24.07.2017, 15:27 Uhr

Tanzkunst bei Sommerhitze

BADEN. "Der Erfolg im Ballett besteht zu 50 Prozent aus der Optik", sagt Michael Kropf, Ballett-Chef der Bühne Baden. Ihm sitzen zwei junge Leute aus seiner elfköpfigen Tanzkompanie gegenüber, Jan Bezak (32) und Natalia Bolzer (30). "Es ist weit mehr als 50 Prozent", sagen beide wie aus einem Mund. "Wenn nicht gar 100 Prozent. Man kann uns ja schließlich nur sehen!"
Auf der Bühne sind die Badener Tänzer und Tänzerinnen leicht wie Federn und der "Staubzucker" auf jeder Operette, aktuell im Zarewitsch und in Orpheus in der Unterwelt in der Sommerarena. Doch was so spielerisch und süß aussieht, ist hohe Kunst und schwere Arbeit unter oft komplizierten Bedingungen.


"Einmal hatte es 48 Grad!"

"Wir haben einmal die Temperatur auf der Bühne der Sommerarena gemessen. Mit all den Scheinwerfern und bei hoher Außentemperatur sind wir auf 48 Grad gekommen. Dazu mussten wir mit Perücken und schweren Kostümen tanzen", erzählen Jan und Natalia. Auch im kleinen Probenraum im zweiten Stock des Theaters ist es im Sommer trotz Klimaanlage nicht wirklich kühl.


Trinken, aber richtig

Jeder Hochleistungssportler - und der Balletttanz ist durchaus dazuzurechnen - muss darauf achten, so viel wie möglich zu trinken. Aber bei Balletttänzern ist das so eine Sache... "Ich darf nur kleine Schlucke trinken", sagt etwa Jan. "Trinke ich zu viel, spüre ich sofort, wie das Wasser in die Muskeln geht, was mich beim Springen behindert. Trinke ich aber zu wenig, kommen Krämpfe. Ich schwöre auf schluckweises Isostar, das gibt mir unmittelbar Kraft."
"Mein Problem ist, dass mir der Durst in der strengen Ballettschule der Wiener Staatsoper abtrainiert wurde", erzählt Natalia. "Das Trinken außerhalb der Pausen war dort verpönt. Heute verspüre ich dadurch wenig Durst. Trinke ich aber entsprechend zu wenig, spüre ich es mit Kopfweh, mir wird im Magen komisch, ich bekomme Herzrasen und kann mich nur schlecht konzentrieren." "In meiner Ballettschule anno dazumal hieß es auch: Trinke deine Spucke!" erinnert sich Michael Kropf an seine eigenen strengen Ausbildungszeiten.


Die Sache mit dem Essen

Disziplin braucht es übrigens auch beim Essen, was bei den unregelmäßigen Arbeitszeiten von Balletttänzern eine eigene Kunst ist. "Nach den Vorstellungen wird es oft 23 Uhr, bis wir ins Bett kommen, und wir sind dann meistens hungrig, da wir ja vor den Vorstellungen kaum etwas essen, um unsere Körper nicht zu belasten. Vorm Schlafengehen zu essen, ist aber wiederum nicht gut für den Schlaf und für die Linie", erzählen Natalia und Jan. Am Morgen gibt es dann als Energie-Frühstück Haferbrei mit Wasser für Jan und eine Banane für Natalia.
Das Frühstück nehmen die beiden übrigens gemeinsam ein, ehe es wieder zur täglichen 10 Uhr-Probe geht. Der Slowake und die Österreicherin haben sich in Michael Kropfs Ballett-Kompanie kennen und lieben gelernt.
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