Interview mit Coach Ina Witzany
Die neuen Zeiten erfordern neue Wege

Ina Witzany hat selbst erlebt, dass man - auch beruflich - manchmal Hilfe braucht, um wieder nach vorne schauen zu können. Infos zum Leistungsangebot sowie Kontaktdaten finden Sie unter www.witzany.at oder Sie wenden sich direkt an info@witzany.at
  • Ina Witzany hat selbst erlebt, dass man - auch beruflich - manchmal Hilfe braucht, um wieder nach vorne schauen zu können. Infos zum Leistungsangebot sowie Kontaktdaten finden Sie unter www.witzany.at oder Sie wenden sich direkt an info@witzany.at
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  • hochgeladen von Maria Ecker

LEOBERSDORF. Zwischen Hoffnung und Hilflosigkeit gilt es jetzt neue Wege zu finden. Ina Witzany ist Unternehmerin, Coach, Trainerin. Der Corona-Lockdown ist für sie die zweite existenzbedrohende Krise innerhalb weniger Monate. Nach einem schweren Skiunfall war sie über lange Zeit arbeitsunfähig. Dass sie danach wieder positiv nach vorn schauen konnte, hat sie auch beruflich gestärkt und ihr geholfen, das Beste aus dieser erneuten - diesmal kollektiven - Krise zu machen.

BEZIRKSBLÄTTER: Du hast sehr rasch auf die derzeitige Situation reagiert. Was ändert sich an deiner Tätigkeit, bzw. was denkst du wird sich vielleicht für uns alle (beruflich uns privat) ändern?

INA WITZANY: Meine Tätigkeit hat sich zu 100% verändert. Bis zum 12. März lag der Schwerpunkt meiner Tätigkeiten als Trainerin und Coach beim Kunden im Unternehmen oder in einer speziell für die entsprechende Maßnahme gebuchten Location. Mit den Statements bei einer der ersten Pressekonferenzen unserer Regierung war bereits am 13. März 2020 klar, dass sich von heute auf morgen alles verändern wird. Also haben wir das Wochenende sofort genutzt um unser Angebot an die veränderte Situation anzupassen. Einerseits ist diese Anpassung auf technischer Ebene erfolgt, andererseits im Themenangebot. Das heißt, wir bieten unsere Coachings oder Seminare jetzt online an über Skype®, Webex® oder auf Wunsch auch über Telefon. So ist zum Beispiel auch die Moderation eines Kundenmeetings möglich. Themenseitig haben wir uns unter dem Motto „Wir sind für Sie da“ auf die Notwendigkeiten in der aktuellen Situation angepasst. Das umfasst Themen wie „Wie sag ich’s meinen MitarbeiternInnen – in schwierigen Situationen die richtigen Worte finden“ über Stressmanagement & BurNOut Prävention bis hin zu „Meine MitarbeiterInnen sind im Home Office - Strategien & Methoden zur dezentralen Führung“.

Du hast musstest ja vor kurzem gerade ein traumatisches Erlebnis verarbeiten? Was ist passiert?

Ja, ich hatte am 8. Dezember vergangenen Jahres einen schweren Schiunfall. Mir ist in voller Fahrt die Bindung eines Schis aufgegangen und ich bin schwer gestürzt. Höhere Gewalt sozusagen. Dabei erlitt ich mehrere Frakturen im Becken- und Wirbelbereich. Glück im Unglück war eine perfekt funktionierte Rettungskette. Die Folge war fast drei Monate Krankenstand. Die erste Zeit war ich stationär in Schwarzach auf der Traumatologie und dann anschließend in häuslicher Pflege. Pflege trifft es auch am besten, denn ich war die ersten Wochen 24 Stunden auf fremde Hilfe angewiesen. Neben extremen Schmerzen und der Hilflosigkeit war auch mit einem Schlag mein Einkommen weg. Ich musste alle Seminarbuchungen, Coachings und Termine in meiner Praxis absagen. Keiner der behandelnden Ärzte konnte mir auch sagen, wie lange ich ausfallen würde.

Wie hast du das verarbeitet?

Wenn das Einzige, das Du kannst, ruhig liegen ist, hat man ausreichend Zeit zum Denken, zum Beobachten und zur Selbstreflektion. Natürlich bin ich in der ersten Zeit emotional Hochschaubahn gefahren. Da waren Momente der totalen Verzweiflung, dann wieder Momente der unendlichen Dankbarkeit, dass ich wieder gehen werde können und Momente großen Glücks über minimale Fortschritte.
Den Rahmen für das Verarbeiten des Erlebten in drei Schritten hat mir mein Lebensmotto „Energie folgt der Aufmerksamkeit“ gegeben. Das heißt, dort, wo man seine Aufmerksamkeit und seine Gedanken hinlenkt, entsteht etwas. Deshalb ist es so wichtig darauf zu achten, wo man seine Gedanken hat.
Der erste Schritt im Verarbeiten liegt immer im „Hinschauen“ auf das Thema, das Dir das Leben bietet. Bei mir wurde offenbar eine Notbremse gezogen. Das lässt sich gut vergleichen mit einem Hochgeschwindigkeitszug, der zur Notbremsung gezwungen wird. Da sprühen auch die Funken und im Zug wird viel durcheinander gewirbelt. Und dann folgt Stillstand. Dann muss man hinschauen. „Geh‘ langsamer“, „Achte mehr auf Dich und Deine Bedürfnisse“ waren die ersten Gedanken, die ich hatte.

Im zweiten Schritt zum Verarbeiten war Reden über das Geschehene wichtig. Ich wollte und musste über die Schmerzen, über die Ängste bis zur Bergung und Diagnose und über die Erinnerungen rund um den Unfallhergang reden. Da waren besonders meine Familie und mein soziales Umfeld, also meine engsten Freunde, sehr hilfreich und ich bin ihnen unendlich dankbar für ihre Zeit und Geduld im Zuhören.

Der dritte Schritt im Verarbeiten war das „Tun“. Damit meine ich jeden noch so kleinen Handgriff oder Schritt, den ich selbst machen konnte. Ich habe mir sofort eine neue Struktur und neue Rituale in meinem Alltag geschaffen. Jedes Erfolgserlebnis habe ich geankert und teilweise auch in mein Erfolgstagebuch geschrieben. Das ist eine gute Methode, um persönliche Erfolgsstrategien zu ankern und um eine Hilfestellung für das Meistern schwieriger Lebenssituationen zu haben. Dabei kommen immer die Wörter „ich“ und „tun“ vor. Das hilft, auch in scheinbar hilflosen Situationen Gestalter seines Lebens zu sein.

Was hast du aus diesem traumatischen Erlebnis gelernt?

Ich lebe viel bewusster diese Präsenz im Augenblick, dieses bewusste Sein im „Jetzt“ und ich empfinde eine große Dankbarkeit und Demut, dass ich wieder gesund bin. Ich habe auch viel Tempo aus meinem Leben genommen und bemerke eine anhaltende Genussfähigkeit, die ich davor nur in einzelnen Augenblicken kannte.
Ich habe auch gelernt, dass jede Lebenssituation eine gewisse Struktur im Alltag braucht. Strukturen im weitesten Sinne können auch sinnstiftend sein, wenn einem eine Situation absolut sinnlos erscheint.
Es war auch eine extreme Erfahrung im Loslassen und Verlassen können. Etwas zu „Lassen“ oder jemanden anderen etwas „tun zu lassen“ musste ich erst lernen.
Ich habe auch gelernt, dass man im Leben unendlich viel zurückbekommt, wenn man etwas gibt. Besonders bemerkenswert waren in diesem Zusammenhang die Reaktionen meiner KundInnen. Es war für mich gefühlt eine große Welle an Empathie, Mitgefühl und Betroffenheit. Ich habe in dieser schwierigen Situation keinen einzigen Auftrag verloren. „Das Trainingsbudget wartet auf Sie bis Sie wieder ganz gesund sind“ war nur eine von vielen Aussagen, die mir jegliche Existenzangst genommen haben. Vertrauen ist hier das Schlüsselwort.

Kann man von solchen persönlichen Krisenzeiten Parallelen zur derzeitigen Situation ziehen?

Ja! Hinschauen, Reden und Tun sind auch hier die Schritte zum Verarbeiten. Es ist ein Veränderungsprozess und Prozesse dieser Art bieten immer die Chance, aus seiner Komfortzone herauszutreten und Neuland zu betreten.
Wir testen gemeinsam neue Formen des Arbeitens, auf einmal vereinfachen sich viele Prozesse. Und auch der so gewohnte Alltag braucht jetzt neue Strukturen und neue Rituale. Es ist eine Zeit der Fremdbestimmung von außen. Selbstbestimmung nach innen gewinnt damit an besonderer Bedeutung und Selbstbestimmung ist ja eine wesentliche Säule psychischer Grundbedürfnisse. Auch hier heißt es zu überlegen, was jeder einzelne für sich tun kann, um den neuen Alltag sinngebend zu gestalten. Das halte ich für besonders wichtig, da die Dauer der gesetzten Maßnahmen ungewiss ist – ähnlich, wie es bei meinem Heilungsverlauf war.

Die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht, ist derzeit nicht immer möglich. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus?

Bei social distancing erhalten gewisse Medien wie das Telefon oder diverse online Medien eine ganz zentrale Bedeutung. Das Wesentliche dabei ist, sich bewusst zu sein, dass jedes Medium ein medienadäquates Verhalten verlangt. Das heißt, ein Verhalten, das an das jeweilige Medium angepasst ist. Das ist ähnlich wie in Ihrem Beruf als Journalistin. Auch das Schreiben eines Artikels, der Aufbau eines Spannungsbogens bedarf gewisser Spielregeln. Ähnlich ist das beim Telefon oder in der - ich nenne es – „Online-Kommunikation“. Die hohe Kunst in der Kommunikation liegt immer darin, Inhalte so zu transportieren, dass es der andere gut versteht und dabei möglichst wenig verloren geht. Wenn wir dabei an alle Kommunikationsinstrumente denken, die wir im persönlichen Gespräch einsetzen, wissen wir schnell, wo die Risiken in der schriftlichen Kommunikation oder am Telefon liegen. Da bleibt nicht viel außer Sprache und am Telefon unsere Stimme, die wesentlich zur Stimmung beiträgt. Das ist mit ein Grund, warum im Augenblick viele Menschen privat und beruflich Formen der Kommunikation mit Bild nutzen.

Worauf sollte bei der Kommunikation innerhalb von Unternehmen derzeit besonders geachtet werden? 

Teleworking bzw. Home Office sind für viele Unternehmen jetzt völliges Neuland. Das erfordert neue Strukturen und neu definierte Kommunikationsprozesse. Ich halte in diesem Zusammenhang tägliche kurze online-Meetings zur gemeinsamen Abstimmung und Förderung der Kommunikation für essenziell. Dafür braucht es eine ähnliche Meeting Kultur wie in den gewohnten Besprechungen, die wir von früher kennen. Die Kommunikation hier darf nicht einseitig werden, hier ist der Dialog besonders wichtig. Führungskräften empfehlen wir jetzt auch, unbedingt mit einzelnen MitarbeiterInnen einmal pro Woche ein MitarbeiterInnengespräch zu führen. Ziel dabei ist es zu evaluieren, wie es dem/der MitarbeiterIn mit der neuen Situation geht, wie er/sie mit den beruflichen Anforderungen im privaten Umfeld zurechtkommt und wie man ihn/sie noch besser unterstützen kann. Wichtig dabei ist es, kurzfristige Perspektiven zu geben und auch Ängste zu nehmen.

Burn Out bleibt ein wichtiges Thema, bzw. ist in gewissen Berufen aktueller denn je. Was können Arbeitgeber/ Angestellte tun?

Im Augenblick sehe ich hier eine besondere Gefahr für Menschen in Gesundheits- und Pflegeberufen sowie für pflegende Angehörige. Das soll aber nicht heißen, dass nicht auch andere Berufsgruppen momentan besonders gefordert und damit eventuell gefährdet sind. Ich denke da nur an die vielen SystemerhalterInnen (Supermärkte, Energieversorger, Telekom, etc.), die im Augenblick Höchstleistungen vollbringen.

Für ArbeitgeberInnen heißt das, noch mehr Achtsamkeit in Hinblick auf seine MitarbeiterInnen zu legen um Signale richtig zu erkennen. Damit gewinnt das „im Gespräch mit dem/der MitarbeiterIn bleiben“ noch mehr an Bedeutung, denn nur so kann der/die ArbeitgeberIn rechtzeitig die Notbremse ziehen.

Kleine Aufmerksamkeiten, viel Lob und gemeinsame Rituale in schwierigen Zeiten motivieren und geben neue Kraft. Gemeinsames Lachen entstresst enorm und erhöht die Produktivität. Besonders begeistert berichten MitarbeiterInnen immer wieder, wenn von Seiten des Arbeitgebers etwas völlig Unerwartetes oder Überraschendes passiert. Das kann der Eismann sein, der plötzlich in der Firma steht und Süßes bringt, das kann ein Liederwunsch mit Lob der MitarbeiterInnen im Radio sein oder ein Dankeschön-Post in den sozialen Medien.

Da im Augenblick kein Ende der Krisensituation absehbar ist, sehe ich es auch als wichtige Aufgabe als ArbeitgeberIn, für entsprechende Auszeiten oder Pausen zu sorgen, die über das gesetzliche Ausmaß hinausgehen.

Viele unserer KundInnen ermöglichen in dieser Situation ihren MitarbeiterInnen auch One-to-One Coachings mit uns. Das heißt, wenn das Bedürfnis nach einem Gespräch oder Psychohygiene ist, vereinbaren sich MitarbeiterInnen kurzfristig einen Telefontermin oder ein online-Meeting um sich hilfreiche Tipps für ihre individuelle Situation zu holen.

ArbeitnehmerInnen auf der anderen Seite müssen ein besonderes Maß an Achtsamkeit auf sich selbst an den Tag legen. Achtsamkeit in Hinblick auf alle Signale, die von Körper, Geist und Seele kommen. Es ist essentiell, in schwierigen Zeiten für den richtigen Ausgleich zu sorgen. Jede Form beruflicher Herausforderung braucht eine andere Form der Erholung, das ist vielen meiner KlientInnen anfangs nicht bewusst. Bewegung in der freien Natur, die richtige Ernährung in Stresszeiten, das Pflegen persönlicher Rituale, gute soziale Netzwerke und die Möglichkeit des persönlichen Rückzugs bilden die wesentlichen Säulen in der Prävention eines Burn Outs. „Stopp“ und „Nein“ sind zwei hilfreiche Wörter, wenn es um ein liebevolles „JA“ zu sich selbst geht.

Ich werde oft gefragt, woran man ein Burn Out erkennt. Alarmzeichen zeigen sich immer auf vier Ebenen: körperlich, emotional, kognitiv und sozial. Ein Burn Out geht auch immer einher mit dem Verlust der Fähigkeit zur Regeneration. Spätestens in diesem Fall ist professionelle Unterstützung gefragt. Ein einfacher Test im Rahmen eines Coachings schafft schnell Klarheit. Ich begleite und unterstütze dann in weiterer Folge meine KlientenInnen in der Therapie, die immer mit einem Termin beim Arzt beginnt.

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