02.10.2017, 16:38 Uhr

Was macht ein Regisseur den ganzen Tag?

Louise (9) und Florentin (8) interviewen Beppo Binder, der für die Bühne Baden gerade das Projekt "Oper für Kids" betreut.

Ab 21. Oktober wird an der Bühne Baden Carl Maria von Webers Oper "Der Freischütz" gespielt. Parallel dazu inszeniert Beppo Binder eine Kinderversion dieses Werkes. Florentin Koch und Louise Astl-Kurz, zwei Volksschulkinder mit Theatererfahrung, haben den Regisseur befragt.
Florentin: Sie erarbeiten mit Ihren Studenten die Oper. Woher wissen Sie, was Kindern gefällt?
Beppo Binder: Ich mache schon über 30 Jahre Kindertheater und war auch Darsteller für Kinder. Da spürt man schon, was gut ankommt und was nicht. Ich habe auch schon viele Stücke für Kinder geschrieben.
Louise: Warum machen Sie ausgerechnet "Der Freischütz" für Kinder?
Das war eine Entscheidung des Theaters. Und es ist eine besondere Premiere. Denn es ist das erste Mal, dass wir hier an der Bühne Baden eine "Oper für Kinder" machen. Wenn es ein Erfolg wird, machen wir es weiter. Es wird zwei öffentliche Aufführungen - die erste am 22. Oktober - und drei Vorstellungen für Schulen geben.
Florentin: Wie stellen Sie die Wolfsschlucht dar?
Wir spielen die "Oper für Kinder" nicht auf der großen Bühne, weil dort ja "Der Freischütz" für Erwachsene gegeben wird. Hier im Max Reinhardt-Foyer haben wir nur die Möglichkeit zu ein bißchen Dekoration. Große Bühne für die Großen, kleine Bühne für die Kleinen.
Louise: Und wie sieht der Teufel aus? Blutig?
Das verrate ich nicht. Aber eines ist sicher: Es muss nicht immer Blut fließen. Gruselige Stimmung wird auch durch Musik erzeugt.
Louise: Es ist eine romantische Oper, heißt das, dass sich die Leute oft küssen und lieben?
Es ist schon eine Liebesgeschichte, aber es heißt romantische Oper, weil sie in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts geschrieben wurde - und diese Zeit nennt man "Romantik".
Florentin: Was machen Sie, dass die Kinder nicht einschlafen oder anfangen am Handy herumzuspielen?
Natürlich muss man schauen, dass die Dialoge kurzweilig und spannend sind, dass es viel Abwechslung gibt. Aber man kann auch erwarten, dass das Handy ausgeschaltet bleibt. Denn die Schauspieler verdienen die Aufmerksamkeit und Respekt.
Louise: Oper ist oft schwierig zu verstehen, was machen Sie dagegen?
In den letzten 50 Jahren hat man sich im Theater darauf geeinigt, dass Opern immer in der Sprache gesungen werden, in der sie geschrieben wurden und nicht in dem Land, wo sie aufgeführt werden. Sonst müsste man ja von jeder Oper spanische, englische, deutsche oder französische Fassungen haben. "Der Freischütz" wurde auf Deutsch geschrieben und ich halte meine Darsteller - ein Österreicher, ein Franzose, ein Finne, ein Isländer und eine Isländerin - an, deutlich zu sprechen und zu singen. Gerade für Kinder ist das wichtig.
Florentin: Was macht ein Regisseur den ganzen Tag?
Ich bin ja nicht nur Regisseur, sondern auch Professor an der Uni, Darsteller und Stückeschreiber. Ich habe viel zu tun.
Louise: Und woher bekommen Sie gute Ideen?
Das sind oft die ungewöhnlichsten Momente - in der Straßenbahn, beim Laufen oder wenn ich in der Nacht aufwache. Wenn ich gerade etwas produziere, bin ich immer mit Papier und Bleistift unterwegs.
Gabi Stockmann: Und was, wenn Sie vor dem Computer sitzen und es will keine Idee kommen?
Dann gehe ich raus, mache was anderes, gehe laufen. Und dann klappt es vielleicht und mir fällt eine Melodie ein, die ich mir dann im Kopf einprägen muss, bis ich wieder daheim bin.

Über Forentin Koch:
9 Jahre, Schüler der 3. Klasse der Volksschule Weikersdorf, Theaterspieler, Tänzer, Mitglied der BiondekBühne

Über Louise Astl-Kurz
9 Jahre seit 13. September, Schülerin der katholischen Privatschule St. Raphael in Maria Enzersdorf, hat schon bei der Klosterneuburger Kinderoper mitgespielt und ist im vierten Jahr bei der Wiener Theatergruppe Gut gebrüllt aktiv.
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