Beethovenjahr
Die Seele Beethovens betrat den Raum

Beethovens Liedgut mit Posaune, Alphorn und viel Groove neu interpretiert

Mit „Wenn Beethoven heute leben würde, wäre er sicherlich ein Jazzer“ wandte sich Markus Geiselhart während eines außergewöhnlichen Konzertes an das Publikum. Und in der Tat: Beethoven wurde seinerzeit in Wien zuerst berühmt durch seine Improvisationskunst auf dem Fortepiano. Zur Zeit der Wiener Klassik wurde ein Pianist nämlich vor allem an seinem Können im freien Improvisieren gemessen. Daher lag es gar nicht so ferne, mit „Beethoven goes Jazz“ an diese glorreiche Musikepoche mit einer modernen Interpretation anzuschließen.
Im zweiten Konzert im Rahmen der Trilogie, die der Komponist und Posaunist Markus Geiselhart im Auftrag der Stadt Baden zum Beethovenjahr gestaltet, stand das selten gehörte Liedschaffen von Ludwig van Beethoven im Mittelpunkt. Mit ihren Instrumenten schafften es die vier Musiker, Beethovens Noten durch eine Zeitmaschine zu schicken und in die heutige Zeit zu transportieren. Das Quartett erzeugte einen modernen und eigenständigen Sound und jeder der Musiker beeindruckte auf seine Art: Anton Tonč Feinig aus Kärnten mit virtuosen Soli am Klavier, ebenso wie die in Wien lebenden Kärntner Stefan Thaler am Bass und Thomas Käfel am Schlagzeug.

Der in Pfaffstätten lebende Schwabe Markus Geiselhart überraschte das Publikum mit seinem mehrstimmigen Spiel an der Posaune, sowohl mit der Liedauswahl als auch durch seine raffinierten Arrangements. Spätestens als er bei Beethovens Lied „So oder so“ das Alphorn ertönen ließ, betrat gleichsam die Seele Beethovens den Raum. „Elegie auf den Tod eines Pudels“ war als wunderbar einfühlsame Ballade arrangiert, aus dem Lied „Merkenstein“ entstand Latin-Jazz und aus „Vom Tode“ wurde eine düster-moderne „Minimal-Music“ Version. Das kuriose „Kriegslied der Österreicher“ schließlich ertönte gar als Hip-Hop Song und wurde so zum Anti-Kriegslied.
Mit immenser Spielfreude und abwechslungsreichen Soli zog das Quartett das Publikum von der ersten Note an in seinen Bann und wurde am Ende mit begeistertem Applaus belohnt. So kam das Quartett nicht um eine Zugabe herum und das außergewöhnliche Konzert wurde swingend mit „Erhebt das Glas mit froher Hand“ beendet. Man kann sich nur wünschen, Jazz öfter so aktuell, spannend und mitreißend zu erleben.

Als „Beethoven goes Jazz“ mit dem Markus Geiselhart Quartett zu Ende ging, war noch nicht absehbar, dass dies für eine gewisse Zeit das letzte Konzert im Theater am Steg in Baden sein würde. Mit Beethoven-Klängen im Ohr also ging das dankbare Badener Publikum in die „Corona-Pause“ und hofft, bald wieder die Konzertsäle besuchen zu können.

Autor:

Hermann Fuhrmann aus Baden

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