19.10.2014, 16:09 Uhr

Wieser und Zwazl präsentieren Sozialpartnerstudie zum Image der Lehre

Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer NÖ, Markus Wieser, Präsident der NÖ Arbeiterkammer (Foto: WKNÖ)

Skepsis bei Lehrern und Eltern gegenüber dualer Ausbildung

Niederösterreichs Eltern und Lehrer sehen die Lehre viel skeptischer als eine schulische Ausbildung und unterschätzen nach wie vor die Möglichkeiten, die mit einer Lehre verbunden sind. Zu diesem Schluss kommt eine von den Sozialpartnern Niederösterreichische Arbeiterkammer (AKNÖ) und Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) in Auftrag gegebene IFES-Studie „Image der Lehre“, die nun von WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl und AKNÖ-Präsident Markus Wieser präsentiert wurde. Die NÖ Sozialpartner wollen mit gezielten Info-Aktivitäten dagegenhalten.

Als Datengrundlage dienten standardisierte telefonische Befragungen in der Zielgruppe der Lehrlinge (n=400), der Lehrbetriebe (n=400), niederösterreichischer Eltern mit zumindest einem schulpflichtigen Kind (n=350) und der Lehrkräfte an niederösterreichischen Volksschulen, neuen Mittelschulen, allgemeinbildenden höheren Schulen, sowie berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (n = 314). Die Befragung fand im Zeitraum November 2013 bis Februar 2014 statt.

Lehrlinge wünschen sich mehr Berufsorientierung in der Schule
Zu den Ergebnissen: 98 Prozent der befragten Lehrlinge stimmen der Aussage, die Lehre würde ihnen Spaß machen, voll (76%) oder eher (22%) zu. Ähnlich hoch ist die Einschätzung, für den späteren Beruf gut vorbereitet zu werden.

Kritik kommt seitens der Lehrlinge allerdings an der fehlenden schulischen Berufsorientierung. Ein gutes Fünftel der befragten Lehrlinge fühlt sich seitens der Schule nicht bzw. nicht ausreichend auf die Lehre vorbereitet. Andererseits wird gerade das Thema „rechtzeitige Berufsorientierung vor der Lehre“ von der Zielgruppe als wesentlicher Bestandteil für eine richtige und gute Berufswahl wahrgenommen.

„Man kann die Bedeutung der schulischen Berufsorientierung gar nicht hoch genug einschätzen. Es ist daher wichtig, dass diese bereits frühzeitig beginnt und die SchülerInnen bis zum Schulabschluss begleitet“, so AKNÖ-Präsident Markus Wieser und WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl.

Das erklärte Ziel der Sozialpartner liegt in einer möglichst frühen und verstärkten Berufsorientierung an allen Schultypen. Diesbezügliche Gespräche mit dem Bundesministerium für Bildung und Frauen sind gegenwärtig im Laufen.

Eltern bevorzugen schulische Ausbildung
Skeptischer als die niederösterreichischen Lehrlinge beurteilen die befragten Eltern die Berufsaussichten nach einer Lehrausbildung. Während etwa Lehrlinge in ihrer Ausbildung zu 85 Prozent die Basis für eine interessante Arbeit sehen, sind es bei den Eltern nur 32 Prozent. Gute Arbeitsplatzaussichten attestieren der Lehre nur 33 Prozent der Eltern und bei den Lehrern sogar nur 27 Prozent. Umgekehrt unterstützen 72 Prozent der Eltern die Aussage, dass die Lehre aufgewertet und mehr Jugendliche für die Lehre gewonnen werden sollten. „Irgendwo ist zwar offenbar bereits ‚angekommen‘, dass die Lehre hervorragende berufliche Chancen eröffnet, grundsätzlich hängen Eltern aber immer noch einem Bild nach, das allein in Matura und Uni Karriere und Aufstieg sieht – obwohl es gerade Fachkräfte sind, die unsere Wirtschaft dringend braucht“, resümiert Zwazl.

Selbst jene Eltern, deren Kinder in Lehrausbildung stehen, beurteilen die Möglichkeiten im Anschluss an die Lehre zwiespältig: Demnach biete eine Lehre zwar bessere Aussichten auf einen Arbeitsplatz. Im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen, die beruflichen Karrierechancen und den zu erwartenden Verdienst hingegen, ist selbst aus Sicht der Lehrlingseltern die Schule vorzuziehen.

AKNÖ-Präsident Markus Wieser: „Diese Sichtweise mag vor vielen Jahren zutreffend gewesen sein. Heute ist die Situation anders. Fast 76% der LehrabsolventInnen sind 18 Monate nach Abschluss ihrer Ausbildung erwerbstätig, 5% in einer weiteren Ausbildung. Im Vergleich dazu liegt der Anteil der Erwerbstätigen unter BMS-AbsolventInnen lediglich bei 55%. Beim Medianeinkommen liegen die LehrabsolventInnen 12 Monate nach Abschluss ihrer Ausbildung mit € 1.900,- gleichauf mit AbsolventInnen der BHS und über dem Einkommen von AbsolventInnen berufsbildender mittlerer Schulen (€ 1.500) bzw. allgemeinbildender höherer Schulen (€ 1.300).“








Auch LehrerInnen empfehlen weiterführende Schulen
Ähnliche Befragungsergebnisse wie bei den Eltern liefert die Studie in der Zielgruppe der Lehrkräfte. Auch sie äußern hinsichtlich des Bildungsweges ihrer SchülerInnen ihre eindeutige Präferenz für eine weiterführende Schule. 85% stimmen der Aussage zu, dass – bei entsprechenden schulischen Leistungen – die Matura anstatt einer Lehrausbildung angestrebt werden sollte. Dieser Sichtweise schließen sich selbst die schulischen BildungsberaterInnen, sowie die für die Berufsorientierung (BO) verantwortlichen Lehrkräfte auf ähnlichem Zustimmungsniveau an. Und das, obwohl eine Mehrheit der befragten LehrerInnen (72%) die Auffassung vertritt, dass man es mit einer guten Lehrausbildung genau so weit bringen könne, wie mit einem Studium.




„Regionale Drehscheiben“: Berufsorientierung stärken und ausbauen
Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, bestehende Informationsdefizite bei LehrerInnen und Eltern auszugleichen. Vorhandene Kooperationen – wie beispielsweise bei der Schulung von BO-Lehrkräften – sollen ausgebaut werden. Neue regionale Drehscheiben sollen das Instrument der Betriebsbesuche und der berufspraktischen Tage weiter stärken.

„Die schulische Berufsorientierung ist vom Wissen und vom Engagement der Lehrkräfte am jeweiligen Schulstandort aber auch von guten Kontakten zu den Betrieben abhängig. Dort wo diese Kontakte bestehen, entwickelt sich ein breites Spektrum der Zusammenarbeit. Gelungene Betriebsbesuche und berufspraktische Tage sind für die SchülerInnen ein Erlebnis, liefern die praktischen Grundlagen für die richtige Berufsentscheidung und erleichtern den Berufseinstieg“, so AKNÖ-Präsident Markus Wieser.

Um die Schulen bei der Herstellung dieser Kontakte zu unterstützen, soll in jeder niederösterreichischen Region und in Kooperation zwischen Schulbehörden und Sozialpartnern eine sogenannte „Drehscheibe“ eingerichtet werden. Diese regionalen Drehscheiben sollen sich professionell und kostenlos um die Vernetzung von LehrerInnen und SchülerInnen mit Betrieben und Personen aus dem Arbeitsleben bemühen. Die breite Palette an in Niederösterreich bestehenden Berufsorientierungsmaßnahmen wie etwa der NÖ Begabungskompass, die WKNÖ-Plattform frag-jimmy oder die AKNÖ-Berufsinfo-Messe Zukunft – Arbeit –Leben werden natürlich weitergeführt – unter möglichst verstärkter Einbindung von Eltern und Lehrern. WKNÖ-Präsidentin Zwazl: „Denn wer selbst genauer über berufliche Möglichkeiten informiert ist, der kann sich auch unseren Kindern und Jugendlichen besser helfen, wenn es um die Berufswahl geht.“
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