Hoher Lindkogel
Interview mit Biosphärenpark-Manager Harald Brenner zum Thema "Wegeverbot"

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Gibt es Wegeverbotstafeln auch außerhalb der Kernzone Hoher Lindkogel-Helenental?
Seit Bestehen des Biosphärenpark Wienerwald und der offizielle Anerkennung durch die UNESCO im Jahr 2005, gibt es eine verordnete Zonierung in der sich die Kernzone Hoher Lindkogel befindet. Sämtliche der von Ihnen erwähnten Verbotstafeln befinden sich dort! Es ist also kein Bereich kürzlich zur Kernzone hinzugekommen oder im Nahbereich der Kernzone Hoher Lindkogel eine neue entstanden.

Wieviele solche Verbotstafeln wurden bisher in welchen Gebieten aufgestellt?
Derzeit läuft ein Pilotprojekt am Hohen Lindkogel wodurch ausschließlich in dieser Kernzone die Hinweistafeln aufgestellt wurden. Wir haben uns bewusst für einen Pilotversuch an diesem Standort entschieden, weil wir vom örtlich zuständigen Revierleiter der Österreichischen Bundesforste die Rückmeldung bekommen haben, dass derzeit besonders viele Erholungssuchende abseits der offiziell markierten Wege unterwegs sind. Im Zuge sogenannter Kernzonen Aktionstage, bei denen wir in der Kernzone vor Ort das Gespräch mit Erholungssuchenden suchen, bekamen wir häufig die Rückmeldung, dass zu wenig Information vor Ort verfügbar ist bzw. es eine klarere Sprache braucht.
Derzeit befinden, oder eigentlich müsste ich sagen befanden, sich ausschließlich in dieser Kernzone 15 der von Ihnen zitierten Tafeln. Warum die Vergangenheit? Neben der mutwilligen Beschädigung und Zerstörung von Tafeln wurden mehrere gestohlen – der Grundeigentümer, die Österreichischen Bundesforste, haben verständlicherweise Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Warum ist nur Wandern, Radfahren und Reiten verboten, nicht aber Autofahren?
Erholungssuchende sind in den Naturschutzgebieten an das sogenannte Wegegebot gebunden. Das heißt, man darf nur dort Wandern, Radfahren und Reiten wo ein offizieller Weg dafür angeboten wird und die entsprechende Nutzung erlaubt ist. So darf beispielsweise nicht auf allen Wegen mit dem Rad gefahren werden.
Gemäß NÖ Naturschutzgesetz sind Grundeigentümer, Nutzungsberechtigte und Personen mit gesetzlichem Auftrag (beispielsweise der Bezirksförster) nicht an dieses Wegegebot gebunden, sie dürfen sich auch abseits der offiziell markierten und angebotenen Wege aufhalten bzw. bewegen (zu Fuß oder mit dem Auto, je nach Wegekategorie). Dies kann beispielsweise zu Kontrollzwecken erforderlich sein oder die Kernzonen müssen durchquert werden weil Forststraßen in „dahinter“ befindliche Wirtschaftswälder führen.

Warum ist Gehen, Radfahren oder Reiten durch diese Tafeln sogar auf bestehenden Forststraßen verboten?
Weil nicht alle Forststraßen und Wege für diese Freizeitnutzung freigegeben wurden. Einher mit der Freigabe von Wegen geht auch immer die Verpflichtung für die sogenannte Wegesicherheit zu sorgen. Das heißt, dass insbesondere alte Bäume kontrolliert werden müssen und, so sie eine Gefahr für Erholungssuchende darstellen, weil Kronenteile sich lösen können oder der ganze Baum umzubrechen droht, diese Bäume gefällt werden müssen. Gerade diese Veteranen- oder Altbäume die abzusterben beginnen oder stehendes sogenanntes Totholz stellen aber einen wichtigen Lebensraum für geschützte und seltene Arten dar. Gerade diesen Arten wollen wir mit und in den Kernzonen aber ihren Lebensraum geben!

Welche Sanktionen sind bei Missachtung vorgesehen?
Meines Wissens gibt es im NÖ Naturschutzgesetz in den Strafbestimmungen keinen eigenen Passus der dies regelt und die Herleitung der Sanktionen ist komplex. Ich frage mich in diesem Zusammenhang jedoch, müssen wir wirklich mit Strafen „drohen“ können wir uns nicht auf 5% der Biosphärenparkfläche selbst etwas zurücknehmen und der Natur den Vorrang geben?

Ist in Kernzonen auch Jagen oder Schlägern verboten?
Die planmäßige Holzernte ist in Kernzonen verboten, sprich die Wälder sind außer forstliche Nutzung gestellt und sollen sich so zu den „Urwäldern von morgen“ entwickeln. In begründeten Ausnahmefällen kann es aber zu Baumfällungen kommen, beispielsweise entlang der offiziell angebotenen Wege (Wegesicherung, siehe weiter oben) oder wenn durch die Behörde Maßnahmen zur Bekämpfung von z.B. Borkenkäfern vorgeschrieben werden.
Die Jagd ist in der Kernzone gemäß der Bestimmungen des NÖ Landesjagdgesetzes gestattet. In einem gemeinsamen Projekt mit dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde haben wir Empfehlungen für eine kernzonengerechte Jagd ausgearbeitet. Diese beinhalten beispielsweise die Verwendung von bleifreier Munition.

Wie lange sind Kernzonen gültig? Muss da ein bestimmtes Ziel erreicht werden bevor sie wieder aufgelassen werden (Zb Baumbestand, Tiere)
Die Kernzonen sind auf Bestehen des Biosphärenpark Wienerwald, also zeitlich unbefristet, angelegt und verfolgen das Ziel des Prozessnaturschutzes. Prozessnaturschutz bedeutet die Natur möglichst sich selbst zu überlassen und in die natürliche Entwicklung nicht einzugreifen. Wir haben also bewusst keine Artenschutzziele vorgegeben. Selbstverständlich haben wir in den Kernzonen aber ein Langzeit Naturbeobachtungsnetz (Monitoringsystem) eingerichtet mit dem wir die natürlichen Entwicklungen wissenschaftlich begleiten um daraus zu lernen.
Jedenfalls kann gesagt werden, dass alle vor Verordnung der Kernzonen bestehenden und offiziell markierten sowie angebotenen Wanderwege erhalten wurden und auch weiterhin benutzt werden dürfen. Neue Kernzonen werden keine festgelegt.
Bitte beachten Sie, dass sich Aussagen zu einer etwaigen Auswertung auf offiziell markierte Wege beziehen.

Wäre es möglich, auf einer Skizze alle aktuellen Verbotstafeln in der betreffenden Kernzone zu markieren? Wieviele KM Wege sind da jetzt nicht betretbar?
Wir bitten Sie um Verständnis dafür, dass wir die Aufstellungsstandorte der Tafeln nicht in der Zeitung veröffentlichen wollen. Bereits zum heutigen Zeitpunkt wurden – wie erwähnt – Tafeln gestohlen und zerstört. Wir befürchten, dass bei einer Veröffentlichung der genauen Standorte weitere Tafeln zerstört oder gestohlen werden. Eine Aussage wie viele km Wege nicht betreten werden dürfen ist leider nicht möglich, da ja die Wahrnehmung wobei es sich um einen Weg handelt schon sehr stark zwischen Einzelpersonen variiert z.B. hinsichtlich ausgetretene Pfade abseits der offiziellen Wege

Es gibt ja einen Unterschied zwischen Weggebot und Wegeverbot: Die mit „Betreten verboten“ markierten Wege sind meines Erachtens „verbotene Wege“ - aber gibt es nicht in öffentlichen Wäldern für alle ein „Wegerecht“? Wie ist da genau die Rechtslage?
Ungeachtet des Waldeigentümers, also egal ob der Wald im Eigentum der Republik Österreich, einer Gemeinde, der Kirche oder einer Privatperson steht, regelt das Österreichische Forstgesetz in § 33, dass Jedermann den Wald zu Erholungszwecken betreten und sich dort aufhalten darf. Natürlich gibt es auch im Forstgesetz Ausnahmen und Einschränkungen von diesem Recht.
In der Kernzone Hoher Lindkogel verhält es sich so, dass es sich dabei um keinen „normalen Wald“ nach Forstgesetz handelt sondern zum Schutz der Natur besagter Bereich als Niederösterreichisches Naturschutzgebiet verordnet wurde.
Das Naturschutzgesetz, im konkreten das NÖ Naturschutzgesetz, definiert in § 11 das Naturschutzgebiet. Darin wird in Absatz 4 angesprochen, dass das Betreten außerhalb der bezeichneten Wege und Bereiche verboten ist. In der Ausnahme vom Betretungsverbot sind Eigentümer, Nutzungsberechtigte und Personen mit gesetzlichem Auftrag genannt.
Daher besteht am Hohen Lindkogel kein allgemeines Recht den Wald zu betreten, sondern ein Wegegebot (d.h. Erholungssuchende müssen auf den offiziell markierten und angebotenen Wegen bleiben) oder anders ausgedrückt ist es dort verboten sich abseits dieser Wege aufzuhalten.

Könnte man nicht, um die allgemeine Missstimmung etwas abzumildern, schon am Beginn der Wege (also im „Tal“ an den Ausgangspunkten der Wanderwege - etwa bei den großen Info-Tafeln, wo alle Wege eingezeichnet sind - entsprechend etwas vermerken, dass einige Wege aus dem und dem Grund verboten sind?
Wir haben an wesentlichen Eingangspunkten in die Kernzone Hoher Lindkogel so genannte Kernzonen-Zusatztafeln angebracht. Auf diesen Tafeln befindet sich - neben Informationen zum Gebiet - auch eine Übersichtskarte mit Darstellung der Wege die benutzt werden dürfen. Im Bereich Merkenstein finden Sie beispielsweise eine solche Zusatztafel wenn sie vom ehemaligen Gasthof Haidlhof Richtung Schloss Merkenstein gehen in etwa dort wo Sie in den geschlossenen Wald (die Kernzone) kommen.

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