01.09.2014, 15:06 Uhr

Berndorfs vergessene Russen

Der Berndorfer Russenfriedhof wurde von 1945 bis 1951 im Auftrag der russischen Kommandantur angelegt.

BERNDORF (finni/les). Das Grundstück musste einst von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden, die laut Staatsvertrag auch für die Pflege und Erhaltung des Friedhofs verantwortlich ist. Schon beim Betreten überkommt einen das Gefühl, ein Reich vergessener Seelen zu betreten.

Suche nach Geschichte
Dabei sind gerade in letzter Zeit einige russische Besucher anzutreffen und hie und da kann man auf einigen Gräbern auch eine leuchtende Kerze sehen. Laut Auskunft des Boltzmann-Institutes Graz, wurden in Berndorf 453 Soldaten bestattet, 19 davon wurden nie identifiziert. Ein großes Denkmal - mit einem roten Sowjetstern verziert - erinnert an den Zweiten Weltkrieg und die Besatzungszeit danach, die Inschriften auf den Grabsteinen sind meistens in kyrillischer Schrift.

Ein wenig mehr Klarheit
Einer, der diese Inschriften lesen und manchmal auch deuten kann, ist Friedhofsforscher Johann Marschall. Er spricht russisch und beschäftigt sich seit Jahren nicht nur mit der Geschichte St. Veits, sondern auch mit der der verstorbenen Russen, die hier begraben sind. "Einige der Namen und Inschriften konnte ich übersetzen, so z.B. den von Garde Major Sergeew N.A., verstorben 1945, Garde Kapitän Kostoglod, 1945 gefallen oder Garde Kapitän Nekrasow G.S., gefallen 1945. Auf einem Massengrab befindet sich eine ausgeblichene Fotografie des mit 20 Jahren verstorbenen Tjurnin Wasili Grigorjewitsch. Für viele Menschen ist die Tatsache überraschend, dass auch Frauen und Kinder hier begraben sind." So findet man unter anderem das Kindergrab der 7-jährigen Ljusja Taramakina mit der Aufschrift "Dein Papa und Mama".

Doch ein paar Besucher
Bei genauerer Betrachtung wird klar: Ganz vergessen ist auch dieser Friedhof noch nicht. Ein welker Blumenstrauß auf einem der Gräber ist Zeuge, dass immer noch manchmal jemand nach seinen russischen Vorfahren sucht und ihrer gedenkt. Auch in Leobersdorf gibt es einen Russenfriedhof, der 57 Verstorbenen die letzte Ruhestätte bietet.
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Josef Schelling aus Baden | 03.09.2014 | 05:28   Melden
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