16.10.2014, 08:00 Uhr

Berndorfs Kinder fordern Sicherheit

BERNDORF. Nimm dir Zeit für meine Sicherheit - halte Geschwindigkeitsbeschränkungen vor Schulen ein! Volksschulkinder in Berndorf appellieren: Stress und Zeitdruck sind keine Gründe, um unsere Sicherheit zu gefährden! Die bewährte Verkehrssicherheitskampagne "Nimm dir Zeit für meine Sicherheit" der AUVA-Landesstelle Wien und des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) macht am 7. Oktober 2014 in der Schulstadt Berndorf Station. Der Weg zur Schule oder in den Kindergarten bringt viele Kinder in heikle Verkehrssituationen - von Schnellfahrern geht große Gefahr aus! Die Aktion will allen vor Augen führen, dass überhöhte Geschwindigkeit - gerade im Schulumfeld - unsere Kinder gefährdet! Es liegt in den Händen aller Verkehrsteilnehmer: fünf bis zehn Minuten früher starten kann Leben retten!

Problembereiche in Berndorf
Stichprobenartige Geschwindigkeitsmessungen in Berndorf haben teilweise erhebliche Übertretungen aufgezeigt. So wurden in der Hernsteiner Straße im Bereich der Rottergasse bis zu 67 km/h gemessen. In der 30-km/h-Zone Brunntalstraße kamen Fahrzeuge sogar auf 52 km/h und waren fast doppelt so schnell wie erlaubt. Daher wird der Fokus der Aktion "Nimm dir Zeit für meine Sicherheit" genau in diesen Bereich gelegt. "Der Weg zur Volksschule, die in Berndorf direkt an einer stark befahrenen Straße liegt führt viele Kinder über heikle Straßenpassagen und es geht von den Schnellfahrern große Gefahr aus. Unser Tipp für einen sicheren Schulweg lautet: bei den sehr schmalen Gehsteigen lieber hintereinander als nebeneinander gehen. Besonders in den schmalen unverparkten Straßenzügen ist die Gefahr auf die Straße zu stürzen und von einem Auto erfasst zu werden, hoch. Grundsätzlich gilt: immer links und rechts schauen, und wenn kein Fahrzeug kommt, zügig auf die andere Seite gehen - Bitte nicht laufen, die Sturzgefahr erhöht das Verletzungsrisiko. Allen Eltern raten wir, rechtzeitig von zu Hause aufzubrechen, selbst den Fuß vom Gas zu nehmen und nicht direkt vor der Schule verkehrsbehindernd stehen zu bleiben, sondern die Kinder zum Beispiel bei der Kirche, am Kirchenplatz, aussteigen zu lassen. Ein paar Schritte tun dem Nachwuchs auf jeden Fall gut. Unsere Bitte an alle Autofahrerinnen und Autofahrer: Augen auf, volle Konzentration und weg vom Gas im Schulumfeld", sagt Ing. Bernd Toplak, stellvertretender Abteilungsleiter Unfallverhütungsdienst AUVA-Landesstelle Wien.

Die Risiken minimieren
"Geschwindigkeits-Limits einzuhalten bedeutet, das Unfall- und Verletzungsrisiko zu reduzieren und Fußgänger - besonders Schulkinder - im Straßenverkehr zu schützen. Laut AUVA-Unfallstatistik wurden im Jahr 2013 in Niederösterreich 64 Verkehrsunfälle am Schulweg registriert - pro Woche waren im Schnitt zwei Kinder an einem Verkehrsunfall am Weg zur Schule beteiligt. Zehn Minuten früher loszufahren und mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren, kann Leben retten!", weiß DI Christian Kräutler vom KFV. "Die Überschreitung des Tempolimits ist Hauptursache für tödliche Verkehrsunfälle. Rund 60 Prozent der Pkw-Lenker ignorieren Tempo-30-Limits im Ortsgebiet, und etwa 40 Prozent aller Autofahrer überschreiten das Tempo-50-Limit. Dabei wird häufig der Anhalteweg unterschätzt: 70 km/h statt 50 km/h verlängert den Anhalteweg bereits um 18 Meter und mit der Höhe der Geschwindigkeit nimmt auch die Bereitschaft, vor einem Schutzweg anzuhalten, ab", ergänzt Toplak.

Gemeinsame Aktionen
Darum führen die AUVA-Landesstelle Wien und das KFV gemeinsam mit den Schulen die Aktion "Nimm dir Zeit für meine Sicherheit!" durch. Ein wichtiger Aspekt sind die den Aktionstag begleitenden Unterrichtseinheiten. Dafür stellen AUVA und KFV umfangreiche Unterlagen zur Verfügung. Drei Schulklassen mit insgesamt 62 Schulkindern sind in Berndorf mit dabei. Die Kinder der 1. und 2. Klassen übernehmen die Verkehrserziehung der Erwachsenen: ihre Bitte, doch langsamer zu fahren, rüttelt mehr auf als jedes Verkehrszeichen. Die Aktion war 2014 in 44 niederösterreichischen Schulen und 151 Klassen zu Gast und erreichte dabei 2.566 Kinder. Für 2015 sind in Niederösterreich 70 Aktionen geplant. "Mit dieser Aktion wollen wir bei den erwachsenen Lenkern auf die Problematik der überhöhten Geschwindigkeit hinweisen und Aufklärungsarbeit leisten. Denn wenn Raser von der Polizei zur Kasse gebeten werden, ist dies eine unangenehme Sache. So richtig peinlich wird es aber, wenn eine ganze Klasse von Schulkindern um mehr Rücksicht bittet. Als Draufgabe zur persönlichen Aufforderung von Seiten der Kinder wartet schließlich auch noch Süßes oder Saures: Ein süßer Apfel belohnt jeden angepassten Fahrer - jeden Temposünder mahnt eine saure Zitrone. Eine KFV-Evaluierung hat uns gezeigt, dass diese Aktion ihre Wirkung nicht verfehlt, einen sehr wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit leistet und von Eltern wie Kindern gerne angenommen wird", erklärt Kräutler.

Wichtige Sicherheitstipps

Für Schulkinder:
. Besondere Vorsicht beim Überqueren: Autolenkerinnen und Autolenker halten sich nicht immer an die vorgeschriebene Geschwindigkeit.
. Gehe zügig am Zebrastreifen über die Franz-Schubertstraße im Bereich des Margaretenplatzes, nicht laufen - Sturzgefahr!
. Zebrastreifen, geregelte Kreuzungen haben Priorität, auch wenn der Weg dann länger wird.

Für die Eltern, Autofahrerinnen und Autolenker:
. Allen, die im Umfeld von Schulen und Kindergärten unterwegs sind, muss klar sein: Weg vom Gas, Augen auf, um Fehler der Kinder noch ausgleichen zu können. Kinder reagieren spontan und ohne realistisches Gespür für Gefahren. Deshalb sind Kinder aus dem Vertrauensgrundsatz ausgenommen.
. Eltern, die Kinder mit dem Auto zur Schule bringen oder abholen: bitte auf die Geschwindigkeit achten - Tempo-30-Zone vor der Schule!
. Nicht direkt vor der Schule verkehrsbehindernd halten. Reversieren am Kirchenplatz gefährdet ihre Kinder.
. Bitte auch die Haltemöglichkeiten abseits der Schule nützen. Es dient Gesundheit und Sicherheit, Kinder ein kurzes Stück zur Schule zu begleiten oder sie zu Fuß gehen zu lassen.
. Achtung Zebrastreifen: Hier haben Fußgänger immer Vorrang. Kindern muss jederzeit das ungehinderte Queren der Straße ermöglicht werden! Bitte rechtzeitig abbremsen und anhalten!
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