09.10.2017, 18:23 Uhr

Sax an trostlosen Orten

von links: John Morrissey, Peter Natterer und David Saleem
BEZIRK BADEN. "Ich will trostlosen Orten mit Sax wieder eine Seele zurückgeben", sagt der Kottingbrunner Saxophonist Peter Natterer (45). Er spielte mit seinem Instrument letzten Montag gegen die riesige betonierte Fläche beim ehemaligen Baumax-Areal in Baden an. Und gegen den Verkehrslärm auf der vorbeiführenden Straße. Unterstützung bekam er vom Badener John Morrissey auf der Mandola. Die beiden spielten einen Landler aus Maria Taferl.

Zubetonierte Heimat
"Die Idee hatte ich schon vor Jahren", erzählt Peter Natterer, der nach Bloomfield in Leobersdorf und Wirtschaftspark in Kottingbrunn nun auch den Ex-Baumax-Parkplatz "bespielte". Vor Jahren, das waren Wahlkampfplakate von Barbara Rosenkranz mit der Aufschrift "Mut zur Heimat". "Und diese Heimat-Plakate standen an unsäglichen Orten wie diesen", so Peter Natterer. "Unsere Welt wurde von den so genannten Heimatparteien viel zu autogerecht gestaltet. Ein Blick nach Tirol genügt. Jeder von uns kennt noch "wilde unverbaute Kindheitsgegenden, die heute Betriebsgebiete sind." John Morrissey ergänzt: "Es gibt so viele trostlose Orte - auch bei uns in Baden, zum Beispiel in der Renngasse. Im Umkreis von 30 Metern stehen hier sicher fünf Geschäfte leer. Die Flächenversiegelung an der Peripherie hängt natürlich mit dem Sterben der Ortskerne zusammen."

"Plätze zurückerobern"
"Wir müssen uns diese Plätze zurückerobern, und meine Aktion 'Sax an trostlosen Orten' ist ein erster Versuch dazu", sagt Peter Natterer. John Morrissey blickt um sich: "Wieviel Platz für Wiesen zum freien Spielen und für Kultur gäbe es hier. Wir haben leider noch nie erlebt, dass eine einmal betonierte Fläche - einst auch ein Stück Heimat - wieder zurückgebaut wurde!" Peter Natterer: "Im Gegenteil. Vom Kottingbrunner Wirtschaftspark sind es vielleicht 100 Meter bis zum neu entstehenden Wirtschaftspark Bad Vöslau. Und besiedelt sind diese Wirtschaftsparks alle nur zum Teil."

Musik und Jonglage
Natterer und Morrissey wollten gerade noch ein Stück ihrer Band "Hotel Palindrone" spielen, da kam ein Gabelstapler gefahren. "Ihr dürft hier nicht spielen, das ist Privatgrund", richtete der Arbeiter einen Auftrag seines Chefs aus. Nach kurzem Disput wichen die beiden Musiker auf den öffentlichen Gehsteig aus, spielten dort weiter. Da kam David vom Cinema Circus vorbei, packte Jonglierkeulen aus und unterstützte die Aktion mit seiner Kunst. So wurde an diesem Vormittag für eine halbe Stunde ein Quadratmeter Beton mit Leben erfüllt. Tipps für "trostlose Orte" an www.peternatterer.at oder auf Facebook.
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