Das Geschäft mit dem Mitleid: Hundenotfall in Braunau

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BRAUNAU, WIEN. Das Internet ist voller trauriger Hundegesichter, die um Hilfe bitten. Sie sitzen in so genannten Tötungsstationen und warten meist ohne Futter zusammengepfercht in ihren eigenen Fäkalien auf ihre Ermordung.

Als Tierfreund fühlt man sich von solchen Bildern schnell angesprochen, teilt die um Hilfe flehenden Postings diverser Organisationen in den sozialen Netzwerken und hofft, den armen Geschöpfen helfen zu können. Nach dem Aufsehen erregenden Fall der in Wien in einem bulgarischen Auto ohne Wasser eingepferchten Hunde und Katzen, zeigt nun ein aktueller Fall in Braunau, wie eine "Tierrettung" gründlich schief gehen kann.

Anfang der Woche erreichte die Tierschutzorganisation Pfotenhilfe ein Anruf des Amtstierarztes: Ein Hund aus Braunau musste dringend abgeholt werden. Dieser war erst im März von einer österreichischen Organisation aus einer Tötungsstation aus Ostbulgarien zu einer besachwalterten, eingeschränkt mobilen Frau geliefert worden. Es handelte sich um einen knapp einjährigen, sehr aktiven Jagdhundmischling, um den sie sich nicht ausreichend kümmern konnte.

"Ich würde schon so manchem mündigen Bürger kein Tier anvertrauen, aber hier ist es ganz offensichtlich, dass die Frau nicht einmal ausreichend für sich selbst sorgen kann und schon gar nicht für ein anderes Lebewesen", sagt Pfotenhilfe-Geschäftsführerin Johanna Stadler.

Der Labradormischling namens "Rim" ist lieb und anhänglich und die Pfotenhilfe sucht nun einen passenden Platz mit viel Zeit, Beschäftigung und Liebe.

"Grundsätzlich spricht natürlich vieles dafür, einen Hund vor dem Tod zu retten. Aber eine seriöse Organisation kümmert sich um einen tiergerechten Transport und alle Schutzimpfungen, macht eine Vor-Ort-Kontrolle und ein ausführliches Beratungsgespräch, bevor ein Tier vermittelt wird und bietet auch eine Rücknahme an", klärt Stadler auf.

Manche Vereine bieten an, Streunerhunde aus Tötungsstationen direkt an die Interessenten in Österreich zu liefern. "Die Tiere treffen hier zum ersten Mal auf ihre neuen Halter – oft ohne Möglichkeit, sich anders zu entscheiden. Zudem leiden sie immer wieder an teilweise ansteckenden Krankheiten, die es bei uns nicht gibt und zum Teil nicht heilbar sind", so Stadler.

"In den letzten Wochen erhielten wir einige importierte, ungewollte Hunde, die die Vorstellungen des Halters nicht erfüllen konnten. Sie hatten teils schwere Hauterkrankungen oder typische südosteuropäische Krankheiten, die es bei uns nicht gibt und teilweise ansteckend und nicht heilbar sind. Neben südosteuropäischen Hirtenhunden, die nur sehr schwer vermittelbar sind, war unter anderem auch ein erst fünf Wochen alter, angeblich reinrassiger Labrador dabei, der in Wahrheit ein bosnischer Laufhund ist. Dieser musste schon nach einem Tag wieder verschwinden, weil in der Mietwohnung nicht erlaubt."

Ein zusätzliches Problem: Laut neuem Tierschutzgesetz dürfen Privatpersonen seit Ende April keine Hunde mehr öffentlich inserieren und weitergeben. Diese landen laut Stadler somit zwangsläufig in Tierheimen.

Fotos von "Rim": Pfotenhilfe/Sonja Müllner

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