15.10.2014, 15:42 Uhr

Gerechtigkeit im Konzertsaal

Franziska Schneider will eine Konzertreihe für vergessene Komponistinnen ins Leben rufen.

BEZIRKSBLÄTTER: Frau Schneider, warum setzen Sie sich für vergessene Komponistinnen ein?
FRANZISKA SCHNEIDER: Ich studiere schon lange die Konzertprogramme im Land. Komponistinnen kommen darauf praktisch nicht vor. Mit wenigen Ausnahmen kennt man nicht einmal die Namen von Komponistinnen. Es gibt auch kaum Dirigentinnen, die öffentlich auftreten können.
Das wollen Sie ändern – wie?
Mein Plan ist, eine Konzertreihe ins Leben zu rufen unter dem Motto „Frau und Musik“. Der Auftakt ist am 8. November in den historischen Räumen von Schloss Hernstein im Triestingtal. In Folge möchte ich in diesem Zyklus drei Konzertabende pro Jahr organisieren, die ausschließlich Komponistinnen gewidmet sind. An verschiedenen schönen Schauplätzen.
Was erwartet uns zum Auftakt?
Ich habe sechs Komponistinnen ausgewählt, die alle im Jahr 2014 einen besonderen Geburts- oder Todestag haben. Clara Schumann, die bekannteste von allen, wurde vor 195 Jahren geboren. Louise Farrence vor 210 Jahren, Grete von Zieritz hat den 115. und Felicitas Kukuck den 100. Geburtstag. Cecile Chaminade starb vor 70 Jahren. Als Highlight werden auch Werke von Silvia Sommer aufgeführt, einer Niederösterreicherin, die im Waldviertel lebt, heuer 70 wird, und zum Konzertabend kommen wird.
Welche Art von Musik wird zu hören sein?
Kammermusik, dargeboten von 11 Musikern, auch Männern, unter anderen renommierte Mitglieder und Solisten des NÖ Tonkünstlerorchesters.
Kaum ein/e MusikerIn hat Werke von Komponistinnen im Repertoire, das bedeutet doch für Sie als Organisatorin einige Herausforderung.
Oh ja. Denn viele Kompositionen sind schwierig und es bedarf der Bereitschaft der engagierten MusikerInnen, sich viel Zeit zum Einstudieren der Werke zu nehmen.
Sind Sie eine Feministin?
Naja. Aber ich habe einen großen Gerechtigkeitssinn, und es stört mich einfach, dass in der Musik und auch sonst Frauen oft einfach vergessen werden. Was ich will, ist, dass die Werke von Komponistinnen gleichrangig neben den Werken der Männer in Konzertprogrammen vorkommen.
Gibt es schon Pläne für weitere Konzerte?
Wie gesagt, angedacht wären für 2015 drei Konzerte an verschiedenen Schauplätzen. Veranstalter, die an diesem Konzept interessiert sind, können sich gerne bei mir melden. Ein Konzert in Baden würde mir auch gefallen. Unter www.componissima.at kann man mich kontaktieren – und schon Karten für das Auftaktkonzert reservieren.
Wie finanzieren Sie Ihr Projekt?
Ich bekomme eine Förderung der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich. Das Auftaktkonzert am 8. November beginnt um 16 Uhr in Hernstein, vorher um 15 Uhr findet eine Einführung zum Thema statt. Die Veranstaltung kam auch mit Unterstützung der Privatstiftung der Berndorf AG zustande. Da danke ich sehr.
(Das Interview führte Gabi Stockmann).


Zur Person
Mag.a Franziska Schneider (70) stammt aus Markt Piesting und studierte Klavier Konzertfach an der Hochschule für Musik in Wien und Krakau. Langjährige Konzert- und Lehrtätigkeit. Ihre Magisterarbeit machte sie mit einem wissenschaftlichen Text zum Thema „Das Verhältnis der Komponistin Clara Schumann zur musikalischen Öffentlichkeit im Spiegel ihrer Briefe“. Seit damals befasst sich Franziska Schneider mit Komponistinnen. Seit 2002 komponiert sie auch selbst.
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