22.10.2014, 00:00 Uhr

Studieren im Container

Die „Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“ wird durch weiteres Wachstum herausgefordert. Die Zahl der Studierenden im Diplomstudium Fachtheologie hat sich in den letzten 15 Jahren von 62 auf 242 vervierfacht. Die weltweit einzige Hochschule des Zisterzienserordens ist vor allem auf die Ausbildung von Priester- und Ordenskandidaten ausgerichtet.
Ein besonderes Wachstum verzeichnet das „Überdiözesane Priesterseminar Leopoldinum Heiligenkreuz“ (www.leopoldinum.at) mit 15 Neuanmeldungen aus deutschsprachigen Diözesen und Ordensgemeinschaften. Die Gesamtzahl von 37 Seminaristen für das begin- nende Studienjahr 2014/15 übersteigt die Kapazität von 28 Zimmern bei weitem. Da auch das Stift Heiligenkreuz wegen der zahlreichen eigenen Berufungen an räumliche Grenzen stößt, und die umliegenden Studentenheime in Alland und Mayerling voll sind, hat sich Abt Dr. Maximilian Heim OCist gemeinsam mit den Verantwortlichen für eine un- gewöhnliche Maßnahme entschieden: Im Garten des Priesterseminars wurde eine kleine Siedlung von zwölf Wohncontainern aufgestellt. Die neuen Studenten sind bereits einge- zogen und gewöhnen sich an diese „besondere Wohnsituation“.
Das Priesterseminar Leopoldinum (www.leopoldinum.at) liegt in unmittelbarer Nachbar- schaft zur Hochschule (www.hochschule-heiligenkreuz.at), die mit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. 2007 zur Hochschule päpstlichen Rechtes erhoben worden war. Das nun- mehrige „Priestersenimar Leopoldinum“ wurde 1975 vom Regensburger Bischof Dr. Ru- dolph Graber als Studienhaus „Collegium Rudophinum“ gegründet worden. 2007 machten Umstrukturierungen in der Priesterausbildung der Diözese Regensburg eine Neuordnung erforderlich: Die Österreichische Bischofskonferenz verabschiedete neue Statuten und vertraute das Haus unter der Bezeichnung „Überdiözesanes Priesterseminar Leopoldinum Heiligenkreuz“ der Trägerschaft des Stiftes Heiligenkreuz an.
Das Leopoldinum steht allen Diözesen und Ordensgemeinschaften als Ausbildungsort für Priesteramtskandidaten zur Verfügung. Die 37 Seminaristen kommen aus 12 verschiede- nen Diözesen und 8 Ordensgemeinschaften (Zisterzienser, Benediktiner, Prämonstraten- ser, Deutschorden, Franziskaner, Pauliner, Oratorianer, Missionare vom kostbaren Blut). 28 Kandidaten stammen aus dem deutschen Sprachraum; die übrigen 9 aus Indien, Nige- ria, Ukraine und Vietnam. Das Altersspektrum der sozial, kulturell und spirituell bunten Hausgemeinschaft reicht aktuell von 20 bis 52 Jahren.
Vor 39 Jahren war das Priesterseminar vor allem für Spätberufene ohne Matura/Abitur gegründet worden, die auf dem sogenannten „Dritten Bildungsweg“ zur Priesterweihe geführt werden sollten. Dieses Bild hat sich im Laufe der Zeit völlig verändert. Heute verfügen 35 der 37 Seminaristen über die Hochschulreife. Unter ihnen finden sich nach wie vor viele „Spätberufene“ aus unterschiedlichsten Berufsgruppen, wie Psychologen, Päda- gogen, Verwaltungsbeamte, Krankenpfleger, Handwerksberufe bis hin zum ehemaligen Schweizergardisten.
Um den diözesanen und überregionalen Charakter des Seminars zu betonen, hat Abt Ma- ximilian schon 2011 die Leitung des Leopoldinum mit Direktor P. Dr. Anton Lässer CP (53) und mit Spiritual Pfr. Mag. Martin Leitner (Erzdiözese Wien, 51) externen Priestern anvertraut, die nicht aus den eigenen Reihen stammen und sowohl über diözesane Erfah- rungen, als auch über Erfahrungen in der Seelsorge, im Apostolat und im Ordensleben verfügen. Um der laufenden Entwicklung Rechnung zu tragen, hat Abt Maximilian mit Beginn des neuen Studienjahres die Hausleitung des Leopoldinum komplettiert, indem er den aus Oberösterreich stammenden Kaplan Dr. Johannes M. Schwarz (36) in das Amt des Vizedirektors berufen hat.
Auch sonst gibt es Erfreuliches zu berichten: Der Transfer der Bibliothek der Hochschule Benediktbeuern (ein Volumen von 265.000 Bänden), die die Salesianer Don Boscos den Zisterziensern geschenkt haben, wird noch vor Weihnachten durchgeführt werden. Das Erfreulichste aber ist, dass der Ausbau des Hochschulgebäudes am 30. April 2015 mit der Einweihung durch Kardinal Schönborn abgeschlossen werden kann. Der Umstand, dass Priesterstudenten in Wohncontainer untergebracht werden müssen, stellt die Verantwortli- chen aber vor neue Herausforderungen.
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