"An diesem Tag bin ich zerbrochen"

Raffaela Romar und Renee Papai stehen nach wie vor unter Schock. "Sie war doch immer gut versorgt", sagt die Großmutter.
  • Raffaela Romar und Renee Papai stehen nach wie vor unter Schock. "Sie war doch immer gut versorgt", sagt die Großmutter.
  • hochgeladen von Maria Ecker

KOTTINGBRUNN. Am 9. Mai änderte sich für Raffaela Romar und ihre 9-jährige Tochter schlagartig ihr Leben. Auch die Großmutter der kleinen Liona steht noch immer sichtlich unter Schock. Raffaela Romar war an diesem Tag mit ihrer Tochter zu ihrer Mutter Renee Papai gegangen und hatte sich dort hingelegt, da es ihr nicht gut gegangen war. Deshalb hatte die Oma für das Mädchen gekocht und mit ihm die Hausübung gemacht. Dann läutete es an der Tür und Beamtinnen der Jugendwohlfahrt erklärten der Großmutter, dass sie ihre Enkeltochter wegen "Gefahr im Verzug" mitnehmen müssten. Bis heute wissen Mutter und Großmutter nicht, was der Grund für diese unerwartete Aktion des Jugendamtes gewesen sein könnte. Liona befindet sich derzeit in einem Heim in St. Pölten.

Kein Recht auf Akteneinsicht

Die Betreuerinnen und Betreuer seien zwar sehr nett, erzählt Oma Renee Papai, aber das Mädchen versteht nicht, warum es von der Familie weggeholt wurde. Lionas Mutter kann in der Zwischenzeit nicht aufhören zu weinen. Beide Frauen können seitdem Liona abgeholt wurde kaum mehr schlafen. Sie hoffen, dass bei der im Juni anberaumten Verhandlung das Sorgerecht dem Großvater und dessen Lebensgefährtin zugesprochen wird.

Anfeindungen und Mobbing

Für das Vorgehen des Jugendamtes hat die Familie kein Verständnis. Liona, eine Einserschülerin, wurde durch die Aktion aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen. Auch die Klassenkameraden und Klassenkameradinnen des Mädchens wären bestürzt gewesen, berichtet die Großmutter. Die alleinerziehende Mutter Raffaela Romar ist Gemeinderätin in Kottingbrunn und erzählt, dass sie aufgrund dieser Tätigkeit immer wieder mit Anfeindungen und Mobbing konfrontiert war. Sie hält es für möglich, dass auch diesmal ein Bosheitsakt hinter der anonymen Anzeige steht, welche das Jugendamt auf den Plan gerufen hat. "An diesem Tag bin ich zerbrochen", sagt Raffaela Romar.

Keine Akteneinsicht

Dass betroffenen Eltern die Akteneinsicht verwehrt wird, wurde schon 2008 im Anlassbericht der Volksanwaltschaft kritisiert. Es ist zwar wichtig Informanten zu schützen, aber dadurch werden auch Denunzianten geschützt. Bezirkshauptfrau Mag. Verena Sonnleitner darf zwar zu konkreten Fällen keine Auskunft geben, erläutert aber wie üblicherweise vorgegangen wird. Meldungen würden von zwei Fachkräften für Sozialarbeit im Vieraugenprinzip geprüft. Stellen diese fest, dass eine drohende oder akute Kindeswohlgefährdung vorliegt, so wird ein Hilfeplan mit ambulanten Unterstützungsangeboten erarbeitet. Reicht das nicht aus, so wird eine Krisenunterbringung, entweder bei nahen Angehörigen (wenn diese dazu bereit bzw. in der Lage sind), in einem Krisenzentrum oder bei kurzfristigen Pflegeeltern veranlasst.

"Transparent und ausführlich"

"In der überwiegenden Anzahl der Fälle schließen wir mit den obsorgeberechtigten Kindeseltern eine Vereinbarung über die notwendigen Maßnahmen ab, da wir dies für eine weitere Zusammenarbeit im Interesse des Kindes als wichtig erachten. Es finden dabei persönliche Gespräche mit den obsorgeberechtigten Eltern statt, in denen die Problemlagen und Gefährdungen für das Kindeswohl transparent und ausführlich besprochen werden. Es werden auch des Weiteren gemeinsam Ziele erarbeitet, die durch die gesetzte Maßnahme erreicht werden sollen. Stimmen die Obsorgeberechtigten einer Maßnahme der Kinder- und Jugendhilfe nicht zu, so ist diese auch gegen deren Willen durchzuführen und die notwendigen Anträge bei Gericht zu stellen", so die Bezirkshauptfrau.

Autor:

Maria Ecker aus Baden

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