13.10.2014, 01:31 Uhr

Laufbericht Anningerlauf 2014 + Fotolauf nach Baden

Beim Zielsprint am Anninger (Foto: H.Steiner/derfisch.at)
Mödling: Goldene Stiege | Liebe LauffreundInnen,

leider hat´s ein wenig gedauert aber nun endlich mein Bericht: Der Anninger ist ja mein "Hausberg", ich kenne fast alle Strecken auf- und um ihn herum ziemlich gut. Und auch Rennen auf den Anninger hab ich schon öfters gemacht - allerdings immer von Gaaden hinauf, noch nie von Mödling. Nachdem es den Lauf von Gaaden aus nicht mehr gibt und der Termin am 20.9. gerade gut als letztes "Formüberprüfungsrennen" für den Schneeberg-Trail passt ist also klar - da bin ich mit dabei! Patrick übernimmt wieder den Chauffeur und Fotografen und begleitet mich zum Start. Das Wetter ist spätsommerlich schön aber nicht heiß, also gute Verhältnisse - ich freue mich schon richtig auf den Lauf. Mit 6Km Länge und 380 Höhenmeter ist er für mich zwar nur ein "kleiner" Berglauf aber daß man auch sowas vermurksen kann hab ich heuer schon beim Gfieder Geländelauf bei Ternitz bewiesen. Einen Bericht darüber gibt es zwar nicht, aber wer meinen Wachau-HM gelesen hat kann sich wohl vorstellen was ich gemacht habe ;-) Als wir beim Start ankommen ist schon viel los, auf der Wiese herrscht ein ziemliches Gewurl. Also Startsackerl abgeholt, Nummer angeheftet, Rucksack auf den Kleidertransportwagen und - oh, da sind ja einige Bekannte! Oliver und Daniel wollen gleich einmal ein paar Tips zur Strecke. Wolfgang und Manfred gehören sicher zu den Sieganwärtern und Ralf, Erik und Johann sind auch da - die sind eher meine Kragenweite, mal schauen ob ich mich vor ihnen platzieren kann. Vor lauter Plaudern vegesse ich fast auf´s Aufwärmen - 5 Minuten vor dem Start sause ich los und bin 1 Minute vor dem Start zurück - nur um Johann mit seiner Mozart-Perücke in die Arme zu laufen und gleich weiterzuplaudern. Erst als es 5 - 4 - 3 - heißt bemerke ich daß ich viel zu weit hinten stehe. Mist, ich versuche noch mich ein wenig vorzuschieben - 2 - 1 - LOS!

Auf dem schmalen Asphaltweg könnte ich eigentlich Gas geben doch ich stecke fest. Zu viel Energie verpulvern möchte ich auch nicht also trabe ich mit dem Feld mit und überhole nur wenn sich eine Lücke auftut. Aus der anfangs leichten Steigung wird ein sanftes Gefälle, das Feld zieht sich ein wenig auseinander und ich kann besser überholen. Ahhhh ja, so macht´s Spaß, durch die frische Luft dahinfegen, jetzt rechts ab auf den Schotterweg zum Prießnitztal. Wohl der schönste Teil der Strecke, ich bin immer wieder fasziniert von diesem riesigen Hohlweg. Durch das hohe Blätterdach schneiden Sonnenstrahlen leuchtende Bahnen in den Morgendunst, wunderschön! Aber ich muß mich auf den Weg und das Rennen konzentrieren. Schwach bergauf geht es flott über den Waldboden dahin, auf Steine und Wurzeln gilt es zu achten. Obwohl ich einen Gang runtergeschaltet habe und in einem sehr angenehmen Tempobereich laufe hab ich den Großteil des Feldes hinter mir gelassen. 3, 4 Leute sehe ich vor mir und hinter mir ist auch nicht mehr allzu viel los also kein Streß, ich habe hier keine Vergleichszeit zu schlagen. Am kleinen Steilstück am Ende des Prießnitztales überholen mich zwei Läufer aber das stört mich nicht, ich fühle mich ausgezeichnet, laufe genau das Tempo das ich will. Weiter geht es, vorbei an anfeuernden Streckenposten und immer wieder an Wanderern die erstaunt bis freundlich grüßen, nun wieder etwas flacher, den Waldweg zum Maibründl hinauf. Auf einmal läuft ein Hund vor mir auf dem schmalen Weg - wo ist denn sein Herrl oder Frauerl? Ich sehe niemanden und überlege wie ich an ihm vorbeikomme - er ist etwas zu langsam, also muß ich wohl links oder rechts durch´s "Gemüse" laufen. Während ich noch überlege ertönt hinter mir ein Pfiff und der Hund läuft zur Seite, der Weg ist frei. Allerdings war das nicht der Besitzer des Hundes sondern Igor der knapp hinter mir ist und anscheinend besser weiß, wie man mit Hunden umgeht - dabei habe ich doch selbst einen ;-) Igor ist auch schneller als ich, überholt, bleibt aber dann konstant etwa 20m vor mir. Beim Gasthof "Krauste Linde" folgen wir kurz der großen Waldstraße bevor wir auf die alte Rodelbahn einbiegen. Ein wenig naß und gatschig ist es hier stellenweise schon aber das ist kein ernsthaftes Problem. Durch die Steilkurven arbeiten wir uns Meter um Meter höher, Igor konstant 20-30m vor mir, nochmal 20m weiter ist noch einen Läufer aber das war´s, auch hinter mir ist weit und breit niemand zu sehen, alles ruhig.

Als es wieder etwas flacher wird überlege ich kurz, ob ich zu Igor aufschließen soll - aber wozu? Ich genieße das Tempo, den Wald, die Strecke, alles passt ganz genau, die paar Meter aufzuholen würde meine Harmonie unverhältnismäßig stören - nein, ich mache weiter wie bisher, laufe MEIN Tempo! Vor dem Anninger Schutzhaus wird die Szene wieder belebter, Leute fotografieren uns, feuern an, Ordner weisen den Weg der aber eh sehr gut mit weißen Pfeilen gekennzeichnet ist abgesehen davon daß ich ihn ja kenne ;-) Kurz geht es wieder eine große Waldstraße entlang am Schutzhaus vorbei, dann links die Abzweigung auf die schmale Asphaltstraße zum Sender, die letzten 4-500 Meter. Ha ist das schön, hier leicht bergauf nochmal Gas zu geben! Igor hat inzwischen den zweiten Läufer eingeholt - ob ich nicht doch versuchen sollte, die beiden einzuholen? Reserven hab ich ja noch, also schneller! Geht auch - aber die beiden vor mir sind auch keine Anfänger, werden im selben Verhältnis flotter, ich komme nicht näher. Na macht auch nichts, sprinte ich halt nur so zum Spaß in´s Ziel, die Leute jubeln, Fotografen lauern, da muß ich auch was bieten und - durch, geschafft! Keuchend klopf ich Igor auf die Schulter, sehe 34:43 auf der Uhr und bin mit meinem Lauf sehr zufrieden - das war zwar nicht am allerletzten Drücker aber darum ging´s mir auch nicht sondern um ein gutes gleichmäßiges Tempo - und das hat gepasst. Erstaunt bin ich als ich Johann mit seiner Perücke im Ziel sehe - das gibt´s doch nicht, der war doch hinter mir und hat mich nicht überholt - wie kann er vor mir im Ziel sein? Er klärt mich rasch auf - er hat die Abzweigung auf die Rodelbahn übersehen, ist die Waldstraße raufgelaufen und hat damit ein schönes Stück abgekürzt. Tja schade, Pech, aber nächstes Jahr kennt er die Strecke - und auch ich werde sicher noch die eine oder andere Minute hier herauf finden ;-)

Die Siegesfeier findet in der Anninger-Schutzhütte statt - da herrscht ein ziemlicher Trubel, ein Mischmasch aus Läufern und Wanderern. Ich setzt mich zu Wolfgang und Bea in den Garten, plaudere ein wenig und warte auf die Siegerehrung. Die findet leider drinnen statt, es geht ziemlich eng zu. Aber sie wird zügig abgewickelt und die Pokale verteilt. Wie erwartet holt sich Wolfgang in 27:55 klar den Gesamtsieg vor Manfred in 29:41 und Simon in 29:57 - tolle Zeiten! Für mich reicht es diesmal nicht zu einem Pokal - "nur" 5. in meiner Klasse, das ist wohl der gerechte Ausgleich zu meinem überraschenden 3. Platz beim Wachau-Halbmarathon - kaum zu glauben daß die Konkurrenz hier viel stärker ist als in der Wachau! Unzufrieden bin ich dennoch nicht: Ralf und Erik sind hinter mir, Johann hätte mich ohne "Abschneider" wahrscheinlich auch nicht erwischt, der Lauf war ein Genuß und zeitmäßig ist nächstes Jahr auch noch was drin.

LG + cu

Hans

P.S.: Info´s, Ergebnisse, Bilder und ein nettes Video gibt es auf http://www.anningerlauf.at/

P.P.S.: Lob an die Organisation - aus meiner Sicht war´s ein rundum gelungener Lauf den ich jedem der mal in´s Berglaufen hineinschnuppern möchte nur empfehlen kann.

P.P.P.S.: Bea vielen Dank für den halben Topfenstrudel, ich werde mich bei Gelegenheit revanchieren ;-)

Mein Rennbericht wäre damit beendet - nicht aber meine Lauferlebnisse an diesem Tag. Die folgende Strecke ist übrigens auch sehr schön zum Walken oder Wandern - wer also noch weiterlesen möchte ... ;-)

Wie erwähnt brauche ich ein paar Trainigskilometer für den Schneeberg-Trail. Also ist es naheliegend, nach dem Rennen die Gegend zu nutzen und über Anninger und Pfaffstättner Kogel zurüch nach Baden zu laufen. Ich verabschiede mich von meinen Lauffreunden und mache mich auf den Weg - zunächst auf der großen Forststraße und dann links ab den kleinen Pfad hinauf zur Wilhelmswarte am Anningergipfel. Teilweise ganz schön steil, gatschig und rutschig - ein kleiner sanfter Vorgeschmack auf nächsten Samstag. Oben ist es schön warm und sonnig, wenn auch etwas diesig - der Rundblick also nicht besonders. Dafür ist alles voll von kleinen Schwebfliegen und Marienkäfern - nachdem die aber nicht stechen stört es mich nicht. Nach einer kurzen Fotopause geht es weiter, bergab vorbei an den Felshaufen die dem Hochwald ein urtümliches Gepräge geben, über den Wanderweg 448 den Buchkogel hinunter. Wunderschön ist es hier zu laufen, durch den Spätsommerwald leicht bergab dahinzufliegen, vorbei an bunten Wegweisern und Marteln ... und dann den kleine Anstieg auf den Pfaffstättnerkogel hinauf sozusagen als "Auslauf" ;-) Natürlich muß ich rauf auf die Klesheimwarte bei der Rudolf Proksch Hütte - die Aussicht ist ähnlich wie vom Anninger: Von Süden über Westen bis Norden der dunkelgrüne Wienerwald, im Osten das diesige Wiener Becken und unter mir die Sonnenschirme und Bänke mit zahlreichen Gästen. Und schön warm ist es hier in der Sonne, ein wenig zu "bräunen" wäre nicht ungemütlich.

Aber es geht weiter - von der Proksch-Hütte steil bergab Richtung Pfaffstätten. Die Wege hier kenne ich eh alle und weil mir danach ist laufe ich einfach querwaldein auf den nächsten kleine Gipfel, mal sehen was es dort gibt. Erstaunlicherweise ist dort wirklich was - im lichten Föhrenwald liegt eine mit alten vermoderten Baumstämmen umrahmte Fläche. Keine Ahnung wer das wozu gemacht hat, vielleicht ein ehemaliger Wind- und Wetterschutz der Pecher, die hier einst am Werk waren? Jedenfalls finde ich nicht unweit davon eine Föhre, die früher zur Pechgewinnung verwendet wurde. Daneben gibt´s noch jede Menge Schwammerl - aber ich bin kein Experte, weiß nicht was das für welche sind. Auch sonst bietet der Wald viele hübsche Fotomotive - ich komme nur langsam weiter vor lauter Schauen und Fotografieren ;-) Nach einem steilen Abstieg lande ich im Kleinen Kiental und ab da geht es wieder flott dahin - runter nach Einöde und auf der anderen Talseite wieder bergauf in den Kurpark Baden und zum Rudolfshof. Noch immer geht es mir sehr gut - ok, ich war auch nicht allzu schnell unterwegs aber dennoch freut´s mich - so soll es sein! Vorbei an der Bienenburg geht es endgültig hinunter nach Baden - einen letzten kurzen Foto-Halt mache ich beim Pavillon Annahöhe mit seiner schönen Aussicht hinab auf die Stadt. Den Pavillon selbst haben kreative "Künstler" recht eigenwillig verziert ... naja. Aber egal, ich habe das Rennen und den Lauf zurück sehr genossen und freue mich auf nächsten Samstag - der Schneeberg kann kommen!
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