17.09.2014, 22:08 Uhr

Millionenstreit um Haus im Grünland

Der Badener Rechtsanwalt Dr. Martin Prokopp mit dem Brief an die Gemeinde Alland, in dem er einen Amtshaftungsanspruch von 1,8 Millionen Euro stellt. Grund: Über seine 1 Million Euro teure Villa im Grünland ist von der Gemeinde ein Abbruchbescheid verhängt worden.

Rechtsanwalt Dr. Martin Prokopp kämpft um sein „Haus im Grünen“. Der 1 Millionen Euro teure Wohnbau in Alland/Gutental ist vom Abbruch bedroht.

BEZIRKSBLÄTTER: Herr Dr. Prokopp, Sie haben die Gemeinde Alland auf 1,8 Millionen Euro belangt. Warum?
Dr. Martin Prokopp: Es ist ein Amtshaftungsanspruch. Bei der Baubewilligung 2004 wurde darauf vergessen, den Baugrund auf Hofstelle umzuwidmen – das Haus befindet sich wenige Meter neben unserem tatsächlichen Bauernhof. So steht das Haus nun ohne passende Widmung im Grünland. Das Haus hat mich 1 Million Euro gekostet, der Abbruch würde noch mal 800.000 Euro kosten. Das Geld will ich zurück. Denn warum soll ich für einen Fehler des Amtes büßen?
Mit der geplanten Schafzucht wäre das Haus ein landwirtschaftlicher Betrieb gewesen und hätte sowieso im Grünland gebaut werden dürfen. Ein Trick, um die heikle Umwidmung in Bauland zu umgehen?
Keineswegs. Aus der Schafzucht, die meine Ex-Frau ernsthaft wollte, ist leider wegen der Scheidung nichts geworden. Ich habe bereits alles für ein Damwildgehege in die Wege geleitet, das im Herbst 2015 starten soll.
Ein neuer Trick, um den Abbruch des Hauses zu verhindern?
Der neue Bürgermeister Ludwig Köck hat selbst gemeint, dass mit dem Damwildgehege der Fehler repariert werden könnte. Ich finde die Idee gut, ich sehe durchaus ein, dass ich etwas machen muss und arbeite bereits daran. Trotzdem kam zu meinem 50. Geburtstag der Abbruchbescheid.
Sie sind auf Köck also nicht gut zu sprechen ...
Köck ist entweder zu schwach, um sich gegen seinen Gemeindevorstand zu wehren und keinen Abbruchbescheid zu erlassen. Oder er hat mich – unvorsichtig formuliert – "reingelegt".
Mit Köcks Vorgänger Grundner waren Sie ja recht gut, sonst wäre es vielleicht gar nicht zu der Baubewilligung gekommen. Man hört ja, dass Sie auch sonst gute Beziehungen hätten, etwa zu Raumplanern der Landesbehörde.
Grundner hat sich für die Baubewilligung auf ein Gutachten bezogen. Den Gutachter kannte ich gar nicht. Ich bin mit Grundner befreundet, ja. Aber Beziehungen meinerseits sind nicht im Spiel.
Was kann Ihnen ein Damwildgehege bringen?
Es ist für die Fleischproduktion. Ich würde mit einem Landwirt in Hennersdorf zusammenarbeiten. Überhaupt wäre es ein Projekt zur Stärkung regionaler Produkte, wo sich auch andere Bauern anschließen könnten.
Gibt es in Österreich einen ähnlichen Rechtsfall – ein baubewilligtes Haus mitten im Grünland, das abgerissen werden soll?
Meines Wissens nicht. Neben der Amtshaftung, die die Gemeinde in spätestens drei Wochen beantworten muss, habe ich gegen den Abbruchbescheid auch Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht eingelegt und glaube, dass ich durchkomme. Man kann doch nicht wegen eines Amtsfehlers eine Existenz ruinieren.
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