17.11.2016, 11:50 Uhr

Demenz: Amstettner kämpfen gegen das Vergessen

Die Demenzbeauftragte Martina Schadenhofer im Gespräch. Viele Betroffene fürchten sich vor der Diagnose und suchen zu spät Hilfe.

"Niemand ist davor gefeit", erzählt Martina Schadenhofer von den steigenden Fällen von Demenzerkrankungen.

BEZIRK AMSTETTEN. Frau H. verlegt seit Kurzem immer ihre Schlüssel, letztens hatte sie sogar zwei verschiedene Socken an. Herr P. hat auf den Besuch vergessen, obwohl doch immer donnerstags Karten gespielt wird.

Frau M. wollte mit dem Nachthemd einkaufen gehen, erst ihr Mann holte sie völlig vom Regen durchnässt in das Haus zurück. Glücklicherweise hatte die Tochter noch gesehen, dass Herr C. die Herdplatte angelassen hatte – die Milch kochte schon über. Früher hätte Frau B. für zehn Leute kochen können, heute stößt sie bei zwei Personen bereits an ihre Grenzen.

Geschehnisse wie diese passieren tagtäglich in unserer Region, in unserer Nachbarschaft, vielleicht sogar in unserem Haus.

Demenz ist Alltag

Die "Gruseldiagnose" Demenz dringt zunehmend in unseren Alltag vor. "Die Gesellschaft muss lernen, damit umzugehen", sagt Demenzbeauftragte Martina Schadenhofer. Die Erkrankung ist nicht heilbar, die Angst davor groß und die Hemmschwelle, zum Arzt zu gehen, enorm. Dabei sei es wichtig, früh Hilfe zu suchen.

"Niemand braucht sich schämen", so die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin des Hilfswerks Amstetten.

Am Beginn steht Vergessen

Es beginnt mit Vergesslichkeit, erklärt Schadenhofer. Das Gehirn baut an Leistung ab, Fähigkeiten gehen verloren. Aber nicht jeder, der vergesslich ist, sei auch an Demenz erkrankt, beruhigt sie und erzählt von Stress, Bluthochdruck, Diabetes oder Flüssigkeitsmangel bei älteren Menschen.

Demenzerkrankungen steigen

Ab dem 65. Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an Alzheimer, der häufigsten Form der Demenz. Etwa 100.000 Österreicher sind in Behandlung, die Dunkelziffer ist fünf Mal so hoch. Aufgrund steigender Lebenserwartung häufen sich die Erkrankungen, deren Diagnose oft eine Depression auslöst.

Was helfen könnte

Nach anfänglicher Verwirrtheit gehen motorische Fähigkeiten zunehmend verloren. Inkontinenz ist etwa eine Auswirkung der Krankheit, die im fortschreitenden Prozess oft verleugnet wird. Schließlich endet sie in Bettlägerigkeit. Der Verlauf kann nur verlangsamt, nicht aufgehalten werden. Aktiv das Gehirn beschäftigen, etwa durch Leute treffen, Sport oder künstlerische Tätigkeiten, könne dabei ebenso helfen wie Medikamente.

Hilfe für pflegende Angehörige

Betroffene sind auch pflegende Angehörige. Auch für diese sei es wichtig, Unterstützung zu suchen und "Zeit zum Verschnaufen" zu finden, sagt Schadenhofer und berichtet etwa von Seniorentagesstätten oder Kurzzeitpflegeplätzen. Denn in der Kraft des Angehörigen liege auch das Wohl des Patienten.


Demenzanzeichen:
1. Zunehmende Vergesslichkeit, Verwirrtheit
2. Verlust motorischer Fähigkeiten
3. Alltägliche Tätigkeiten können nicht mehr bewältigt werden.

Infos: 07472 615 2011
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.