Zwei Jäger im großen Interview

Johann Kleindienst sen. aus Ebreichsdorf ist seit seinem 25. Lebensjahr Jäger aus Überzeugung und Leidenschaft.
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BEZIRKSBLÄTTER: Sie sind seit fünf Jahren Jäger. Welches Gebiet betreuen Sie?
EDUARD KOCHER: Man könnte sagen, ich bin ein Spätberufener (lacht). Mein Revier beträgt ca. 50 Hektar hier in Thenneberg. Darin inbegriffen ist die Betreuung sowie der Abschuss von einem Rehbock, einer Geiß und einem Kitz. Außerdem sämtliches Raubwild wie Dachs und Fuchs und Schwarzwild, also Wildschweine.
BB: Was genau bedeutet denn Betreuung des Reviers?
EK: In strengen Wintern ist die Notzeitfütterung besonders wichtig, ich sorge dafür, dass ausreichend Heu in der Futterkrippe ist. Neben der Beobachtung des Wildstandes, Instandhaltung der Futterstellen kommt immer mehr die Beseitigung von Wildschäden dazu, vor allem, wenn die Wildschweine wüten und Wiesenflächen 'umbrechen', als hätte man dort geackert. Der Jäger ist für die Wildschäden auch haftbar!"
BB: Wieso schießen Jäger eigentlich auf Tiere?
EK: Gäbe es keine Jäger, gäbe es zuviel Wild. In der Folge gäbe es mehr Wildschäden, dazu zählen Verbiss-, Schäl- und Flurschäden, aber auch mehr Verkehrsunfälle mit Wildschaden. Weiters werden auf diese Weise kranke Tiere aus dem Bestand genommen. Ich habe jedenfalls großen Respekt vor den Tieren und schieße nicht zum Spaß.
BB: Wie sieht es mit Haustieren aus? Schießen Sie auf freilaufende Hunde im Wald?
EK: Nein. Das ist etwas, was kein Jäger gerne macht und wir versuchen durch gezielte Information und Aushänge die Halter dazu zu bewegen, ihre Tiere nicht ohne Leine in den Wald zu lassen. Das ist ohnehin nicht erlaubt.
BB: Was passiert mit den erlegten Tieren?
EK: Das Wildbret vom Reh wird immer für den Eigenbedarf verwendet. Das Wild sucht sich die besten Gräser und Kräuter aus, daher ist das Fleisch auch sehr gesund und besonders fettarm. Bei Wildschweinen kann ich das Tier entweder käuflich erwerben oder gebe es an die Jagdgesellschaft ab.
BB: Wie sieht es mit Hasen aus? Thema Schrotkugeln.
EK: Ich jage keine Hasen. Der Bestand ist stark zurückgegangen. Mit Schrot jage ich nur Raubwild und das wird nicht gegessen. Durch bleihaltige Munition wird vor allem das Wasser bei der Vogeljagd verunreinigt, die hier nicht stattfindet.

-

BEZIRKSBLÄTTER: Das Jagen hat in Ihrer Familie Tradition, Herr Kleindienst.
JOHANN KLEINDIENST: Seit meinem 25. Lebensjahr zieht es mich in den Wald. Ich bin nicht genannter Jagdpächter in der Ebreichsdorfer Jagdgesellschaft, mein Sohn ist Jagdaufseher und auch mein Enkel ist bereits Jäger.
BB: Heute ist es für Sie ja eher ein Hobby, aber früher waren Sie sehr aktiv.
JK: Ich habe die Jagd sehr intensiv betrieben, war ein richtiger Heger und Jäger, wie man sagt. Habe die Tiere gefüttert, Fallen gestellt, Raubzeug bekämpft und noch viel mehr.
BB: Was dürfen Sie als nichtgenannter Jagdpächter schießen?
JK: Im Grunde alles, was in der Jagdgesellschaft geregelt ist. Kein Niederwild wie Hasen oder Fasane, es sei denn der Jagdleiter ruft gesondert zur Jagd aus. Bei Rehen muss man sich an den Abschussplan der Bezirkshauptmannschaft halten.
BB: Wie sind Sie damals zur Jagd gekommen?
JK: Bei uns zu Hause wollte man von der Jagd nichts wissen. Ein alter Jäger namens Willibald Matzner hat mich dann mitgenommen. Meinem Vater sagte ich, dass ich von daheim weggehe, wenn ich nicht jagen kann.
BB: Was geschieht mit den geschossenen Tieren?
JK: Auf das von mir erlegte Wild habe ich ein Vorrecht auf den Erwerb. Ich kaufe soviel, wie man für den Eigengebrauch benötigt, bereite das Fleisch selbst zu und esse es auch sehr gerne.
BB: Wie halten Sie es mit freilaufenden Hunden und Katzen?
JK: Ich persönlich mache in diesen Fällen gar nichts mehr, habe mich früher genug damit herumgeärgert. Ganz ehrlich: Als wir jung und "narrisch" waren und ein Hund hat gewildert, dann wurde er erschossen. Das würde ich nie wieder tun. Ich will auch nicht, dass jemand meinen Hund erschießt.
BB: Gibt es besondere Probleme zur aktuellen Jahreszeit?
JK: Im Herbst gibt es wieder viele Leute, die auf Feldern Drachen steigen lassen. Man sollte sich dabei eher in Ortsnähe aufhalten, da Rebhühner Drachen für Greifvögel halten. Die Tiere bekommen dadurch Todesangst.
BB: Was würden Sie Ihren Mitmenschen noch mitgeben?
JK: Überlegen Sie sich gut, ob sie zu Weihnachten ein Tier schenken. Um die Feiertage beobachte ich immer ein hohes Aufkommen an freilaufenden Katzen.

Johann Kleindienst sen. aus Ebreichsdorf ist seit seinem 25. Lebensjahr Jäger aus Überzeugung und Leidenschaft.
Jäger Eduard Kocher hat Prinzipien: "Jagdtourismus oder grenzwertige Massentreibjagden sind für mich kein Thema."
Autor:

Markus Leshem aus Schwechat

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