23.10.2017, 11:14 Uhr

Der Tierpark Haag "hinter dem Gehege"

Unterwegs auf der "Fleischfresserrunde": Einblicke in einen "ganz normalen Tag" in Haag.

HAAG. Trotz der Affenschreie, die im Hintergrund zu hören sind, herrscht ungewohnte Ruhe im Tierpark in Haag. Der Eingang ist verschlossen, die Wege durch den Park sind noch leer. Es ist früh am Morgen, als sich Elke Wasinger und Karl Baumgartner mit einer voll beladenen Ladefläche ihres Autos zur Fütterung, der "Fleischfresserrunde", aufmachen.

Eine menschliche Tiermama

Seit zehn Jahren arbeitet "Tiermama" Elke Wasinger in Haag, zog hier Luchse und andere größere und kleinere, zahmere und wildere Tiere eigenhändig mit dem Flascherl groß und heiratete sogar im Tierpark. Das Verhältnis zu den Tieren ist mehr als nur etwas Besonderes, erzählt sie.

Nie den Respekt verlieren

Dennoch, gerade bei den Raubkatzen müsse man stets achtsam sein, alles doppelt und dreifach sichern, erklärt Karl Baumgartner. "Die Arbeit darf nie zur Routine werden", so Baumgartner, der seit knapp drei Jahren hier arbeitet. "Man darf nie Angst zeigen", sagt Wasinger, "man darf nie den Respekt verlieren und muss immer mit dem ganzen Kopf dabei sein."

Peppino hat Schmerzen

Und während Baumgartner den BEZIRKSBLÄTTERN, die an diesem Tag einen Blick hinter die Gehege werfen, eine kleine "Einschulung" gibt, wird der ursprüngliche Fahrplan bereits unterbrochen. Peppino, der Esel, hat Probleme mit seinem Huf. Im Gespräch mit dem Hufschmied zeigt sich, dass es schlimmer ist als gedacht. Der Tierarzt wird beigezogen, inzwischen muss aber die Fütterung weitergehen – Löwen und Tiger warten.

Was rein muss, muss auch raus

Tierpfleger zu sein bedeutet nicht, den ganzen Tag Tiere zu streicheln, es ist ein körperlich harter Job, sagt Baumgartner, während er ein Riesenstück Fleisch samt Knochen von der Ladefläche hievt. So ein Löwe frisst schon ein paar Kilo am Tag. "Außerdem wird am Nachmittag das wieder weggeräumt, was am Vormittag reingefuttert wurde", lacht er. "Wir stehen drei Viertel des Tages im Dreck", so Wasinger, die ergänzt: "Die Arbeit ist kein Beruf, es ist eine Berufung."

Fütterung: Eine Attraktion

Inzwischen ist der Tierpark geöffnet, die beiden bahnen sich den Weg durch die sich füllenden Wege. Während sie in Ruhe das "Frühstück" verteilen, werden sie für die Besucher eine Attraktion wie die Tiere selbst.

Der Kreislauf des Tierparks

Als die beiden bei den Nasenbären ankommen, läutet das Telefon. Esel Peppino wird heute seinen letzten Tag erleben. "Es ist natürlich hart, das Tier, das man seit Jahren kennt, gehen zu lassen", sagt Wasinger. "Aber das Tier am Leben zu erhalten, nur um das eigene Gewissen zu befriedigen, wäre eine Qual für das Tier", so Baumgartner.
Noch während er das sagt, läutet abermals das Telefon. Eines der Shetlandponys bekommt Nachwuchs. Und auf geht es ans andere Ende des Parks. – Ein ganz normaler Vormittag in Haag.
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