16.08.2012, 22:05 Uhr

Geheime Liste: 35 Sex-Pfarrer im Amt

Unangenehme Nachrichten über Missbrauchspriester trüben den Glanz des St. Pöltner Doms.

Priester als Täter weiter im Amt – der Skandal um Missbrauchspriester hat Niederösterreich erreicht. Reagiert der Bischof angemessen?

ÖSTERREICH/NÖ/ST. PÖLTEN (wp). 35 Missbrauchspriester sollen in Österreich noch Dienst versehen. Dies behauptet zumindest die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt. Zumindest drei davon sollen in der Diözese St. Pölten ihres Amtes walten. Darunter ein ehemaliger Rektor eines Knabenseminars, ein Pfarrer, der bereits wegen Kindesmissbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde und ein Ordensmann, der allerdings vorübergehend verschwunden ist. Aber das Land in Niederösterreich ist weit: Es gibt Priester, die sich durch sexuelle Gewalt im Rahmen der Ministrantenbetreuung schuldig machten. Einer bedrängte behinderte Frauen im Beichtstuhl, ein anderer flößte einem Ratsuchenden Alkohol ein, um ihn anschließend sexuell zu nötigen. Auch ein Prälat soll unter den einschlägig tätig Gewordenen sein. Die Namen der Verdächtigen liegen der Redaktion vor. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Versetzung in den Laienstand
"Während etwa Institutionen wie die Rechtsanwaltskammer verurteilten Mitgliedern Berufsverbot auferlegen, dürfen verurteilte Priester einfach weiter in sensiblen Bereichen arbeiten. Warum versetzt man sie nicht in den Laienstand?", fragt ein Betroffener. "Das wäre ein starkes Zeichen. Wenn eine andere Institution als die Kirche so handeln würde, wäre Feuer am Dach!"

"Pfarrer mit Auflagen tätig"
Seitens des bischöflichen Ordinariats in St. Pölten sieht man die Sache differenziert. Einer der Beschuldigten, erklärt Rechtsreferent Stefan Stöger im Auftrag von Bischof Küng, würde in seinem Dienst konkrete, strenge Auflagen einzuhalten haben und ständig von Bezugspersonen vor Ort begleitet. Die Vorwürfe gegen den Ordensmann seien neu und derzeit nicht nachvollziehbar. Man wolle der Sache nachgehen. Ein weiterer beschuldigter Priester sei bereits im Ruhestand und nicht mehr in der Seelsorge tätig. Alle anderen Fälle liegen außerhalb des Zuständigkeitsbereichs von Diözesanbischof Küng, der im Übrigen gerade auf Urlaub weilt.

"Beschuldigter ist kontrollierbar"
Der Schutz von Kindern und Jugendlichen stehe für die Diözese an erster Stelle, erklärt Pressereferent Markus Riccabona. "Gerade deswegen wäre eine generelle Laisierung von Priestern, gegen die staatliche als auch kirchenrechtliche Verfahren zu Missbrauchsfällen beendet wurden, nicht zielführend. Wenn die betreffende Person als Priester im Dienst der Diözese steht, kann sie durch entsprechende Maßnahmen – z.B. Beschränkung des Wirkungsbereiches, Begleitung von Vertrauenspersonen etc. – besser kontrolliert werden." Außerdem: Die Diözese sei sehr dankbar, dass durch die Tätigkeit der Klasnic-Kommission der überwiegende Teil der Fälle aufgearbeitet werden konnte. Die Erfüllung der von dieser Kommission vorgeschlagenen Leistungen trägt zur Bereinigung der oft jahrzehntelang zurückliegenden Fälle bei."

KOMMENTAR:
Macht endlich Tabula rasa!

Werner Pelz: Kontakt: Tel.: 0664 / 80 666 5638
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