20.06.2017, 12:50 Uhr

Bericht eines Gaminger Pazifisten: Weihnachten im Schlafsack

Sophie Bogenreiter und Sarah Glatter mit Fritz Haiszan.

Seit einigen Jahren stellt sich der Zeitzeuge und ehemalige Soldat Fritz Haiszan den Fragen der Schüler.

GAMING. 94 Jahre hat Fritz Haiszan bereits auf dem Buckel, doch die Neue Mittelschule in Gaming zu besuchen und den Schülern Frage und Antwort zu stehen, ist für den Zeitzeugen noch immer Pflicht und Freude. Die Viertklässler, Fritz Haiszan und sein Sohn Herbert Haiszan, der ihn begleitete, bilden einen Sesselkreis, Fritz steigt mitten in der Sache ein und beginnt zu erzählen.
Im Zweiten Weltkrieg war er Hochgebirgsjäger im Kaukasus und kämpfte gegen die Russen. Nach seiner Heeresbergführerausbildung wurde er in den Hochkaukasus gesandt. Dort sollten er und seine Kompanie auf einer Höhe von 3.500 Metern die Russen umklettern. Erschreckende Bilder entstehen in den Köpfen, wenn Fritz vom Krieg erzählt: "Bei fünf Grad mussten wir in Schneehöhlen auf toten Soldaten schlafen." Während dieser Zeit erwischte ihn die Diphtherie und so musste er auf einer Höhe von 4.000 Metern zum Hauptverbandsplatz zurückkehren. Glück im Unglück, denn dieser Umstand sollte für ihn lebensrettend werden, weil er dadurch als Einziger seiner Kompanie mit dem Leben davonkam. Danach verschlug es ihn in die Kubansümpfe, wo er mitansehen musste, wie zwei seiner Kameraden von den Sümpfen verschlungen wurden, ohne selbst Hilfe leisten zu können. Geholfen hat ihm der Umstand seinen Rucksack am Kopf und nicht am Rücken getragen zu haben. So konnte er sich sukzessive aus dem Sumpf herausziehen. In Krasnodar sollte er die letzte Lok auf die Krim erwischen. Jedoch war innerhalb des Zuges kein Platz mehr, und so musste er bei minus 20 Grad außerhalb des Zuges verweilen. Später überlebte er erneut als Einziger seiner Truppe, als er sich auf der Flucht in einer Bewässerungsrinne verstecken konnte, während der Feind an ihm vorbeizog. Eingesperrt wurde Fritz Haiszan öfters, weil es im Krieg schwer war sich auszuweisen. So auch gegen Ende des Krieges als er zum Tode verurteilt wurde, weil er einem Kameraden zur Flucht verhalf. Doch Fortuna war ihm erneut hold, als einen Tag vor der Hinrichtung das Lager nach Erzberg verlegt werden sollte, bevor es ganz aufgelöst wurde. Der Überlebenskünstler und heutige Pazifist stellte sich im Anschluss noch den Fragen der Schüler, unter diesen war auch jene nach dem Feiern von Weihnachten: Gefeiert wurde in einem Erdbunker in den Abruzzen mit einer Flasche Schnaps, die ihm zu seinem ersten Rausch verhalf.
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