10.03.2017, 17:45 Uhr

Was mein Tier mir sagen will

BEZIRK BADEN. Verhaltensbiologin und Tiertrainerin Mag. Iris Schöberl aus Baden spricht über die vielschichte Beziehung zwischen Mensch und Tier.

BEZIRKSBLÄTTER: Eine einfache Frage. Wie können Sie helfen, wenn mein Hund mir ständig nachläuft und mich das nervt?
IRIS SCHÖBERL: So einfach ist die Frage gar nicht. Ich unterscheide zwischen unerwünschtem Verhalten - dazu würde Ihr Thema gehören - und zwischen richtigen Verhaltensstörungen, wenn der Hund zum Beispiel sich unberechenbar verhält - etwa einen Besucher freudig begrüßt und ihn kurz darauf aggressiv bedrängt.
Wie würden Sie in meinem Fall nun vorgehen?
Das wichtigste ist die Anamnese, das mache ich bei mir in Baden in der Horagasse. In gut zwei, drei Stunden kläre ich die Vorgeschichte des Tieres und seinen Alltag mit Ihnen ab. Natürlich ziehe ich auch einen Tierarzt bei, denn es gehört abgeklärt, ob das Tier körperlich gesund ist.

Stellen Sie eine Diagnose?
Eine Hypothese, würde ich sagen. Ich bin ja keine Ärztin. Sehr oft haben auffällige Hunde ein Schlafdefizit - 16 bis 18 Stunden Ruhe pro Tag wäre zum Beispiel normal, viele schlafen viel zu wenig. Manchmal hilft es schon, den Schlafplatz zu verändern.
Können Sie eruieren, warum mein Hund mir nachläuft?
Vielleicht hat er Angst und braucht Ihre Nähe. Vielleicht sucht er aufgrund seiner Vorgeschichte Aufmerksamkeit und bekommt Sie von Ihnen, indem Sie ihn immer mit einem Leckerli beruhigen. Es gibt viele Ursachen und tausende individuelle Trainingsmethoden. Ich arbeite gegenüber Tieren nur mit Lob, nie mit Strafe.
Was passiert dann weiter?
Ich erarbeite ein Training, wo auch Sie als Hundehalterin gefordert sind, Ihr eigenes Verhalten zu reflektieren. Vielleicht fehlt Ihrem Hund ein gezieltes Aktivitäts- und Ruhesignal. Je nach möglicher Ursache dauert das Training, das ich nur individuell mache, wenige Sitzungen bis hin zu Jahren.

Kommen zu Ihnen auch Katzenhalter mit Problemen?
Ich würde auch Katzen trainieren, die Nachfrage ist aber gering.

Sehen Sie Unterschiede zwischen Katzen- und Hunde-Menschen?
Die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist eine uralte, sie sind richtige Gefährten und haben sich einander angepasst. Auch ein Mensch ohne Hunde-Erfahrung kann zum Beispiel erkennen, ob ein Bellen freudig, ängstlich oder aggressiv ist. Die Beziehung Mensch-Katze ist eine sehr junge und braucht eher zwei autonome Partner. Was nicht heißt, dass man nicht auch Katzen trainieren kann. Was Hunde- und Katzen-Typen eint, ist die Liebe zur ihrem Tier.

(Mag. Iris Schöberl (32), www.beratungundtraining.at, arbeitet gerade an ihrer Doktorarbeit in Verhaltensbiologie zum Thema "Mensch-Hund-Bindung und Stressmanagement". Die Fragen stellte Gabriela Stockmann.)

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