kammerrat Weber in einem Telefonat persönlich aufgefordert, seine Funktion als Kammerrat der AK Niederösterreich sowie die in diesem Zusammenhang stehenden Funktionen niederzulegen. Parallel dazu prüft die AK Niederösterreich, ob Kammerrat Weber aus seinen Funktionen enthoben werden kann", heißt es in einer Aussendung der Arbeiterkammer Niederösterreich.


Hier das offizielle Entschuldigungs-Posting von Bruno Weber im Wortlaut:

Meine Reaktion auf das am Dienstag in Facebook gepostete ÖBB-Werbeplakat war meinerseits unangebracht und aufgrund der verwendeten Begriffe inakzeptabel!
Als konservativer Mensch und Familienvater ist mir das traditionelle Familienbild einfach wichtig.
Die Diskussion um das Adoptionsrecht für schwule oder lesbische eingetragene Partnerschaften ist trotz dem Urteil des VfGH auf politischer und gesellschaftlicher Ebene vorhanden und muss auch - selbstverständlich auf sachlichem Niveau - geführt werden dürfen.
Für die von mir gewählte Formulierung dazu, entschuldige ich mich in aller Form. Ich habe da einen Fehler gemacht und wollte niemanden in seinen Gefühlen verletzen!

Ich möchte dieser Entschuldigung mit einer Spende an den gemeinnützigen Verein "Licht für Kinder" in der Höhe von € 1.500,- entsprechende Ernsthaftigkeit verleihen und damit einen kleinen Beitrag für jene leisten, die unsere Hilfe am Dringendsten benötigen - in Not geratene Kinder.

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