13.10.2017, 07:59 Uhr

Mama schaute zu, während Mann ihre Tochter missbrauchte

Rechtsanwältin Martina Gaspar (Foto: Probst)

Mädchen wurden gleich von zwei Freunden ihrer Mutter missbraucht – häufig war diese dabei anwesend.

BEZIRK AMSTETTEN. 2013 wurde der damalige Freund einer 37-Jährige aus dem Bezirk Amstetten wegen schweren sexuellen Missbrauchs ihrer damals zehnjährigen Tochter zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Zwischen 2015 und September 2016 verging sich der neue Freund immer wieder an der Schülerin, häufig in Anwesenheit der Mutter.

Video des Missbrauchs

Am Landesgericht St. Pölten konnte nun nur noch die 37-Jährige zur Verantwortung gezogen werden, der Mann stellte sich am Weg zur Polizei einer „höheren Instanz“ – er beging Selbstmord. Dass die Mutter anwesend war, als der Freund die ohnehin schon traumatisierte Tochter intensiv betastete, zeigt ein Video, das der Mann im Schlafraum mit einer installierten Kamera aufgenommen hatte.

Laut Richterin Doris Wais-Pfeffer wirke die Beschuldigte dabei, als sei es eine durchaus gängige Situation. Gleichzeitig bestätigte auch die Tochter, dass so etwas „sehr, sehr häufig“ vorkam und ihre Mutter auch „sehr häufig“ anwesend gewesen sei.


Mädchen will Mutter schützen

Das Video entdeckten Polizeiermittler, als sie wegen des Verdachts der pornografischen Darstellung Minderjähriger eine Hausdurchsuchung bei dem Mann durchführten. Neben entsprechenden Dateien stellten sie auch die Aufnahmen, durch die die Mutter schwer belastet wird, sicher. In Abrede stellte die 37-Jährige, dass sie auch von den schweren sexuellen Übergriffen ihres Freundes an ihrer Tochter etwas mitbekommen habe.

Die Schülerin, die laut Opfervertreterin Ulrike Koller nicht wolle, dass ihre Mutter ins Gefängnis kommt und auch von Schadenersatzansprüchen Abstand nehme, erklärte dazu, dass ihre Mutter bei den intimsten Handlungen, die sie über sich ergehen lassen musste, geschlafen oder gar nicht da gewesen sei. Wais-Pfeffer vermutete diesbezüglich, dass das Mädchen seine Mutter schützen wolle.

Mutter will verharmlosen

„Von einem reumütigen, umfassenden Geständnis sind Sie weit entfernt“, meinte die Richterin. Der Frau fehle es an Einsicht, sie versuche alles zu verharmlosen und gebe nur zu, was aufgrund des Videos nicht zu leugnen sei. Von den insgesamt zwei Jahren Haft wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses sind 20 Monate bedingt. Zudem wurde die Weisung zu einer Psychotherapie erteilt. Vom schweren sexuellen Missbrauch wurde die Angeklagte freigesprochen.

Nach Rücksprache der Beschuldigten mit Verteidigerin Martina Gaspar wurde Nichtigkeit und Berufung gegen das Urteil angemeldet.
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Helga Amh aus Bruck an der Leitha | 13.10.2017 | 08:27   Melden
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