14.11.2017, 16:38 Uhr

Ein unmoralisches Angebot?

Trotz Wirbelsturm "Irma" bewarb der ÖAMTC eine Kreuzfahrt auf völlig zerstörte Antillen-Inseln. Disput mit kritischem Klausen Leopoldsdorfer. Die Reederei hat inzwichen "umgeroutet".

KLAUSEN-LEOPOLDSDORF. Mehr als Kopfschütteln bewirkte bei dem Klausen-Leopoldsdorfer Gemeinderat Erich Hengl eine Reisebeilage in der ÖAMTC-Zeitung auto touring, die ihm Ende Oktober in die Hände fiel. Darin wurde eine Kreuzfahrt der Costa Magica auf die Karibikinseln Antillen ab 1.899 Euro beworben. Die Route sollte auch jene Teile der Inselgruppe anfahren (St. Martin, Antigua, St. Kitts), die Anfang September vom Wirbelsturm "Irma" völlig zerstört wurden.
"Katastrophentourismus zum Schnäppchenpreis?" empörte sich Erich Hengl auf seiner Facebook-Seite. "Was soll das? Lasst doch die Leute mal in Ruhe ihre vier Wände wieder aufbauen. Völlig unsensibel und ignorant vom ÖAMTC, so eine Kreuzfahrt jetzt anzubieten."


Reaktion des ÖAMTC

Der ÖAMTC reagierte umgehend auf Hengls Beschwerde. Informationen über die katastrophalen Auswirkungen des Wirbelsturms hätten die Redaktion der ÖAMTC-Zeitung knapp vor Druckschluss am 12. September erreicht. Nach internen Diskussionen habe man sich aufgrund uneindeutiger Informationslage am 11. September dafür entschieden, die Reise trotzdem zu bewerben - als "Einzelangebot in einem 16-seitigen Folder".
"Wenn wir bei Ihnen durch diese Entscheidung den Eindruck erweckt haben, dass der ÖAMTC den von Ihnen skizzierten Katastrophentourismus absichtlich unterstützt, so möchten wir uns in aller Form dafür entschuldigen", schreibt Thomas Oppenheim für den ÖAMTC.


Route doch geändert

Zwischenzeitlich wurde die Kreuzfahrt von der Reederei der Costa Magica in Eigeninitiative umgeroutet. Die verwüsteten Inseln St. Kitts, Antigua und St. Martin werden nicht angefahren. Neben den ethischen Argumenten sei auch die zerstörte Infrastruktur auf den Inseln dafür der Grund, schreibt Oppenheim. Für Erich Hengl ist das Verhalten des ÖAMTC jedenfalls "unmoralisch": "Auch wenn Stornogebühren angefallen wären - der ÖAMTC hätte umgehend und ohne weitere Diskussionen sein Kontingent bei der Costa Magica zurückgeben müssen."
Bei einer Reiseanfrage seitens der Bezirksblätter-Journalistin für einen Termin im März 2018 wurde die neue Route bestätigt. Allerdings hieß es, dass auch die ursprüngliche Route wieder aufgenommen werden könne, denn die Bewohner seien normalerweise "sehr schnell beim Wiederaufbau". Die ÖAMTC-Kontingente sind jedenfalls schon ausgebucht.
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